Allzu oft jagen Unternehmen den neuesten Technologietrends hinterher, ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, welche messbaren Ergebnisse sie damit erzielen wollen. Das Resultat: Innovationstheater ohne echten Geschäftsnutzen. Entscheidend ist heute aber nicht die vielbeschworene nächste Schlüsseltechnologie, sondern ihr messbarer Beitrag zu Produktivität, Qualität, Geschwindigkeit und Betriebskosten.
Schluss mit Innovationstheater in der Fertigung
Angesichts enger Margen und hoher Investitionshürden benötigen Fertigungsunternehmen Innovationen, die ihre Wirkung sofort zeigen und so den Weg für eine nachhaltige Transformation ebnen. Die Zeit von Innovation um ihrer selbst willen ist vorbei. Jetzt gilt: Jede Neuerung muss daran gemessen werden, ob sie relevante Ergebnisse liefert. Investitionen, die auf dem Papier beeindruckend aussehen, aber keinen greifbaren geschäftlichen Nutzen bringen, gehören der Vergangenheit an.
Das eigentliche Problem für Hersteller ist nicht ein Mangel an Ideen, sondern die Unklarheit darüber, welche Innovationen die Produktivität steigern, den ROI verbessern, eine höhere Qualität liefern, die Markteinführungszeit verkürzen oder die Kosten senken. Während 90 Prozent der Hersteller bereits 2024 in Künstliche Intelligenz oder Machine Learning investiert oder dies für 2025 geplant hatten (EY, 2024), verfügen nur knapp 52 Prozent über eine Unternehmensstrategie für KI (Deloitte, 2025). In einem Umfeld, in dem die Margen oft knapp sind und jede Investition genau geprüft wird, ist das Risiko kostspieliger Fehltritte hoch. Der Fertigungssektor steht an einem Scheideweg, an dem der unerbittliche Druck zur Kostensenkung oft sinnvolle Innovationen behindert.
Neue Technologien müssen schnell ihren Wert unter Beweis stellen und neben finanziellen auch „psychologische“ Hindernisse überwinden, die der Wandel mit sich bringt. Nur wer schnelle, reale Auswirkungen von Innovationen nachweisen kann, baut die notwendige Dynamik für größere Transformationen auf.
Hier setzt die Anwendungsentwicklung mit Low-Code an: Verwaltete, wirksame digitale Lösungen schließen operative Lücken, verkürzen die Bereitstellungszeit, minimieren Unterbrechungen und erleichtern den Zugang zu KI-Funktionen sowie die unternehmensspezifische Adaptierung von KI-Modellen. Führungskräfte gewinnen so frühzeitig Vertrauen in Innovationsinvestitionen, da sich der Wert durch erste Erfolge mit geringem Risiko rasch zeigt, ohne dass sie jahrelang auf den ROI warten müssen. Low-Code-Projekte setzen intern Impulse für die Transformation und stellen sicher, dass Ressourcen auf Projekte mit der größten geschäftlichen Wirkung konzentriert werden. So entsteht im Laufe der Zeit eine Kultur, in der Innovation gleichbedeutend mit Wertschöpfung ist und nicht als kostspielige Ablenkung gilt.
Innovation ohne Umstellung der Kernsysteme
In komplexen Fertigungsumgebungen wird Innovation oft mit Disruption gleichgesetzt – eine beängstigende Aussicht für Unternehmen, die auf stabile, altbewährte Kernsysteme angewiesen sind. Die Angst vor einer Destabilisierung kritischer Abläufe führt oft zu Untätigkeit, da Entscheidungstragende zögern, neue Technologien einzuführen, die die Geschäftskontinuität gefährden könnten. Die Realität sieht jedoch so aus, dass Transformationen keinen „Rip-and-Replace”-Ansatz erfordern. Die Zukunft gehört denen, die schrittweise modernisieren und digitale Agilität auf eine stabile, bewährte Infrastruktur aufbauen.
Inkrementelle Innovationen, die digitale Fähigkeiten in bestehende Ökosysteme integrieren, ermöglichen es Herstellern, sich in ihrem eigenen Tempo anzupassen, Risiken zu minimieren und den Wert zu maximieren. Kleine, gezielte Verbesserungen, wie die Digitalisierung von Schichtübergaben oder die Vernetzung isolierter Datenquellen, können enorme Auswirkungen auf Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit haben. Diese „Elefanten-Carpaccio“-Strategien werden von der Unternehmensleitung oft übersehen, sind für einen nachhaltigen Fortschritt jedoch unerlässlich. Dieser Fortschritt führt zunehmend von monolithischen „Alles-oder-nichts“-Digitalisierungen weg und hin zu agilen, modularen Upgrades, die auf Bestehendem aufbauen.
Mithilfe einer Low-Code-Plattform können Hersteller leistungsstarke Anwendungen entwickeln, die mit Altsystemen koexistieren und deren Kernfunktionen erweitern, anstatt sie zu ersetzen. Technologieverantwortliche erhalten einen Weg zur digitalen Reife, der frühere Investitionen berücksichtigt, ohne dass tiefgreifende Systemüberholungen erforderlich sind. Anstatt Zuverlässigkeit gegen Innovation einzutauschen, können Hersteller sich in ihrem eigenen Tempo weiterentwickeln, Risiken durch Neuimplementierungen vermeiden und den Wert bestehender Ressourcen nutzen.
KI – ja, nein, vielleicht?
Das größte Hindernis für bahnbrechende Innovationen ist selten technischer, sondern häufiger menschlicher Natur. Disruptive Neuheiten wie Agentic AI werden als noch zu risikobehaftet und schwer kalkulierbar wahrgenommen, sodass manche Unternehmen sie gar nicht erst ausprobieren. Die wahre Kraft entfaltet sich, wenn die Menschen vor Ort, die täglich mit der Technologie interagieren, sie leicht verstehen und in ihre Arbeit integrieren können. Wenn Nutzende selbst die Technologie befürworten, „übernehmen“ sie KI nicht einfach, sondern schaffen mit echtem Engagement und kontinuierlichem Feedback einen „Proof-of-Fit“.
Moderne Low-Code-Plattformen offerieren Anwendern eine Brandbreite an KI-Funktionalitäten, so dass der Einsatz von KI nicht nur einfach wird, sondern auch sicher, gestützt auf Governance-Richtlinien und Leitplanken der IT-Abteilung.
Aufbrechen von IT-/OT-Silos
Die moderne Fertigung basiert auf Daten, doch diese liegen größtenteils in Silos vor. IT- und OT-Teams arbeiten oft in parallelen Universen mit unterschiedlichen Tools und Governance-Modellen. Die Herausforderung ist daher ebenfalls nicht nur technischer, sondern auch kultureller Natur: Veraltete Denkweisen und Qualifikationslücken bestehen fort, und Cybersicherheitsbedenken spielen eine große Rolle. Diese Diskrepanz schränkt Innovationen ein, verringert die Agilität und untergräbt die Bemühungen zum Aufbau vernetzter Wertschöpfungsketten. Ohne einheitliche Ökosysteme bleiben vorausschauende Wartung, adaptive Fertigung und Qualitätskontrolle in Echtzeit unerreichbar.
Die Kluft zwischen IT und OT ist daher eines der größten Hindernisse für die digitale Transformation in der Fertigung – und das in einem Markt, der sich in Richtung vernetzter Wertschöpfungsketten bewegt. Auch, weil die nächste Welle der Wettbewerbsfähigkeit von Daten – ihrer Transparenz, Struktur und ihrem Kontext – abhängen wird, wenn Echtzeitdaten aus der Fertigung in die Unternehmensentscheidungen einfließen und umgekehrt.
Mit Low-Code können Unternehmen die Konvergenz forcieren, indem sie bereichsübergreifende Teams befähigen, Schnittstellen standardisieren und den Zugang zu digitalen Tools demokratisieren. Es können harmonisierte digitale Umgebungen geschaffen werden, die IT und OT durch eine Low-Code-Abstraktionsschicht miteinander verbinden, indem sie Altsysteme vernetzen, Daten kontextualisieren und eine agile Entwicklung über Disziplinen hinweg ermöglichen. Hersteller profitieren so von einer durchgängigen Transparenz aller Betriebsabläufe, einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen OT und IT sowie der Möglichkeit, neue digitale Initiativen zu starten, ohne auf eine vollständige Neuprogrammierung warten zu müssen.
Agilität statt Rigidität
Die Fertigung basierte lange auf Beständigkeit. Die Welt, in der sie heute tätig ist, verlangt jedoch Anpassungsfähigkeit. Globale Veränderungen, schwankende Nachfragezyklen, Arbeitskräftemangel und klimabedingte Vorschriften haben die Anfälligkeit starrer, linearer Wertschöpfungsketten offengelegt. Traditionelle sequenzielle Entwicklungsprozesse sind für die volatile Realität von heute zu langsam. Der Markt bewegt sich in Richtung eines neuen Paradigmas: agile Fertigung, bei der parallele Arbeitsabläufe, schnelle Iterationen und kontinuierliches Feedback die Norm sind. Fortschrittliche Softwaresysteme ermöglichen die Integration von Design-, Produktions- und Lieferkettenprozessen, sodass Hersteller schnell und effizient reagieren können. Wer an starren Legacy-Prozessen festhält, läuft Gefahr, von Wettbewerbern überholt zu werden, die bereits in ihren Fertigungsstätten auf Agilität setzen.
Eine Low-Code-Plattform hilft bei der Verbesserung von Agilität, indem sie parallele digitale Workflows, eine schnelle Prototypenerstellung und eine kontinuierliche Bereitstellung ermöglicht. So profitieren Industrieunternehmen von einer schnelleren Markteinführung, einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber Markt- und regulatorischen Veränderungen sowie der Fähigkeit, kontinuierlich Innovationen zu entwickeln. Dies fördert eine Kultur der Anpassungsfähigkeit und versetzt Unternehmen in die Lage, neue Chancen zu nutzen, sobald sie sich ergeben.
Mit Low-Code in die Zukunft der Fertigung
Die Fertigungsindustrie steht vor der Aufgabe, wachsende technologische Komplexität und steigende Marktanforderungen in neue Prozesse und Applikationen zu übersetzen. Low-Code-Plattformen bieten hierfür die idealen Voraussetzungen, weil sie Anpassungen in Echtzeit ermöglichen, interne Abläufe transparenter machen und die Verbindung zwischen bestehenden Systemen und neuen Lösungen erleichtern.
Durch die Integration von KI-Funktionen lässt sich dieser Effekt weiter verstärken: KI-gestützte Low-Code-Tools können Routineaufgaben automatisieren, Entwicklungsschritte beschleunigen und gleichzeitig durch Human-in-the-Loop-Mechanismen sicherstellen, dass Fachwissen und menschliche Qualitätskontrolle jederzeit eingebunden bleiben. Statt auf großflächige, riskante Transformationen zu setzen, können Unternehmen schrittweise neue digitale Fähigkeiten integrieren, operative Lücken schließen und kontinuierlich lernen, welche Innovationen tatsächlich Wirkung entfalten. Auf diese Weise entsteht eine Struktur, in der Fortschritt planbar, kontrollierbar und nachhaltig ist – eine echte Neufassung der Regeln für den modernen Fertigungsbetrieb.