Wir als Gesellschaft und Industrie sind Teil komplexer Ökosysteme, deren Balance durch menschliches Handeln in der Vergangenheit häufig negativ beeinflusst wurde. Gleichzeitig zeigt die Natur mit ihrer Anpassungsfähigkeit und Resilienz, wie wertvoll ihre Prinzipien für ein regeneratives Wirtschaften sein können. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob sich Ökosysteme anpassen, sondern ob wir als Menschheit aktiv genug handeln, um Teil dieser Systeme zu bleiben. Regeneration ist eine Gestaltungsaufgabe, die Innovationskraft, Zusammenarbeit und neue Denkweisen erfordert. Genau darüber haben Expertinnen und Experten aus Industrie, Wissenschaft und Fachpresse vom 7. bis 8. Oktober 2025 im Rahmen der Bürkert-Fachpressetage in einem World-Café-Workshop diskutiert und erste Lösungsansätze entwickelt.
Mehr als nur Zero Impact
Regeneratives Wirtschaften meinst dabei weit mehr als Zero Impact. Es bedeutet, der Natur mehr zurückzugeben, als der Mensch ihr entnimmt. Dazu ist ein ganzheitliches, zyklisches Denken notwendig, das das eigene Handeln stets im Gesamtkontext (auch innerhalb verschiedener Ökosysteme) betrachtet. Entscheidend ist auch eine ganzheitliche Verantwortungsübernahme, um Regeneration möglich zu machen. Nachhaltigkeit ist dabei eine entscheidende Etappe auf dem Weg zum Ziel, doch hier dürfen Unternehmen nicht stehenbleiben.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass zunehmend Pragmatismus das nachhaltige Verhalten von Menschen und Unternehmen vorantreibt. Hier können Erfolgsgeschichten über regenerative Ansätze weit mehr bewirken als der moralisch erhobene Zeigefinger. Informationen und Weiterbildungen auf Basis von Erfolgsgeschichten können den Nutzen regenerativen Wirtschaftens erlebbar machen und zu positivem Handeln motivieren. Dafür ist eine authentische Kommunikation entscheidend. Unternehmen dürfen regeneratives Wirtschaften nicht zur Imagepflege missbrauchen.
Regeneratives Wirtschaften in der Industrie
Gerade im Bereich der (Prozess)Industrie fehlen oft noch Vorbilder für regeneratives Wirtschaften. Es gibt allerdings zahlreiche Initiativen, die als Ausgangs- und Inspirationspunkt dienen können. Auch die Fluidikexperten von Bürkert sind in diesem Bereich aktiv und haben regeneratives Wirtschaften zu ihrem Leitbild gemacht. Dabei ist dem Unternehmen klar, dass der Übergang von Nachhaltigkeit zu Regeneration kein Zustand, sondern ein Entwicklungsprozess ist. Entscheidend ist die Richtung und dass Unternehmen beginnen, regenerativ zu denken und zu handeln.
Eine wichtige Aufgabe kommt dabei beispielsweise dem Service zu. Durch Beziehungspflege entsteht Verantwortung, die über den Produktlebenszyklus hinausgeht und kontinuierliche Wertschöpfung statt einmaliger Transaktionen generiert. Service hilft, den Lebenszyklus von Produkten zu verlängern, und ist somit ein zentraler Hebel für regeneratives Wirtschaften. Daneben investieren die Fluidikexperten beispielsweise auch in Biodiversitätsprojekte und suchen mit einem globalen, interdisziplinären Mitarbeiterteam konsequent nach neuen Lösungsansätzen.
Rahmenbedingungen für die Wirtschaft schaffen
In der aktuellen wirtschaftlichen und (geo-)politischen Lage wird jedoch deutlich, dass Industrie und Wirtschaft den regenerativen Wandel nicht allein stemmen können. Zwar ist es denkbar, dass Unternehmen durch primär disruptive Einflüsse wie Protektionismus (siehe Seltene Erden) mittelfristig neue Handlungsmuster anstoßen, die langfristig positive Veränderungen bringen. Generell sind jedoch klare politische Vorgaben und Anreizsysteme notwendig, um Unternehmen die erforderlichen Rahmenbedingungen für Investitionssicherheit zu bieten.
Zudem sollte die Wissenschaft eine Führungsposition übernehmen und faktenbasierte Aufklärungsarbeit leisten, die ebenso dringend notwendig wie langwierig ist. Auch könnten die richtigen Verbände mit pro-regenerativer Lobbyarbeit Veränderungen weiter vorantreiben. Diese Gedanken zeigen: Am Ende wird nur das Zusammenspiel verschiedener Akteure langfristigen Erfolg bringen. Georg Stawowy, CEO bei Bürkert Fluid Control Systems, resümiert: „Auch die Gesellschaft bräuchte einen Konsens auf einen Nordstern für regeneratives Handeln, der Legislaturperioden überdauert, nicht nur regional oder national, sondern am besten international.“
Kernthesen aus dem World-Café-Workshop
1. Regeneration als neues Leitprinzip: Die Wirtschaft muss über reine Nachhaltigkeit hinausgehen: Regeneration bedeutet, der Natur mehr zurückzugeben, als wir ihr entnehmen.
2. Ganzheitliches Denken für echte Transformation: Systemisches und zyklisches Denken sind unverzichtbar, um ökologische und soziale Aspekte in wirtschaftliche Entscheidungen zu integrieren.
3. Service-Modelle als Schlüssel zur Ressourcenschonung: Dienstleistungsorientierte Ansätze verlängern Produktlebenszyklen, reduzieren den Ressourcenverbrauch und schaffen Vertrauen.
4. Kooperation als strategischer Vorteil: Lokale Netzwerke und Partnerschaften teilen Ressourcen, vereinfachen Prozesse und stärken die regionale Wirtschaft.
5. Politik und Wissenschaft als Wegbereiter: Klare politische Anreize und eine faktenbasierte Führungsrolle der Wissenschaft sind entscheidend, um den Wandel hin zu einer regenerativen Wirtschaft zu beschleunigen.
6. Starke Netzwerke für systemische Veränderung: Kompetenzübergreifende Netzwerke mit klaren Entscheidungsstrukturen sind notwendig, um Lobbyarbeit für Regeneration wirksam zu gestalten.
7. Glaubwürdigkeit statt Greenwashing: Regeneration erfordert echte Überzeugung. Kommunikation muss Haltung zeigen und Vertrauen schaffen – jenseits von reiner PR.