So entlastet Flexibilität im Netz

Energiewende verbrennt Milliarden – weil Speicher fehlen

Batteriespeicher könnten negative Börsenstrompreise um fast 70 Prozent reduzieren und die marktlichen Abregelungsmengen um rund 55 Prozent senken.

Bild: iStock, nopparit
06.07.2026

Erneuerbare Energien erzeugen immer häufiger mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann – mit teuren Folgen für Verbraucher und Bundeshaushalt. Doch handelt die Politik noch rechtzeitig?

Ein schnellerer Ausbau von Batteriespeichern und eine größere Flexibilität im Stromsystem könnten Verbraucherinnen und Verbraucher sowie den Bundeshaushalt in Deutschland um mehrere Milliarden Euro entlasten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE, die im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energien, des Bundesverbands Solarwirtschaft und des Bundesverbands WindEnergie erstellt wurde.

Demnach hätten zusätzliche 20 GW kurzfristige Flexibilität mit einer Speicherkapazität von vier Stunden im Zeitraum Januar 2025 bis Ende Mai 2026 volkswirtschaftliche Einsparungen von 5,6 Milliarden Euro ermöglicht. Auf ein Jahr umgerechnet entspricht das rund 3,9 Milliarden Euro. Diese Entlastungen würden durch höhere Marktwerte erneuerbarer Energien, geringere EEG-Förderkosten, gedämpfte Spotmarktpreise und einen günstigeren Stromkosten-Saldo im europäischen Handel entstehen. „Die Analyse zeigt: Speicher sind ein Sparprogramm für Stromkunden und Bundeshaushalt“, erklärt Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energien. „Die Politik muss Speicher und Flexibilität jetzt schneller ermöglichen.“

Wenn Überangebot die Preise drückt

Mit dem steigenden Anteil von Wind- und Solarstrom nehmen Zeiten sehr hoher gleichzeitiger Einspeisung zu. In diesen sogenannten Hellbrisen entstehen häufiger sehr niedrige oder negative Strompreise. Das senkt die Marktwerte erneuerbarer Energien, erhöht den Förderbedarf aus dem Bundeshaushalt, verschärft die Finanzierungsrisiken für neue EE-Anlagen und führt dazu, dass erneuerbarer Strom zeitweise abgeregelt oder zu sehr niedrigen Preisen exportiert wird.

Zusätzliche Speicher könnten diese ungewollten Nebeneffekte der Energiewende weitgehend vermeiden und die Transformation des Energiesystems deutlich erleichtern. Laut Analyse der Fraunhofer-Wissenschaftler würden negative Börsenstrompreise um fast 70 Prozent sinken. Die marktlichen Abregelungsmengen könnten um 3,3 Terawattstunden beziehungsweise rund 55 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig würden sich die Finanzierungsrisiken durch Paragraf 51 EEG deutlich verringern: Bei Photovoltaik um rund 75 Prozent, bei Windenergie an Land um fast 55 Prozent und bei Offshore-Windenergie um fast 60 Prozent.

Erneuerbare Energien wirken bereits heute kostendämpfend

Die Untersuchung macht zudem deutlich, dass der Ausbau neuer Wind- und Solarkraftwerke bereits heute kostendämpfend wirkt. Auch ohne zusätzliche Speicher hat der Ausbau der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren im untersuchten Zeitraum Netto-Einsparungen von rund 0,3 Milliarden Euro erzielt. Die strompreissenkende Wirkung der zusätzlichen erneuerbaren Erzeugung war damit größer als die zusätzlichen Förderkosten.

Für die kommenden Jahre sieht der BEE jedoch weiteren Handlungsbedarf. Um die von der Bundesregierung angestrebten Ausbauvolumina von jährlich 20 GW Photovoltaik und 15 GW Windenergie besser in das Stromsystem zu integrieren, ist ein stärkerer Speicherzubau erforderlich. Eine vereinfachte Extrapolation der Fraunhofer-Analyse ergibt einen zusätzlichen Bedarf von etwa 8 GW Speicherleistung beziehungsweise 32 GWh Speicherkapazität pro Jahr.

Politik muss regulatorische Hemmnisse jetzt abbauen

Der BEE fordert deshalb, regulatorische Hemmnisse beim Speicherausbau rasch abzubauen. Dazu gehören beschleunigte und standardisierte Netzanschlussverfahren, die Ermöglichung des Multi-Use-Betriebs von Batteriespeichern, der stärkere Einsatz von Speichern bei Redispatch-Maßnahmen und Netzengpässen sowie vereinfachte Anschlussregeln für Speicher an bestehenden Netzanschlüssen. „Die Zahl der Netzanschluss-Anfragen seitens der EE-Branche zeigen: Der Markt steht bereit“, so Heinen-Esser. „Jetzt muss die Politik dafür sorgen, dass aus Anfragen auch Projekte werden.“

Verwandte Artikel