Künstliche Intelligenz spielt in Deutschland eine immer größere Rolle. Rund 40 Prozent der deutschen Unternehmen setzen sie bereits in ihren Geschäftsprozessen ein, weitere bereiten den Einstieg vor. Damit ist KI kein Randthema mehr, sondern Teil des operativen Alltags.
Wenn CIO-Steuerung allein nicht reicht
Mit dieser Verbreitung wächst jedoch auch die organisatorische Herausforderung. Obwohl KI heute in deutlich mehr Fachbereichen als der IT eingesetzt wird, liegt die strategische Verantwortung häufig weiterhin bei den CIOs. Das führt zu einem Ungleichgewicht. Es entstehen immer mehr Initiativen, doch nur wenige entfalten unternehmensweit ihre volle Wirkung.
Mehr Kontrolle durch die IT löst dieses Problem jedoch nicht. Entscheidend ist, wie Verantwortung in der Führung verteilt wird. Teamleiter kennen ihre Teams und Abläufe am besten. Sie erkennen, wo Arbeit stockt, welche Aufgaben sich automatisieren lassen und wie Prozesse tatsächlich funktionieren. Diese Nähe zum operativen Alltag ermöglicht es ihnen, KI sinnvoll einzusetzen und ihren Nutzen im Arbeitsalltag zu realisieren.
Damit verändert sich auch die Rolle der Führung. Führungskräfte müssen nicht jede Initiative selbst steuern, sondern den Rahmen setzen, Verantwortung teilen und diese aktive Führung ermöglichen.
KI-Engpass durch zentrale Verantwortung
Unternehmen erwarten von ihren Führungskräften, Innovationen voranzutreiben, messbaren Nutzen aus KI zu erzielen und gleichzeitig für Sicherheit, Governance und strategische Ausrichtung zu sorgen. Wenn jedoch alle KI-Anfragen, Experimente und Umsetzungen an einer zentralen Stelle zusammenlaufen, entstehen zwangsläufig Engpässe. Gleichzeitig verlagert sich der Einsatz generativer KI zunehmend in Fachbereiche wie Finanzen, Marketing oder Personalwesen.
Die Folgen sind deutlich sichtbar: KI wird in deutschen Unternehmen zwar breit genutzt, doch organisatorische, rechtliche und personelle Hürden verhindern oft, dass sich daraus eine spürbare Wirkung ergibt. Wenn die Unternehmensführung jede KI-Initiative zentral steuert, kommt Fortschritt nur langsam voran. Wirkung entsteht hingegen dort, wo Fachbereiche selbst Verantwortung übernehmen und Mitarbeitende KI im Arbeitsalltag nutzen.
Verteilte Führung als Modell für nachhaltigen KI-Erfolg
Führung im KI-Kontext bedeutet nicht, jede Initiative zentral zu steuern. Vielmehr geht es darum, Verantwortung dort zu verankern, wo Arbeit tatsächlich stattfindet. KI entfaltet ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie direkt in bestehende Arbeitsabläufe integriert wird. In unterstützenden Funktionen wie dem Kundenservice, der Entwicklung, der IT oder dem Personalmanagement übernehmen KI-basierte Systeme zunehmend standardisierte Aufgaben. Dadurch gewinnen Mitarbeitende Zeit für komplexere Tätigkeiten, Abstimmung und fachliche Entscheidungen.
Wenn Teamleads die Verantwortung für den KI-Einsatz übernehmen, entstehen klarere Zuständigkeiten und kürzere Entscheidungswege. Gleichzeitig verändert sich die Rolle der IT. Sie setzt Rahmenbedingungen, stellt Plattformen und Sicherheitsstandards bereit und sorgt für Governance. Auf diesen Grundlagen können Fachbereiche KI sinnvoll in ihre tägliche Arbeit integrieren. Dieser Ansatz hilft dabei, KI nicht als Einzelprojekt zu behandeln, sondern sie schrittweise und dauerhaft in Prozesse zu integrieren und an reale Anforderungen anzupassen.
KI-Kompetenz im gesamten Unternehmen aufbauen
Teamleiter außerhalb der IT empfinden den Umgang mit KI oft als Herausforderung. Sie müssen die Technologie nicht im Detail verstehen, aber sie sollten sie sicher genug einsetzen können, um Entscheidungen zu treffen und Anwendungsfälle zu verantworten. Führungskräfte können sie dabei unterstützen, indem sie leicht nutzbare Werkzeuge bereitstellen, Grundlagen vermitteln und den Austausch zwischen den Teams fördern.
Auf dieser Basis entwickeln Fachbereiche eigene Anwendungsfälle, die sich an den konkreten Zielen ihrer Arbeit orientieren, etwa in der Finanzplanung, der Personalsteuerung oder den operativen Abläufen. Klare Regeln geben Orientierung und ermöglichen es, neue Ansätze auszuprobieren, ohne die Risiken aus den Augen zu verlieren.
Führungskräfte übernehmen dabei nicht jede KI-Initiative selbst. Sie geben die Richtung vor, sorgen für Abstimmung und stellen gemeinsame Grundlagen bereit. Die Fachbereichsleitungen nutzen ihr Prozesswissen und ihre Nähe zur Arbeit, um KI gezielt in ihrem Verantwortungsbereich einzusetzen. So entsteht eine Arbeitsweise, in der Verantwortung geteilt wird. Die Fachbereiche treiben konkrete Anwendungen voran, während die IT für Stabilität, Sicherheit und Übersicht sorgt. KI entfaltet ihren Nutzen dort, wo diese Zusammenarbeit funktioniert und Zuständigkeiten klar geregelt sind.