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Erfolgreiche MES-Einführung in einem produzierenden Unternehmen

Transformation in Krisenzeiten

MPDV Mikrolab GmbH

Moeschter stellt keramische Produkte ab Stückzahl 1 her – für Anforderungen in Branchen wie etwa Automotive.

Bild: Moeschter
30.01.2026

Eine Produktionsstätte zu transformieren, ist viel mehr als eine Einzelmaßnahme. Es ist ein strategisches Vorhaben mit Zukunftsmission, bei dem digitale Lösungen im Vordergrund stehen. Aber nicht nur das. Bei Moeschter, Spezialist für Hochleistungs-Materialien, veränderte die MES-Einführung die Fertigung grundlegend und machte sie wettbewerbsfähig.

Digitalisierung war stets eines der großen Ziele von Moeschter, wie Geschäftsführer Georgios Kabitoglou betont. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir die Transformation massiv vorangetrieben. Dafür initiierte ich das Transformationsprogramm Fit4Growth, mit dem wir alle Bereiche im Unternehmen beleuchtet und signifikante Digitalisierungs- und Optimierungsansätze identifiziert und umgesetzt haben“, führt er aus.

Das Ziel

Der Hersteller für Produkte aus technischer Keramik sowie Kunststoffe bedient seit 33 Jahren Kunden mit anspruchsvollen Anforderungen aus fast allen Branchen. Als Portfolio-Unternehmen des Finanzinvestors Hannover Finanz hat sich Moeschter viel vorgenommen: Mit dem unternehmerischen Ziel, weltweit zu wachsen und an den Erfolg der vergangenen Jahrzehnte anzuknüpfen, war klar, dass Transformation und tiefgehende Veränderungen nötig sind.

Schließlich lautete das übergeordnete Ziel der Digitalisierung: Aufbau eines soliden Fundaments, um profitabel zu skalieren und die Zukunft des Unternehmens als ein wettbewerbsfähiger kleiner Mittelständler sichern zu können. Damit rückte ein umfangreicher Wandel in den Fokus, der nahezu alle Bereiche betraf – angefangen von Maschinenauslastung, Produktivität, Transparenz, Effizienz bis hin zur Unternehmenskultur.

Die Wahl

Die Entscheidung, ein Manufacturing Execution System (MES) zu implementieren, trafen Geschäftsführung, Bereichs- und Abteilungsleiter im Rahmen des Transformationsprogramms gemeinsam. „Es soll als die logische funktionelle Implementierung für die Produktion und die Basis für alle Ziele, KPIs und Optimierungen fungieren“, so der Tenor des Geschäftsführers.

Vor Projektstart prüfte Moeschter das Angebot verschiedener Unternehmen. MPDV war der Lösungsanbieter, der nicht nur signifikante Erfahrungen in MES-Systemen hat, sondern „auch menschlich gut zu uns passte“, erklärt Kabitoglou. „Die Erwartungshaltung war, dass wir auf der einen Seite eine nie dagewesene Transparenz in den Kennzahlen bekommen, unser Versprechen an die Kunden nachhaltig steigern und unsere Produktivität von Menschen und Maschinen deutlich erhöhen können“, führt er fort. Konkret hieß das: die operationelle Exzellenz sowie die Liefertreue zu steigern und die Maschinenauslastung und den Personaleinsatz zu optimieren.

Das Projekt

Um die Erwartungen und Anforderungen zu erfüllen, stand schnell fest, dass MES Hydra X, APS (Advanced Planning and Scheduling System) Fedra und das Modul der KI-Fertigungssteuerung zum Einsatz kommen sollten. Hydra X umfasst dabei die mApps (Manufacturing Apps) Resource-, Order und Information Management; Fedra Anwendungen den Kategorien:

  • Detailed Scheduling

  • Advanced Resource Planning

  • Advanced Scheduling und Optimization (inklusiv KI-Planung)

  • Advanced Process Modeling

  • Workforce Planning

Mit dem Start der Implementierung vereinbarten die Projektverantwortlichen von Moeschter und MPDV, die Komponenten zeitlich abzugrenzen. Die Maschinendatenerfassung begann im dritten und vierten Quartal 2021. Von Oktober 2023 an fand die Aufnahme der Betriebsdaten statt.

Die Umsetzung

Die transformative Implementierung, ging zwischen Projektvergabe und dem Go-live mit unzähligen Schulungen, Workshops und Unterstützung bei der Konfiguration einher. So ließ sich das System den Anforderungen und Erwartungen von Moeschter nach gezielt gestalten. Der Großteil davon wurde mit standardisierten Anwendungen von MPDV umgesetzt. „Da ich ein großer Freund von Standardlösungen bin, hatten wir nur ein paar kundenindividuelle Anpassungen, die unser Geschäftsmodell gebraucht hat“, erinnert sich Kabitoglou.

Im Januar 2024 gingen die Systeme nach der mehrjährigen Implementierungsphase live. Die anschließende Hyper-Care-Phase, lief in enger Zusammenarbeit mit MPDV und war im April 2024 abgeschlossen.

Der Change

„Wenn in einem Unternehmen so viel verändert wird, sind die Menschen und die Koordination des Projektes die größten Herausforderungen“, resümiert Kabitoglou. Deshalb wurde Change-Management von vornherein als fester Bestandteil des Transformationsprogramms Fit4Growth definiert. So waren die Veränderungen für Mitarbeitende transparent und nachvollziehbar. Der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung: „Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation – viel Transparenz und natürlich Kontrolle“, bringt es der Geschäftsführer auf den Punkt. Übergeordnete Projektziele, ergänzt durch intensive Schulungen, wurden auf allen Ebenen dargestellt – einschließlich HR (Human Ressource) und Shopfloor.

Die Führungsverantwortung lag beim Geschäftsführer selbst. Während der gesamten Transformations-Phase agierte er als Chief Transformation Officer (CTO) und Projektleiter. So gewährleistete er, dass die Mitarbeitenden spürten, dass er voll hinter dem Transformationsprojekt steht und sich ebenfalls transformieren lasse.

Das Ergebnis

Obwohl die Implementierung nach Auffassung des Geschäftsführers herausfordernd war und es Phasen gab, in denen es stockte, was in einem komplexen Projekt normal sei, ist sein Fazit durchweg positiv: „Ich bin stolz auf das, was die Mannschaft geschafft hat.“ Die Wirkung zeigt sich laut Kabitoglou bei:

  • Den Mitarbeitenden: „Sie arbeiten in einem modernen Umfeld, sind motivierter und operieren strategischer.“

  • Dem Unternehmen: „Moeschter ist wettbewerbsfähiger geworden.“

  • Den Kunden: „Sie honorieren die Transformation und platzieren Folgeaufträge.“

Vanessa Förster, Bereichsleitung Operations bei Moeschter ergänzt: „Mit Hydra und Fedra haben wir Werkzeuge, die uns nicht nur bei der qualifikationsgerechten Ressourcennutzung unterstützen, sondern auch unsere Terminplanung auf ein neues Niveau heben. Die Kombination aus guter Datenqualität und intelligenter Planung hat unsere Liefertermintreue nachhaltig verbessert.“

Das Resümee

Moeschter hat dem Geschäftsführer zufolge sein größtes Investitions- und Transformationsprogramm in ihrer gesamten Unternehmensgeschichte erfolgreich abgeschlossen. Bemerkenswert daran sei, dass dies in einer der schwierigsten Nachkriegsphasen Deutschlands erfolgte, die von globalen Herausforderungen wie der Pandemie, Inflation, Kriegen, Lieferkettenkollaps und hohen Energiekosten geprägt war. Dennoch glaube er, dass derartige Krisenzeiten aktiv für die Vorbereitung auf den Turnaround und die nachfolgende Zeit genutzt werden sollten. Nur durch eine vorausschauende Strategie könne die Welle frühzeitig erwischt werden und ein Unternehmen gestärkt aus einer Krise hervorgehen.

Kurzinterview mit Georgios Kabitoglou, Geschäftsführer bei Moeschter

Wie haben Sie die Einführung des MES persönlich empfunden?

Georgios Kabitoglou

Ich habe in meiner Karriere immer wieder digitalisieren wollen, müssen und können. Die Einführung der MPDV Softwarelösungen hat mich deswegen nicht besonders überrascht. Energie hat es trotzdem gekostet, weil der Umfang des Projektes sehr breit gefasst war. Wir mussten auch einiges aufholen. Ich war zufrieden mit dem Austausch auf Management-Ebene mit MPDV. Wir konnten alle Themen lösen. Am Ende ist daraus eine sehr enge Beziehung entstanden und ich kann mich mittlerweile als größten MPDV Fan bezeichnen.

Gab es Phasen, in denen die MES-Einführung stockte?

Kabitoglou

Natürlich, alles andere wäre gelogen. Jedes Projekt hat seine schwierigen Phasen. Wo Menschen mit komplexen Zusammenhängen agieren, da passieren Missverständnisse, Verschiebungen, Fehler usw. – auf beiden Seiten. Das ist gesetzt. Wie man damit umgeht, macht den Unterschied aus. Und da denke ich, haben wir mit MPDV einen hervorragenden Partner gefunden.

Hatten Sie während der Implementierungsphase schlaflose Nächte?

Kabitoglou

Einige, in der Tat. Wenn man am ganzen Körper des Unternehmens gleichzeitig operiert, viele Mitarbeiter und deren Familien auf eine Abenteuerreise mitnimmt und wichtige Entscheidungen für die Zukunft der Firma als alleiniger Kapitän trifft, dann lastet eine besondere Verantwortung auf den Schultern. Vor allem, wenn man den Gesamtkontext der Wirtschaft und Politik im Paralleluniversum betrachtet. Die Phase, bevor sich eine Entscheidung als richtig herausstellt, ist maximal spannend. Das kann die eine oder andere Nacht in einen unruhigen Schlaf verwandeln. Heute schlafe ich dafür sehr ruhig.

Bildergalerie

  • Georgios Kabitoglou ist Geschäftsführer bei Moeschter.

    Georgios Kabitoglou ist Geschäftsführer bei Moeschter.

    Bild: Moeschter

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