Nach seiner Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker übernahm Johann Soder, COO der SEW-Eurodrive, 1995 die Leitung der Elektronikproduktion. Unter seiner Leitung als Verantwortlicher Werkleiter für den Standort Bruchsal wurde innerhalb von fünf Jahren ein innovatives Elektronikwerk mit modernsten Fertigungs- und Logistikprozessen realisiert. Im Jahre 2000 gründete er Wieproconsulting, eine Organisation, die unternehmensweit Geschäftsprozesse gestaltet und optimiert. Im Oktober 2005 wurde er zum Geschäftsführer Produktion ernannt; ab Oktober 2007 ist er als Geschäftsführer Technik verantwortlich für die Bereiche Innovation und Produktion. Seit März 2018 leitet er als COO das Operative Geschäft.

Bild: SEW-Eurodrive

Johann Soder, SEW Eurodrive Das modulare Produktionssystem der Zukunft

28.10.2022

Globalisierung, Dekarbonisierung, demographischer Wandel und Digitalisierung – all diese Themen werden uns in Zukunft begleiten. Und zugleich zeigen sie schon jetzt, dass sich etwas verändern muss. Die Zeit ist reif für einen Quantensprung und die Entwicklung smarter Unternehmen.

Die wandlungsfähige Fabrik ist ein System aus Menschen und Maschinen. Darin ermöglichen die kognitiven Fähigkeiten des Menschen die einfache Gestaltbarkeit dieses Systems, während die Maschinen ein ergonomisches, kooperierendes Zusammenarbeiten bewirken. Diese Potenziale werden in einem evolutionären Lernprozess erkannt, verstanden und kreativ mit den Menschen im Unternehmen erschlossen.

Durch den modularen Fabrikaufbau sind Anwender in der Lage, Anpassungen schneller und kostengünstiger vorzunehmen und auf Veränderungen schneller zu reagieren. Immerhin bestimmt künftig der Markt, was, wann und wie produziert wird.

Ein smartes Unternehmen vereint Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Agilität. Mit neuen digitalen Technologien können wir den Wandel unterstützen. Um all diese Aspekte miteinander zu verbinden und zu einem effizienten Arbeitsprozess zu gestalten, kommt der Lean Production eine große Bedeutung zu. Bereits in den 1990er Jahren sind wir bei SEW auf Lean umgestiegen und konnten so unsere Effizienz steigern.

In Zukunft wird ein weiterer Ansatz hinzukommen, dessen Bedeutung von noch größerer Relevanz sein wird: Cyber-Physical Production System. Die Basis für diesen neuen Ansatz die Realisierung von Lean Production auf höchster Perfektion. Verbinden wir nun also all diese Elemente, dann schaffen wir auch diesen Quantensprung.

Doch wie sieht nun so eine wandelbare, skalierbare Produktion der Zukunft aus? In einer Fabrik befinden sich viele kleine Produktionen, die von Dirigenten der Wertschöpfung geleitet werden. Diese Dirigenten können die Leistungsergebnisse in Echtzeit verfolgen, neu planen und gegebenenfalls korrigieren. Dies gelingt dadurch, dass jedes einzelne Prozessmodul nach oben vernetzt ist. Diese Vernetzung kann über eine Cloud oder aber auch über ein Rechenzentrum erfolgen.

Diese Prozessmodule werden anschließend mit sogenannten mobilen Assistenzsystemen vernetzt, welche wiederum den Kundenauftrag durch die Fabrik tragen. Er liefert die Daten, auf deren Basis wir kommende Entscheidungen treffen können. Dank dieser mobilen Assistenzsysteme werden produktionsrelevante Materialien zum benötigten Zeitpunkt an den richtigen Platz transportiert. Diese mitdenkende Fertigung zeigt, dass Mensch und Maschine letztendlich in den Dialog treten – und so eine hocheffiziente Produktion bewirken.

Fertigungsteile werden an die Werkzeugmaschinen übergeben, die sie im Anschluss bearbeiten. Mitarbeiter überwachen den Prozess und wechseln die Werkzeuge. Nach der Fertigung werden automatisch die relevanten Daten, die für eine schnelle und fachgerechte Verpackung und die Logistik benötigt werden, weitergeleitet, sodass am Ende das fertige Produkt zeitnah an die Standorte versandt werden kann. Dies ist heute mit Hilfe der Digitalisierung möglich.

Die starre Linienfertigung mit der starken Arbeitsteilung erweist sich zunehmend als überholtes Modell. Mit Lean Production kann die Fertigung bis zu 35 Prozent gesteigert werden; mit Cyber-Physical Productions System ist weiteres Potenzial aufgrund der kooperativen Arbeitsweise möglich. Der Wandel zur Smart Factory sichert ein Stück Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft, in der Mensch und Technik intelligent miteinander
arbeiten.

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