Digitale Infrastruktur braucht Flexibilität

Partner im Energiesystem: Rechenzentrum trifft Batteriespeicher

Internationale Beispiele zeigen: Rechenzentren lassen sich mit erneuerbarer Energieerzeugung und Speichern koppeln.

Bild: iStock, Chor muang
22.04.2026

Moderne Rechenzentren belasten das Netz nicht gleichmäßig. Energiespeicher können dies ausgleichen, indem sie Lastspitzen glätten und Netze entlasten, während erneuerbare Energien besser integriert werden. Der BVES betrachtet integrierte Projekte als den Schlüssel für eine resiliente digitale Infrastruktur.

Anlässlich der Vorstellung der Rechenzentrumsstrategie im Deutschen Bundestag hebt der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) die zentrale Rolle von Energiespeichern für den Aufbau einer leistungsfähigen und resilienten digitalen Infrastruktur hervor. Die aktuelle Diskussion um Netzanschlusskapazitäten erweckt den Eindruck eines Wettbewerbs zwischen Batteriespeichern und Rechenzentren. Aus Sicht des BVES greift dieses Bild jedoch zu kurz. Speicher und Rechenzentren erfüllen unterschiedliche, sich ergänzende Funktionen und können gerade gemeinsam einen erheblichen Mehrwert schaffen.

Lastspitzen? Speicher. Netzentlastung? Speicher.

Moderne Rechenzentren weisen zunehmend dynamische Lastprofile auf und Energiespeicher können diese Lastspitzen ausgleichen, die Netze entlasten sowie gleichzeitig die Integration erneuerbarer Energien verbessern. Dadurch entstehen flexible, systemdienliche Lösungen, die sowohl den Energiebedarf der Digitalisierung als auch die Anforderungen an Netzstabilität und Versorgungssicherheit erfüllen. Gleichzeitig ermöglichen Energiespeicher eine schnellere Realisierung der digitalen Infrastruktur – unabhängig von langwierigen Netzausbauprozessen. Sie schaffen kurzfristig verfügbare Flexibilität und können Netzengpässe überbrücken. Damit wird der Aufbau von Rechenzentren beschleunigt, ohne zusätzliche Belastungen für das Stromsystem zu erzeugen.

Internationale Beispiele zeigen bereits heute, wie erfolgreich diese Integration ist. In Skandinavien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA werden Rechenzentren gezielt mit erneuerbarer Erzeugung und Speichern kombiniert. Diese Ansätze erhöhen die Effizienz, senken die Emissionen und verbessern die Wirtschaftlichkeit der Projekte deutlich. Auch in Deutschland entstehen erste integrierte Projekte, bei denen erneuerbare Energien, Batteriespeicher und KI-Rechenzentren zu einem gemeinsamen Energiesystem verbunden werden. Solche Ansätze ermöglichen eine vollständig klimaneutrale Energieversorgung, stabilisieren das Netz und schaffen zusätzliche Wertschöpfung vor Ort, beispielsweise durch die Nutzung von Abwärme.

„Rechenzentren und Energiespeicher sind keine Konkurrenten, sondern Partner im Energiesystem der Zukunft“, betont Heinrich Gärtner, Vizepräsident des BVES und Geschäftsführer von GP Joule. „Wer beide intelligent zusammendenkt, schafft die Grundlage für eine leistungsfähige, resiliente und klimafreundliche digitale Infrastruktur.“

Speicher machen Rechenzentren netzfit

Vor diesem Hintergrund spricht sich der BVES dafür aus, die Rechenzentrumsstrategie konsequent auf integrierte Lösungen auszurichten. Netzanschlussverfahren müssen so ausgestaltet werden, dass integrierte Lösungen ermöglicht und systemdienliche Kombinationen gezielt gefördert werden. Eine isolierte Betrachtung einzelner Technologien wird den Anforderungen eines zunehmend vernetzten Energiesystems nicht gerecht.

Deutschland hat die Chance, sich als Vorreiter für die Verbindung von Energie- und Digitalinfrastruktur zu positionieren. Voraussetzung dafür sind klare, investitionsfreundliche Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen und sektorübergreifende Lösungen aktiv unterstützen. Wer Digitalisierung und Energiewende zusammenbringt, schafft Wachstum, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zugleich.

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