In den vergangenen Monaten zeigt sich ein deutlich beschleunigter Fokus auf Robotik und speziell Humanoids. Große IT- und KI-Unternehmen, etwa durch die Gründung eigener Physical AI-Einheiten, signalisieren, dass sie verstärkt physische Intelligenz und autonome Systeme vorantreiben. Gleichzeitig haben Präsentationen und Demos von humanoiden Systemen auf der CES 2026 gezeigt, dass Fortschritte in Wahrnehmung, Bewegungsfähigkeit und Anwendungsreife sichtbar werden – wenn auch noch mit deutlichen Grenzen in Geschwindigkeit und Alltagstauglichkeit.
Laut der International Federation of Robotics gehören Humanoide weiterhin zu den globalen Top-Trends der Robotik-Entwicklung. Zusammen mit Künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit, neuen Anwendungsfeldern und Lösungen für Arbeitskräftemärkte zeigt das dieses Trendbild, in welche Richtung sich Robotik insgesamt bewegt.
Überlegungen im Mittelstand
Das wirft eine Reihe von Fragen auf, die aktuell im Markt – speziell im Mittelstand – diskutiert werden:
1. Arbeitskräfte vs. Automatisierung: Widerspruch oder Synergie?
Tatsächlich geschehen in mehreren Branchen, auch im Mittelstand, Restrukturierungs- und Entlassungswellen. Auf den ersten Blick könnte das argumentativ gegen Automatisierung sprechen, weil mehr Arbeitskräfte verfügbar wären.
Das ist aber kein Argument gegen Automatisierung, so Michael Mayer-Rosa, sondern vielmehr ein Indikator dafür, dass Unternehmen heute unter einem größeren Effizienzdruck stehen. Dieser ergibt sich aus steigenden Kosten, volatiler Nachfrage, Fachkräfteengpässen und steigender Komplexität der Produktionsprozesse.
Automatisierung, und dazu zählen auch humanoide Systeme, will nicht einfach „Menschen ersetzen“, sondern Prozessstabilität, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit steigern. Wenn heute Fachpersonal knapp ist oder teuer rekrutiert werden muss, wird Automatisierung noch attraktiver. Der Mittelstand braucht flexible, skalierbare Lösungen, um konkurrenzfähig zu bleiben.
2. Warum investieren immer mehr IT/KI-Unternehmen in Physical AI / Robotik?
Unternehmen wie Nvidia und andere Tech-Player verlagern ihre Strategien klar in Richtung Physical AI. Es geht hier also um Künstliche Intelligenz, die nicht nur analysiert, sondern physisch handelt und direkt in die reale Wertschöpfung eingebettet ist. Das zeigt, dass KI nicht länger ein „Software-Phänomen“ ist, sondern in die physische Welt expandiert - inklusive Robotik und humanoider Systeme.
3. Was sagt das IFR-Trendbild zu Robotik & Humanoids?
Die IFR (International Federation of Robotics) benennt regelmäßig die wichtigsten globalen Trends in der Robotik. Für 2025/2026 wurden auch humanoide Roboter explizit als Trend identifiziert – und nicht nur als Hype, sondern als Teil eines breiteren Ökosystems, in dem physische KI und Robotik zusammenspielen.
4. Wo stehen wir technologisch – und was bremst noch?
Aus Sicht der realen Anwendung, insbesondere im industriellen Mittelstand, sind humanoide Systeme aktuell noch keine flächendeckend einsatzreifen Alleskönner. Zu den Herausforderungen die noch überwunden werden müssen, gehören die Kosten und Total Cost of Ownership, die noch mangelhafte Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb sowie fehlende oder unzureichende Normen, Sicherheit und Haftung. Zu guter Letzt ist vielerorts auch die Integration in bestehende Prozesse sowie in IT/OT-Landschaften eine ungeklärte Frage.
Das deckt sich auch mit den Erfahrungen aus zahlreichen Präsentationen auf der diesjährigen CES: Viele Systeme zeigen Fortschritt, sind aber oft noch langsam beziehungsweise spezialisierten Anwendungen vorbehalten.
5. Wo könnten Mittelständler Humanoids sinnvoll einsetzen?
Auch wenn humanoide Roboter noch nicht „Plug & Play“ sind, gibt es zukünftig realistische Einsatzfelder im Mittelstand. Dazu gehören beispielsweise Intralogistik und Materialhandling in variantenreichen Umgebungen sowie dynamische Montage, wo klassische Automatisierung zu starr ist. Ebenfalls infrage kommen serienlose Fertigung / Kleinserien, wo Flexibilität zählt sowie Service, Inspektion und Wartung als Ergänzung zu klassischen Automationssystemen.
Wichtig dabei ist sich klarzumachen, dass Humanoide die klassische Robotik nicht ersetzen, sondern ergänzen werden, wo Flexibilität, Mensch-Maschine-Kooperation oder variable Aufgaben entscheidend sind.
Fazit
Kurzum: Wir erleben gerade keinen überhitzten Hype, sondern sehen ein klares Momentum. Robotik, inklusive humanoider Systeme, rückt näher an reale wirtschaftliche Relevanz heran. Insbesondere im Zusammenspiel mit KI, neuen Geschäftsmodellen und unternehmerischem Druck auf Produktivität öffnet sich ein Fenster, das der Mittelstand nicht ignorieren kann.“