FCAs für die Elektrifizierung von Industriebetriebe

Flexible Anschlüsse schaffen Tempo

Mithilfe flexibler Netzanschlussvereinbarungen soll die Elektrifizierung von Industrieunternehmen trotz begrenzter Netzanschlusskapazitäten ermöglicht werden.

Bild: publish-industry, KI-generiert mit ChatGPT
12.08.2026

Viele Industrieunternehmen planen elektrische Systeme für die Bereiche Strom, Wärme und Kälte. Doch begrenzte Netzkapazitäten verzögern Investitionen und Transformationsvorhaben – flexible Netzanschlüsse können hier einen Ausweg bieten.

Derzeit planen viele Industrieunternehmen die Elektrifizierung ihrer Produktions- und Energieversorgungssysteme, darunter Systeme zur Bereitstellung von Strom, Wärme oder Kälte. Der dabei entstehende zusätzliche Strombedarf steht jedoch zunehmend begrenzten Netzkapazitäten gegenüber. Gleichzeitig können notwendige Netzausbaumaßnahmen häufig erst nach mehreren Jahren umgesetzt werden. Dadurch verzögern sich Investitionen in klimafreundliche Technologien und zentrale Transformationsvorhaben.

Flexible Netzanschlussvereinbarungen bieten einen alternativen Ansatz: Unternehmen erhalten zusätzliche Anschlusskapazität, die unter definierten Bedingungen und zeitlichen Einschränkungen genutzt werden kann. Dadurch lassen sich Elektrifizierungsprojekte oftmals deutlich früher realisieren als durch Warten auf den Netzausbau.

Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE), das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart bieten mit dem „Industrial FCA Assessment“ ein neues Beratungsformat für Industrieunternehmen an. Ziel ist es, Unternehmen bei der Bewertung, Ausgestaltung und Umsetzung von flexiblen Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, FCA) zu unterstützen und somit Elektrifizierungsvorhaben trotz begrenzter Netzanschlusskapazitäten zu ermöglichen.

Individuelle Ausgestaltung entscheidet über den Erfolg

Unternehmen stehen bei der Umsetzung von FCAs jedoch vor Herausforderungen. Vereinbarungen unterscheiden sich hinsichtlich der zusätzlich verfügbaren Anschlussleistung, der Häufigkeit und Dauer möglicher Leistungseinschränkungen, der Vorlaufzeiten für Netzengpassmeldungen sowie der garantierten Mindestleistung. Die damit verbundenen Anforderungen an Lastmanagement, Speicher oder Prozessflexibilität können je nach Ausgestaltung erheblich variieren. Ob ein FCA wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt daher maßgeblich von den Betriebsprozessen, Lastprofilen, Flexibilitätsoptionen und Elektrifizierungsplänen eines Unternehmens ab.

Genau hier setzt das Industrial FCA Assessment an: Auf Basis von Lastdaten, Elektrifizierungsplänen und Standortfaktoren wird die Eignung verschiedener FCA-Ausgestaltungen analysiert und bewertet. Das Ergebnis ist ein standortspezifischer Action Plan, der Unternehmen bei der Entscheidung über das weitere Vorgehen unterstützt und die Grundlage für die anschließende technische, wirtschaftliche und vertragliche Umsetzung bildet.

Datenbasierte Bewertung von Handlungsoptionen

Das Assessment verbindet die energiewirtschaftliche FCA-Expertise der FfE mit der langjährigen Erfahrung von Fraunhofer IPA und EEP in der industriellen Energiesystemplanung und -simulation. Gemeinsam werden unterschiedliche Szenarien untersucht, etwa der Einsatz von Batteriespeichern, Lastmanagementmaßnahmen oder Eigenversorgungslösungen zur Einhaltung FCA-bedingter Leistungsgrenzen. Unternehmen können anhand realer Lastdaten bewerten, ob und unter welchen Bedingungen ein FCA geeignet ist, den fehlenden Netzanschluss zu überbrücken und die geplante Elektrifizierung wirtschaftlich umzusetzen.

Von der Erstbewertung bis zur Umsetzung

Das Assessment ist als Einstieg in den FCA-Prozess konzipiert. Aufbauend auf den Ergebnissen unterstützen die Projektpartner die Unternehmen bei der Kommunikation mit den Netzbetreibern, der technischen und wirtschaftlichen Auslegung von Energiesystemen, der Vertragsgestaltung sowie der späteren Umsetzung geeigneter Flexibilitätsmaßnahmen.

Das Industrial FCA Assessment unterstützt Industrieunternehmen dabei, die Eignung flexibler Netzanschlussvereinbarungen auf Basis ihrer individuellen Last- und Elektrifizierungsanforderungen zu bewerten. Durch die Kombination energiewirtschaftlicher, technologischer und betrieblicher Perspektiven schafft das Assessment eine fundierte Grundlage für die Ausgestaltung von FCAs und die Planung weiterer Umsetzungsschritte.

Dr.-Ing. Serafin von Roon, Geschäftsführer der FfE, sagt: „Fehlende Netzanschlüsse kristallisieren sich zunehmend als Hemmnis für die Industrietransformation heraus. Flexible Netzanschlussvereinbarungen können in vielen Fällen eine kurzfristige Lösung sein. Entscheidend ist jedoch die richtige Ausgestaltung. Mit dem Industrial FCA Assessment schaffen wir hierfür eine fundierte Entscheidungsgrundlage.“

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