Nach Abschluss der zweijährigen Aufbauphase zum 31. Juli 2026 wechselt das kommunale Energiemanagement (KEM) der Stadt Alzey in den dauerhaften Regelbetrieb. Seit der Einführung des systematischen Energiemanagements im September 2023 wurden die Grundlagen geschaffen, um die Energieverbräuche städtischer Liegenschaften transparent zu erfassen, gezielt auszuwerten und dauerhaft zu senken. Eine erste Bilanz zeigt: Durch technische Verbesserungen, den Ausbau der Photovoltaik und die schrittweise Digitalisierung der Gebäudetechnik konnten bereits deutliche Fortschritte erzielt werden.
Gasverbrauch sinkt ohne Komfortverlust
Besonders im Wärmebereich machen sich die Maßnahmen bemerkbar. Noch bevor die digitale Messtechnik flächendeckend zur Verfügung stand, optimierte die Stadtverwaltung die Heizungsanlagen ihrer Gebäude, beispielsweise durch die Anpassung von Heizkurven und die Absenkung von Vorlauftemperaturen. Das Ergebnis: Der Gasverbrauch der kommunalen Liegenschaften konnte je nach Gebäude um rund ein Drittel reduziert werden, ohne dass der Komfort für die Nutzerinnen und Nutzer eingeschränkt wurde.
„Mit dem kommunalen Energiemanagement investieren wir nicht nur in den Klimaschutz, sondern auch in die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unserer Stadt“, betont Bürgermeister Steffen Jung. „Jede Kilowattstunde, die wir nicht verbrauchen, entlastet langfristig den städtischen Haushalt und reduziert gleichzeitig den CO2-Ausstoß. Die nun abgeschlossene Aufbauphase zeigt, dass sich konsequentes Energiemanagement auszahlt. Jetzt gilt es, diesen Weg dauerhaft fortzusetzen.“
Photovoltaik und Strombilanzkreismodell
Auch beim Strom setzt die Stadt konsequent auf erneuerbare Energien. Auf den Dächern städtischer Gebäude wurden dank der Arbeit des Klimaschutzmanagers Marcel Klotz und der Mitarbeitenden des technischen Gebäudemanagements Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 436 kWp installiert. Mit einer jährlichen Stromproduktion von rund 400.000 kWh decken sie mehr als ein Drittel des kommunalen Strombedarfs von insgesamt rund 923.000 kWh.
Herzstück dieser Strategie ist das gemeinsam mit der EWR AG entwickelte Strombilanzkreismodell. Überschüssig erzeugter Solarstrom wird nicht ungenutzt ins öffentliche Netz eingespeist, sondern bilanziell dort eingesetzt, wo er innerhalb des kommunalen Gebäudebestands gerade benötigt wird. Auf diese Weise wird der selbst erzeugte Strom optimal genutzt. Allein dieses Modell spart jährlich bis zu 80 t CO2 ein und sorgt durch den höheren Eigenverbrauch sowie vermiedene Netzentgelte auch für spürbare finanzielle Entlastungen im städtischen Haushalt. Die Photovoltaikanlagen wurden unter anderem über das rheinland-pfälzische Landesprogramm KIPKI gefördert.
„Unsere wichtigste Aufgabe in den vergangenen zwei Jahren war es, Transparenz über die Energieverbräuche unserer Gebäude zu schaffen und vorhandene Einsparpotenziale konsequent zu nutzen“, erklärt Energiemanager Michael Börner. „Heute verfügen wir über die Grundlage, Verbräuche systematisch auszuwerten und unsere Gebäude Schritt für Schritt intelligenter zu steuern.“
Klimaschutzstrategie und Zuständigkeiten
Das kommunale Energiemanagement ist ein zentraler Baustein der Alzeyer Klimaschutzstrategie. Mit der im Februar 2023 vom Stadtrat beschlossenen Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts verfolgt die Stadt das Ziel, zwischen 2035 und 2040 Klimaneutralität zu erreichen. Während Klimaschutzmanager Marcel Klotz für die strategische Ausrichtung des gesamten Stadtgebiets verantwortlich ist, setzt Energiemanager Michael Börner technische Maßnahmen in den kommunalen Liegenschaften um.
Die Stadt wird dabei von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz (EKA.rlp) begleitet. Gemeinsam wurden Mitarbeitende qualifiziert und Gebäudebegehungen durchgeführt. „Kommunen sind zentrale Akteure auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die Stadt Alzey zeigt eindrucksvoll, wie sich Klimaschutz, wirtschaftliches Handeln und moderne Gebäudesteuerung sinnvoll miteinander verbinden lassen“, sagt Alexander Kuhn von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz.
Energiemonitoring und intelligente Gebäudesteuerung
Nach dem erfolgreichen Aufbau des selbst entwickelten Energiemonitorings beginnt nun die nächste Etappe: Inzwischen werden rund 100 Gas-, Wasser- und Stromzähler in 25 kommunalen Gebäuden nahezu in Echtzeit erfasst, ohne dass die vorhandenen Zähler ausgetauscht werden müssen. Zusätzlich sind in ausgewählten Gebäuden Temperatursensoren verbaut. Darüber hinaus wurde die intelligente Gebäudesteuerung gezielt vorangetrieben. In der Albert-Schweitzer-Schule, zwei Kindertagesstätten und der Obdachlosenunterkunft sorgen automatisierte Raumregelungen anhand von Nutzungszeiten, Ferien, Schulpausen und geöffneten Fenstern für ein angenehmes Raumklima und einen bedarfsgerechten Heizbetrieb. Ergänzend wird die überschüssige Energie einer Photovoltaikanlage zur Warmwasserbereitung genutzt. Auffällige Verbräuche und technische Störungen können so innerhalb weniger Minuten erkannt und behoben werden. Das Ziel besteht darin, den Energieverbrauch sowie die Kosten und die CO2-Emissionen nachhaltig zu senken.
Kommunale Wärmeplanung als strategischer Rahmen
Flankiert werden diese Maßnahmen durch die im Sommer 2025 fertiggestellte Kommunale Wärmeplanung. Sie bildet den strategischen Rahmen für den schrittweisen Umstieg auf eine klimafreundliche Wärmeversorgung im gesamten Stadtgebiet. Damit wird deutlich: Das kommunale Energiemanagement ist kein zeitlich befristetes Projekt, sondern eine dauerhafte Aufgabe zur nachhaltigen Senkung von Betriebskosten.
Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz unterstützt als kompetenter Dienstleister Kommunen und ihre Bürger in Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Energiewende und zum Klimaschutz. Sie wurde 2012 als Einrichtung des Landes gegründet und informiert unabhängig, produkt- sowie anbieterneutral.
„Die dreijährige Förderung durch den Bund hat der Stadt Alzey den Einstieg in ein professionelles Energiemanagement deutlich erleichtert und überhaupt erst in dieser Form stemmbar gemacht. Gerade beim Aufbau neuer Strukturen und der Entwicklung langfristiger Maßnahmen ist eine solche Anschubfinanzierung von großer Bedeutung. Wir konnten dadurch in den vergangenen drei Jahren wichtige Grundlagen schaffen, die uns nun dabei helfen, dauerhaft Energie einzusparen, Kosten zu reduzieren und unsere kommunalen Gebäude und Anlagen effizienter zu bewirtschaften. Für diese Unterstützung des Bundes sind wir sehr dankbar“, stellt Bürgermeister Steffen Jung die Bedeutung der Fördermittel des Bundes klar.
Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert die Bundesregierung seit 2008 zahlreiche Projekte, die zur Senkung der Treibhausgasemissionen beitragen. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt dazu bei, den Klimaschutz vor Ort zu verankern. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.