Flachdächer auf Produktions-, Logistik- oder Handelsimmobilien bieten zwar ideale Flächen für die Installation von Solarmodulen. Allerdings stoßen sie bei der Nachrüstung oft an statische Grenzen. Konventionelle Aufständerungssysteme bringen Eigengewicht mit sich und erfordern durch ihre Windanfälligkeit häufig zusätzliche Ballastierung. Diese erhöht nicht nur den Material- und Logistikaufwand, sondern wirkt auch dauerhaft auf die Dachkonstruktion ein.
„In Gesprächen mit Planern, Betreibern und Projektentwicklern zeigt sich immer wieder: Die Traglast ist häufig der entscheidende Engpass für PV-Projekte“, sagt Christina Markfelder, Leitung Marketing bei Ilzo. „Gleichzeitig wächst der Bedarf, bestehende Dachflächen wirtschaftlich für die Eigenstromerzeugung zu nutzen. Genau an dieser Schnittstelle braucht es Lösungen, die statisch, technisch und wirtschaftlich gleichermaßen überzeugen.“
Leicht, aber riskant: Klebelösungen im Check
In der Diskussion um leichte Alternativen fällt häufig der Begriff Klebelösungen – also das direkte Aufkleben von Modulen auf die Dachhaut oder das Verkleben von Unterkonstruktionen. Aus technischer Sicht birgt das laut Geschäftsführer Werner Ilzhöfer jedoch erhebliche Risiken:
Klebelösungen leiten Kräfte nicht flächig, sondern punktuell in die Dachhaut ein. Dies kann zu lokalen Spannungsspitzen, Materialermüdung und im Extremfall zu Schäden an Dachabdichtung oder Tragschicht führen.
Die UV-bedingte Alterung mit Elastizitätsverlust der Dachfolie kann zu Rissen an den Klebestellen sowie an Verschraubungspunkten der Dachbahnen führen.
Direkte Verklebung reduziert die Wärmeabfuhr, erhöht die Modultemperatur und damit die Degradation – ein Effekt, der in internationalen Studien, unter anderem der International Energy Agency, als relevanter Einflussfaktor auf die Modullebensdauer beschrieben wird.
Verklebte Systeme sind schwer zu demontieren, was Reparaturen oder Modultausch aufwendig macht und die Dachhaut zusätzlich belastet.
Klebelösungen können in der Praxis daher eingeschränkt sein – insbesondere bei großen Dachflächen, wo gleichmäßige Lastverteilung, Hinterlüftung und einfache Wartbarkeit wichtig sind.
Anforderungen an moderne PV-Systeme
Um lastkritische Dächer sicher und wirtschaftlich zu erschließen, sollte ein Montagesystem laut Ilzo folgende Anforderungen erfüllen:
extrem niedrige Flächenlast, um Dachstatiken nicht zu überschreiten
dachdurchdringungsfreie Konstruktion, die ohne Klebung auskommt
gleichmäßige Lastverteilung, ohne punktuelle Druckstellen, zur Schonung der Dachhaut
aerodynamisch optimierte Anlagengeometrie, die auf minimalen Wind- und Soglasten ausgelegt ist und deren Auslegung durch Windkanaluntersuchungen abgesichert wurde
projektbezogene Berechnung der Ballastierung, abgestimmt auf Standort, Gebäudegeometrie und Windzone – idealerweise softwaregestützt
nachweislich geprüfte Tragfähigkeit und Fertigungsqualität, etwa durch eine Zertifizierung nach DIN EN 1090
vormontierte Komponenten, die Montagezeit, Logistik und Personalaufwand reduzieren
Diese Kriterien ergeben sich unmittelbar aus den technischen Herausforderungen moderner PV-Systeme. Entscheidend sind Materialwahl, Befestigungsprinzip und Hinterlüftung, da sie Systemstabilität und Leistungsfähigkeit langfristig bestimmen. Ilzhöfer erklärt: „Für Entscheider bedeutet das: Nicht der reine Anschaffungspreis, sondern Gesamtkosten, Risiko und Langlebigkeit entscheiden über die Wirtschaftlichkeit einer Anlage.“
Praxisbeispiel: PV-Montagesystem für lastkritische Dächer
Ein Beispiel für ein entsprechend ausgelegtes System ist das Ilzo Wave Ultra. Das am IFI-Institut Aachen im Windkanal geprüfte und TÜV-zertifizierte Montagesystem erreicht eine Flächenlast von unter 7 kg/m2 inklusive Modul. Die auftretenden Kräfte werden dabei gleichmäßig über die Dachhaut verteilt. Der verwendete EPDM-Fuß schützt die Dachfolie, erlaubt Querentwässerung und sorgt mit hohem Reibwert für Halt, häufig ohne zusätzliche Ballastierung.
Die vormontierte, klemmenlose Konstruktion soll den Montageaufwand um bis zu 30 Prozent reduzieren. Das eingesetzte Aluminium trägt dabei zur Langlebigkeit und Korrosionsbeständigkeit bei.
Fazit
Klebelösungen bergen Risiken für Dachhaut, Wartung und Energieeffizienz. Übermäßig ballastierte Systeme erhöhen das Gewicht und belasten Dach, Dämmung und Tragwerk des Gebäudes. Geprüfte Leichtbau-Aufständerungen bieten eine Balance aus Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit. Sie können daher einen Schlüssel zur Erschließung bisher ungenutzter Dachpotenziale darstellen.