Ein Netzmodell, zwei Welten

Digitaler Zwilling für die Niederspannung

Die gemeinsame Schnittstelle synchronisiert das rechenfähige Netzmodell, das als integrierter digitaler Zwilling der Niederspannung für die Betriebsführung und Netzplanung des VNB dient.

Bild: iStock, mikkelwilliam
14.02.2026

Paragraf 14a EnWG und Paragraf 9 EEG erhöhen den Druck auf Prozesse und Daten. Ein synchronisiertes, rechenfähiges Netzmodell bildet den digitalen Zwilling der Niederspannung für Betriebsführung und Netzplanung.

Ein integrierter digitaler Zwilling der Niederspannung für alle zentralen Prozesse des Verteilnetzbetreibers bringt Synergieeffekte, Effizienzvorteile und eine höhere Datenqualität. Das Aachener IT-Unternehmen Kisters, das in der Energiewirtschaft tätig ist, und Retoflow aus Kassel haben eine strategische Partnerschaft vereinbart, um Verteilnetzbetreibern (VNB) zusätzliche Synergieeffekte bei der Umsetzung der Anforderungen aus Paragraf 14a EnWG (Steuerung von Verbrauchsanlagen) und Paragraf 9 EEG (Steuerung von Erzeugungsanlagen) zu bieten.

Systemintegration per Schnittstelle

Die Lösungen beider Unternehmen sind weiterhin eigenständig einsetzbar und decken unterschiedliche Prozessbereiche ab. Optional können sie nun über eine gemeinsame Schnittstelle dasselbe rechenfähige Netzmodell des Bestandsnetzes synchronisieren. So entsteht ein ingrierter digitaler Zwilling der Niederspannung für alle zentralen Prozesse des VNB.

„Mit dieser Kooperation bringen wir für Netzbetreiber die zentralen Aspekte Betriebsführung und Netzplanung in eine integrierte Lösung. Für unsere Kunden bedeutet das einen Effizienzgewinn beim Aufbau eines digitalen Zwillings und zusätzliche Automatisierungsmöglichkeiten bei der Erfüllung von gesetzlichen Anforderungen wie einer Anschlussprüfung“, so Dr. Markus Probst, Leiter des Geschäftsbereichs Energie bei Kisters.

Kisters bietet mit der BelVis+ Smart Grid Plattform eine umfassende Lösung für Betriebsführung und netzorientierte Steuerung (Paragraf 14a EnWG, Paragraf 9 EEG, Paragraf 12 EnWG). Retoflow fokussiert sich auf digitale Netzplanung, automatisierte Netzanschlussprüfung und Zielnetzplanung. Beide Systeme können unabhängig voneinander betrieben werden. Die Zusammenarbeit ist somit grundsätzlich optional, durch die enge, direkte Systemintegration ergeben sich Effizienzvorteile und eine höhere Datenqualität.

Mehr Effizienz und weniger Inkonsistenzen

Grundlage ist eine gemeinsame, konsistente Datenbasis: Der digitale Zwilling des Netzes und der Kundenanlagen wird einmalig aus GIS- und ERP-Systemen aufgebaut und anschließend zwischen beiden Lösungen synchronisiert. Dadurch reduzieren sich die Integrationsaufwände deutlich, da eine mehrfache Anbindung von GIS, ERP, EDM und Messdatenquellen (zum Beispiel TAF10 und ONS) nicht mehr erforderlich ist. Gleichzeitig werden Inkonsistenzen vermieden, da sowohl die Betriebsführung als auch die Netzplanung jederzeit auf einen abgeglichenen Datenstand zugreifen können. Fehleranfällige manuelle Abgleiche sind somit nicht mehr notwendig. Die Kooperation nutzt dazu ein rechenfähiges Netzmodell auf Basis des Open-Source-Werkzeugs „pandapower” als Austauschformat.

Datenqualität und automatisierbare Datensynchronisation

Verteilnetzbetreiber profitieren von schnelleren Projektumsetzungen, da sich die Initialaufwände bei Datenintegration, -bereinigung und -plausibilisierung halbieren. Durch die automatisierbare Stammdatensynchronisation des digitalen Zwillings wird eine nachhaltige Effizienz im laufenden Betrieb erreicht und eine höhere Datenqualität als belastbare Grundlage für Betriebsführung und Netzplanung gewährleistet.

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