Onshore-Wind für die automatische Sekundärregelung zugelassen

Wenn Windparks das Netz in Sekunden stabilisieren

Der Windpark Huje in Schleswig-Holstein wurde erfolgreich in die aFRR-Vermarktung überführt.

Bild: nttb/Looft-Schmidt
24.01.2026

Engelhart vermarktet Onshore-Windparks mit Enercon-Anlagen für die aFRR in der Regelzone von TenneT. Mithilfe der Technologie von Gridfuse und Enercon wurde die Präqualifikation erreicht. Drei Windparks in Huje liefern nun insgesamt 28 MW Regelenergie.

Die Partner Engelhart, Gridfuse, Enercon und Nttb haben einen wichtigen Schritt für die weitere Umsetzung der Energiewende in Deutschland erreicht: Seit Anfang Dezember 2025 vermarktet Engelhart die ersten Onshore-Windparks mit Enercon-Windenergieanlagen auf dem Markt für Sekundärregelleistung (aFRR) in der Regelzone des Übertragungsnetzbetreibers TenneT Germany. Dies ist die erste Zulassung eines Onshore-Windparkpools für die aFRR in der größten deutschen Regelzone.

Bedeutung der aFRR für die Netzstabilisierung

Die aFRR (automatische Frequenzregelreserve oder Sekundärregelung) ist eine automatisch aktivierte Reserveleistung zur Netzstabilisierung. Sie wird eingesetzt, um die Netzfrequenz nach kurzfristigen Schwankungen wieder auf den Sollwert von 50 Hz zu bringen. Sie wird von Kraftwerken oder Speichern bereitgestellt und reagiert innerhalb weniger Minuten, nachdem die Primärregelung (Frequency Containment Reserve, FCR) die ersten Sekunden einer Frequenzabweichung überbrückt hat. Zur längerfristigen Stabilisierung der Netzfrequenz wird die aFRR wiederum von der mFRR (manuelle Frequenzregelreserve oder Tertiärregelung) abgelöst. FCR, aFRR und mFRR sind elementare Systemdienstleistungen zur Netzregelung, die von den Übertragungsnetzbetreibern aktiviert werden.

Bislang wurden diese Systemdienstleistungen vor allem von fossilen Regelkraftwerken bereitgestellt. Durch die neue Prognose- und Regelungstechnologie von Enercon und Gridfuse konnte jedoch bewiesen werden, dass Windparks in Gruppen ebenso präzise regelbar sind wie konventionelle Anlagen. Seit Februar 2025 vermarktet Engelhart bereits Flexibilität am Markt für Minutenregelleistung (mFRR) mit rund 100 MW von 20 Windparks. Nun konnten die ersten drei Windparks des Betreibers Looft-Schmidt am Standort Huje (Schleswig-Holstein) mit einer Flexibilität von rund 28 MW in die aFRR-Vermarktung überführt werden.

In der Präqualifikation stellten sowohl die Ermittlung einer präzisen Live-Vorhersage (die sogenannte mögliche Einspeisung) als auch die Entwicklung eines übergeordneten Pool-Reglers durch Gridfuse eine Herausforderung dar. Zusammen mit einer zusätzlichen Reglerfunktion für die Regelenergie auf dem Enercon-Parkregler ist es den Firmen gelungen, die technologischen Hürden zu überwinden und auch älteren Windparks die Teilnahme am Regelleistungsmarkt zu ermöglichen.

Partnerschaftliches Vorgehen und schnelle Umsetzung

Dank der agilen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Windparkgesellschaft, dem Enercon-Service, dem Parkbetreiber Nttb und dem Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany konnte das Projekt inklusive der nötigen Prüfverfahren innerhalb weniger Monate umgesetzt werden. Die Parkbetreiber profitieren von einem konkreten Mehrwert, während die Netzbetreiber von der netzdienlichen Steuerung der Windparks profitieren.

Onshore-Windparks haben nachweislich das Potential, einen Großteil der kritischen Netzstabilisierungsmenge in der aFRR systemsicher bereitzustellen und konventionelle Gaskraftwerke in den meisten Zeitscheiben zu ersetzen. Mit der geplanten Umstellung auf Viertelstundenzeitscheiben bei der aFRR-Vermarktung sehen wir hier die Möglichkeit, für unsere Kunden sowohl negative als auch positive Sekundärregelleistung vermarkten zu können. Gridfuse entwickelt seit 4 Jahren die notwendige Technologie dafür. Wir freuen uns, zusammen mit Engelhart, nttb, Enercon und TenneT Germany einen wichtigen Schritt Richtung Skalierung dieses Geschäftsfeld für Onshore-Windparks leisten zu können“, sagt Konrad Wolf von Gridfuse.

„Als Anbieter von Lösungen für das vernetzte grüne Energie-Ökosystem ist es unser zentrales Anliegen, unseren Kunden einen attraktiven Mehrwert aus ihrem Projekt zu ermöglichen“, sagt Karsten Tonn, Leiter Business Unit Service bei Enercon. „Die Bereitstellung der aFRR-Funktionalität für Bestandswindparks ist ein Paradebeispiel für den Bereich, Smarte Optimierung‘ unseres Portfolios: Mit cleveren Lösungen für Windparks in der Betriebsphase stellen wir für unsere Kunden kontinuierliche Wertsteigerung, Zukunftsfähigkeit und Wachstum sicher und leisten gemeinsam einen weiteren wichtigen Beitrag für die Energiewende.“

Sevastos Kavanozis, Global Head of Renewables Sales & Origination, fügt hinzu: „Die Energiewende hängt davon ab, dass erneuerbare Energien eine aktive Rolle beim Ausgleich des Systems übernehmen. Bei Engelhart ist es unser Ziel, dies für jeden Kunden und jedes Projekt, mit dem wir zusammenarbeiten, möglich und wirtschaftlich rentabel zu machen. Diese Genehmigung schlägt ein neues Kapitel für die Onshore-Windenergie auf und zeigt, dass erneuerbare Energien eine tragende Säule für die Netzstabilität sein können und gleichzeitig neue Einnahmequellen für Eigentümer erschließen.“

Ausblick: Erweiterung des Anlagentypspektrums

Aktuell testen die Firmen Engelhart, Gridfuse und Enercon weitere Enercon-Anlagentypen, um das Portfolio zu vergrößern und weiteren Kunden die Teilnahme am Regelenergiemarkt zu ermöglichen.

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