Resilienz planen statt nachrüsten

Netzstabilität von morgen: Die fehlende Komponente im Verteilnetz

In dem Positionspapier „Grid-Forming Readiness“ des Fraunhofer IEE wird der Begriff Grid-Forming Readiness als Vorhalte- und Klassifizierungskategorie eingeführt. Dabei werden große MS-Batteriespeicher als Einstiegspunkt hervorgehoben.

Bild: iStock, onurdongel
01.03.2026

Ist das Verteilnetz ready für die Zukunft? In seinem Positionspapier beschreibt das Fraunhofer IEE eine Lücke zwischen dem heutigen Betrieb und den künftigen Systemanforderungen.

Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE hat das Positionspapier „Grid-Forming Readiness im Verteilnetz – MS-Batteriespeicher als Schlüssel zur Inselnetzfähigkeit und Resilienz“ veröffentlicht. Darin werden die systemischen Herausforderungen der Energiewirtschaft im Zuge der Transformation hin zu einem leistungselektronisch geprägten Stromsystem beleuchtet. Das Papier ordnet die wachsende Bedeutung inverterbasierter Ressourcen, insbesondere großer Batteriespeicher im Mittelspannungsnetz, ein und zeigt auf, warum zukünftige Stabilitäts-, Resilienz- und Wiederaufbaufunktionen bereits heute in der technischen Auslegung berücksichtigt werden sollten.

Im Zentrum steht die Einführung des Begriffs „Grid-Forming Readiness“ (GF-Ready). Dieser beschreibt die vorausschauende Vorhaltung netzbildender Fähigkeiten, ohne deren unmittelbare Aktivierung oder Betriebspflicht festzulegen. Das Papier identifiziert eine begriffliche und regulatorische Lücke zwischen aktuellem Betriebszustand und zukünftigen Systemanforderungen und entwickelt einen konzeptionellen Ansatz, um langfristige Handlungsfähigkeit, Investitionssicherheit und Systemresilienz zu gewährleisten. Darüber hinaus skizziert es konkrete nächste Schritte zur fachlichen Ausgestaltung.

Zwischen grid‑following und grid‑forming

In dem Papier wird die Transformation des Energiesystems als infrastrukturelle Herausforderung eingeordnet. Durch die Verlagerung von rotierenden Massen hin zu leistungselektronisch gekoppelten Anlagen verändert sich das Systemverhalten grundlegend. Frequenz- und Spannungsstabilität, Kurzschlussleistung, Fehlerbeherrschung sowie Insel- und Wiederaufbaufähigkeit gewinnen auch im Verteilnetz zunehmend an Bedeutung. Dadurch entsteht ein wachsender Regulierungs- und Gestalterbedarf, um die Netze auch unter gestörten Bedingungen stabil betreiben und regionale Resilienzkonzepte umsetzen zu können.

Vor diesem Hintergrund analysiert das Papier bestehende Begrifflichkeiten wie „Grid Following“ und „Grid Forming“ sowie aktuelle regulatorische und standardisierungsbezogene Ansätze und zeigt deren Grenzen auf. Es begründet die Notwendigkeit einer ergänzenden Kategorie, die vorausschauende Handlungsfähigkeit zwischen dem heutigen Betrieb und der zukünftigen Systemverantwortung beschreibt.

Darauf aufbauend wird Grid-Forming Readiness als strukturierte Vorhalte- und Klassifizierungskategorie eingeführt. Dabei werden Zielsetzung, Struktur, ein zweistufiges Klassenmodell, Aktivierungsdimensionen und Prüfprozeduren erläutert und in bestehende technische Definitionen und Regelwerke eingeordnet.

Schlüssel für Resilienz und Wiederaufbau

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem systemischen Nutzen. Grid-Forming Readiness ermöglicht es, zukünftige Stabilitäts- und Resilienzfunktionen frühzeitig vorzubereiten, die technische Machbarkeit von der späteren Aktivierung zu trennen und kostenintensive Nachrüstprogramme zu vermeiden. Als geeigneter Einstiegspunkt werden insbesondere große Batteriespeicher im Mittelspannungsnetz hervorgehoben.

Ergänzend werden die Perspektiven zentraler Stakeholder – von Anlagenbetreibern und Herstellern über Netzbetreiber bis hin zu Politik, Regulierung und Normung – dargestellt und Fragen der Umsetzung und Finanzierung diskutiert. Abschließend skizziert das Papier konkrete nächste Schritte: die Priorisierung von Use Cases, die Definition standardisierter Funktionsklassen, die technische Präzisierung von Grid-Forming Readiness und die anschließende Standardisierung in den einschlägigen Regelwerken.

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