Potenziale für ein stabiles Energiesystem heben

Warum Wasserkraft bei Windflaute und wenig Sonne zählt

Diese Wasserkraftanlage Sägemühle befindet sich in Bietigheim-Bissingen.

Bild: PEE BW - Stephanie Hähnlein
08.02.2026

Die Rolle der Wasserkraft für eine resiliente, klimaneutrale und sichere Energieversorgung – auch bei wenig Wind und Sonne – wird immer wichtiger. Ein Positionspapier zur Landtagswahl 2026 setzt Schwerpunkte für die Wasserkraft und zeigt auf, wie Potenziale genutzt werden können.

Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) betont die zentrale Bedeutung der Wasserkraft für eine resiliente, klimaneutrale und sichere Energieversorgung in Baden-Württemberg. Der Branchenverband weist darauf hin, dass die Wasserkraft einen unverzichtbaren Beitrag zur Stabilität des Energiesystems leistet – insbesondere in Zeiten, in denen Wind- und Solarenergie nur begrenzt zur Verfügung stehen.

Die Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg (AWK BW) und die Interessengemeinschaft Wasserkraft Baden-Württemberg (IGW BW) haben ein gemeinsames Positionspapier zur Landtagswahl 2026 erarbeitet.

„Wasserkraft ist ein zentraler Baustein für eine sichere und klimaneutrale Energieversorgung in Baden-Württemberg. Sie liefert verlässlich Strom – auch dann, wenn Wind und Sonne gerade wenig beitragen – und stärkt damit die Resilienz unseres Energiesystems. Gleichzeitig verbindet sie Klimaschutz, Gewässerökologie und regionale Wertschöpfung auf einzigartige Weise. Wir unterstützen daher die Forderungen der Wasserkraftverbände und appellieren an die Politik, die Potenziale der Wasserkraft konsequent zu nutzen und bestehende Hemmnisse abzubauen“, erklärt Jürgen Scheurer, Geschäftsführer der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg.

Genehmigungen beschleunigen, Potenziale heben

Im Mittelpunkt des Positionspapiers steht die Forderung nach einer deutlichen Beschleunigung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren. Die Betreiberinnen und Betreiber von Wasserkraftanlagen sehen sich seit Jahren mit komplexen und langwierigen Verfahren konfrontiert, die notwendige Modernisierungen und ökologische Verbesserungen verzögern.

Gleichzeitig betonen die Verbände, dass die bestehenden gesetzlichen Grundlagen eine stärkere Berücksichtigung des Klimaschutzes bereits heute ermöglichen. In wasserrechtlichen Entscheidungsprozessen müsse es zudem eine ausgewogene Berücksichtigung von Klima-, Energie- und Naturschutzbelangen geben, wobei entsprechende fachliche Expertise eingebunden werden müsse.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung der vorhandenen Potenziale. An vielen Standorten können durch technische Modernisierungen, Effizienzsteigerungen oder eine dynamische Stauraumbewirtschaftung erhebliche Leistungsgewinne erzielt und somit der Beitrag zur klimaneutralen Energieversorgung gesteigert werden.

Darüber hinaus sehen die Verbände großes Potenzial in der Reaktivierung stillgelegter Anlagen und der Nutzung vorhandener Querbauwerke. Diese Möglichkeiten ließen sich jedoch nur zügig erschließen, wenn rechtliche und planerische Rahmenbedingungen klarer definiert und Genehmigungsprozesse beschleunigt würden. Voraussetzung hierfür ist auch eine Überarbeitung des Energieatlas Baden-Württemberg sowie dessen Überführung in ein modernes, digital nutzbares Format.

Kleinwasserkraft mit Netzdienlichkeit und Daten stärken

Im Fokus stehen auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die hauptsächlich mittelständisch geprägte Kleinwasserkraft. Damit Betreiberinnen und Betreiber langfristig investieren können, braucht es einen verlässlichen Investitionsschutz sowie Förderinstrumente des Landes, die den besonderen Anforderungen kleiner Anlagen gerecht werden.

Die Verbände fordern außerdem, dass die vielfältigen netzdienlichen Leistungen der Wasserkraft – darunter Momentanreserve, Blindleistung oder Schwarzstartfähigkeit – angemessen vergütet werden. Diese Dienstleistungen sind für ein stabiles Energiesystem essenziell und müssen im energiepolitischen Rahmen stärker berücksichtigt werden.

Neben den technischen und finanziellen Aspekten betonen die Wasserkraftverbände die Bedeutung von Daten, Transparenz und Digitalisierung. Eine moderne Energieplanung kann nur funktionieren, wenn relevante Informationen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie systematisch erhoben und öffentlich zugänglich gemacht werden. Digitale Werkzeuge sind entscheidend, um die dezentralen Potenziale der Wasserkraft sichtbar zu machen und Planungsprozesse zu beschleunigen. Bürgerfreundliche Informationsportale können zudem dazu beitragen, Vorhaben vor Ort transparenter zu gestalten und die Akzeptanz weiter zu erhöhen.

Sektorenkopplung mit Wasserkraft ausbauen

Abschließend richtet das Positionspapier den Blick auf die Chancen einer konsequenten Sektorenkopplung. Die Wasserkraft verbindet auf natürliche Weise Stromerzeugung, Wärme, Mobilität und Energiespeicherung. Von der Nutzung von Wärme aus Fließgewässern über Ladeinfrastruktur im ländlichen Raum bis hin zu Wärme- und Strompotenzialen in Klär- und Trinkwassersystemen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die bisher unzureichend ausgeschöpft werden.

Die Wasserkraftverbände sowie die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg betonen ihre Bereitschaft, ihre langjährige Expertise konstruktiv in politische Entscheidungsprozesse einzubringen, um die Energiewende im Land gemeinsam mit Politik und Verwaltung erfolgreich voranzutreiben.

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