Matthias Taft, Jahrgang 1967, startete nach dem Maschinenbau- Studium an der TU München und dem Wirtschaftsingenieur-Studium an der Universität Hagen 2003 seine Berufstätigkeit als CEO bei Renerco Renewable Energy Concepts. 2013 wechselte er als CEO zur BayWa r.e. Gruppe und ist dort für Projektierung, Services und Solutions im Wind- und Solar Bereich verantwortlich. Seit April 2015 ist er zusätzlich Mitglied des Vorstands der BayWa mit den Verantwortungsbereichen Erneuerbare- und Klassische Energie.

Bild: Christian Krinninger

Erneuerbare Energien weltweit im Blick „Die große Nachfrage von Unternehmen nach grünem Strom verändert die Energiewelt.“

10.09.2020

Neue Wind- und Solarkraftwerke erzeugen schon heute zu geringeren Kosten Strom als neue konventionelle Kraftwerke. Dies ermöglicht völlig neue Geschäftsmodelle.

Matthias Taft ist mit diesem Beitrag im Energy 4.0-Kompendium 2020 als einer von 100 Machern der Energiebranche vertreten. Alle Beiträge des Energy 4.0-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Wenig erfreut ist Matthias Taft von der Entwicklung des CO2-Preises bei der Bewältigung der Energiewende. „Derzeit nimmt die Regierung in Kauf, dass die CO2-Preise mittelfristig sinken, da der deutsche Kohleausstieg die Nachfrage nach Zertifikaten mindert. Deutschland kann und muss die für diese Kraftwerke eingerechnete Quote aus dem ETS stilllegen, da der Kohleausstieg sonst keine Klimaschutzwirkung hat“, beklagt der BayWa-Vorstand für den Bereich Energie. Neben der Stilllegung der Quoten für deutsche Kraftwerke fordert er geeignete Maßnahmen, um den Zertifikatepreis auf europäischer Ebene nachhaltig zu steigern. Für das Erreichen der Klimaziele bedarf es einer realistischen CO2-Bepreisung, um die Nachfrage nach Grünstrom-PPA voranzutreiben, mit dem Ziel, die Erneuerbaren perspektivisch über den Markt zu refinanzieren.

PPAs stellen ein wichtiges Geschäftsfeld der BayWa r.e. dar. Der 2018 fertiggestellte Solarpark Don Rodrigo mit einer Peakleistung von 175 MW in Spanien war eines der ersten europäischen Großprojekte, das ohne Förderung auskommt. Der Strom wird über einen Direktliefervertrag zwischen Erzeuger und Abnehmer, ein sogenanntes PPA, vermarket. „Damit haben wir in Europa erstmals Grid Parity erreicht“, sagt Taft. Der Solarstrom konkurriert also direkt mit Strom aus konventionellen Energiequellen.

Größter europaweiter Solarstrom-Deal im Corporate-Bereich

Ein weiteres heißes Thema ist das Corporate Sourcing. Unternehmen möchten selbst einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und setzen – auch aus Kostengründen – auf Erneuerbare. Anfang 2020 hat BayWa r.e. mit dem Brauereikonzern AB InBev den nach eigenen Angaben größten europaweiten Solarstrom-Deal im Corporate-Bereich geschlossen. 14 AB InBev-Brauereien in Westeuropa werden mit Strom aus zwei Solarparks mit einer Gesamtleistung von fast 200 MW versorgt. Mit rund 250 GWh geht der Großteil des erzeugten Stroms künftig an die Brauereien, die dann bilanziell zu 100 Prozent mit Grünstrom versorgt werden. Für Taft ist die daraus resultierende Entwicklung klar: „Die große Nachfrage von Unternehmen nach grünem Strom verändert die Energiewelt. PPA sind in aller Munde und werden in den kommenden Jahren stark zunehmen.“ Befeuert wird diese Entwicklung zusätzlich von Windparks, die nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fallen. Man beschäftige sich intensiv damit, betont Taft: „Wir bieten Betreibern individuelle Lösungen an, vom Weiterbetrieb via PPA über Aufkauf der Projekte bis hin zu Repowering.“

Jüngste Entwicklungen besorgniserregend

Der deutsche Markt für neue Windenergieanlagen stellt sich hingegen aktuell weniger gut dar. Für Taft sind die jüngsten Entwicklungen besorgniserregend: Die Windbranche erlebe hier aktuell einen nie da gewesenen Einbruch. Das Münchner Unternehmen hat sich in den vergangenen 10 Jahren zu einem globalen Player mit fast 3.000 Mitarbeitern entwickelt. Dies sieht Taft als wesentlichen Erfolgsfaktor: „Wir arbeiten stark in dezentralen, lokalen Einheiten – also nah am Kunden. Zugleich sind wir weltweit aktiv und haben ein breites Dienstleitungs- und Produktportfolio.“

Die Internationalität ist auch ein wichtiges Argument im Ringen um die besten Arbeitskräfte. „Wir bieten vielfältige Positionen und geographische Standortoptionen“, sagt der Vorstand. Doch klar ist, dass man sich zunehmend weiterentwickeln muss. Neben dem klassischen Wind- und Solargeschäft – BayWa r.e. zählt sich unter anderem zu Europas Nummer 1 im Handel mit Solarkomponenten – erweitert sich das Produktportfolio stets. Neben Speichertechnologien, neuen Solaranwendungen wie Agri- und Floating-PV, Power-to-X und PV-Wind-Hybridsystemen, steht dafür auch das wachsende Engagement im E-Mobility-Bereich.

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