PFAS‑Verbot, teure Energie und harte Regeln

Industrie 2026: Wenn Kostendruck auf Regulierung trifft, zählt Resilienz

In diesem Jahr werden die Spannungen sichtbar: Zollfolgen, hohe Energiepreise sowie schärfere EU-Vorgaben erhöhen den Druck.

Bild: Gemini, publish-industry
12.02.2026

Im 2026 steigt der Kostendruck, die Energiepreise und die geopolitische Unsicherheit – und die EU wird ihre Vorgaben verschärfen. Ein PFAS-Verbot und strengere Mikroplastik-Regeln zwingen die Pharma- und Chemieindustrie zu neuen Formeln und Prozessen. Im Energiesektor fehlen oft Daten – Digitalisierung soll helfen, Lastspitzen und Ausfälle zu verhindern.

Das Jahr 2026 wird das Jahr sein, in dem sich die strukturellen Spannungen sichtbar machen. Die Auswirkungen der aggressiven Zollpolitik des letzten Jahres machen sich nun bemerkbar. Geopolitische Unsicherheiten und hohe Energiepreise bleiben bestehen. Der Druck auf europäische Industrieunternehmen steigt. In den Schlüsselbranchen Pharma, Chemie und Energie schlägt sich diese Gemengelage in drei zentralen Herausforderungen nieder: Kostendruck, zunehmend strenge Regularien und die Notwendigkeit, Resilienz aufzubauen.

Strengere Vorgaben setzen Industrie unter Zugzwang

Die Regulationswelle bricht auch 2026 nicht ab, besonders im Bereich Nachhaltigkeit. Die Energiewende und die Ziele des Green Deals erhöhen den Druck auf die Energiebranche, erneuerbare Alternativen schnell auszubauen. Diese unterliegen jedoch größeren Schwankungen, die wiederum das Netz belasten. Zudem tritt dieses Jahr das Verbot für den Einsatz einiger poly- und perfluorierter Alkylsubstanzen (PFAS) in Kraft. Diese chemischen Verbindungen sind besonders schädlich für die Umwelt, da sie extrem langlebig sind und sich im Körper von Tieren und Menschen anreichern können.

Allerdings sind sie auch in der Pharmaindustrie weit verbreitet. Rund 93 Prozent der europäischen Pharmahersteller setzen PFAS ein. Das Verbot zwingt sie nun dazu, alternative Formeln zu entwickeln, neue Stoffe zu testen und ihre Produktion entsprechend anzupassen. Ein ähnliches Problem droht der Chemiebranche, die ebenfalls große Mengen von PFAS nutzt und produziert. Auch die Regularien zu Mikroplastik werden strenger. Die Industrie muss diese Stoffe in Zukunft nicht nur vermeiden, sondern auch genau dokumentieren und nachverfolgen. In Branchen, in denen papierbasierte Prozesse noch üblich sind, ist die Gewährleistung von Transparenz die größte Herausforderung.

Resilienz wird zur Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit

Für produzierende Industrien wie die Pharma- und Chemieindustrie ziehen die regulatorischen Anforderungen in der Lieferkette und in den Produktionslinien nach sich. Die Suche nach alternativen Materialien und Formeln erfordert neue Zulieferer und letztendlich neue Produktionsprozesse, die sich im Aufbau ganzer Produktionsstätten niederschlagen. Unternehmen, die bereits in den vergangenen Jahren auf Nachhaltigkeit gesetzt und flexible Produktionslinien aufgebaut haben, sind nun klar im Vorteil.

Denn wer nicht früh genug Resilienz aufgebaut hat, muss nun den Preis dafür zahlen. Die angespannten Beziehungen zwischen den größten Wirtschaftsmächten gefährden die Lieferketten zusätzlich. Die Industrie steht nun unter Zugzwang und muss Produktionsstandorte und Lieferanten im eigenen Land oder in Partnerländern, die ihr wohlgesonnen sind, aufbauen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Damit die Industrie jedoch überhaupt arbeiten kann, braucht Europa eine stabile Energieversorgung. Der Energiesektor kämpft jedoch mit einem steigenden Energiebedarf, der durch energieintensive Industrien, die Mobilitätswende und die wachsende Zahl an Rechenzentren getrieben wird. Demgegenüber steht eine Infrastruktur, die in vielen Teilen Europas noch aus dem 20. Jahrhundert stammt. Fast die Hälfte der Verteilernetze ist mehr als 40 Jahre alt und nicht für den dezentralen Betrieb ausgelegt, wie er heute erforderlich ist.

Eine zunehmend dezentrale Energiegewinnung erfordert neue Verbindungen, intelligente Zähler und einen datengetriebenen, digitalen Betrieb. In der Realität greifen viele Netzbetreiber und Energieversorger jedoch nach wie vor auf papierbasierte Prozesse zurück. Dadurch fehlen ihnen Daten und damit wichtige Erkenntnisse, um proaktiv handeln zu können und Lastspitzen bzw. Ausfälle abzuwenden. Um an diese Daten zu gelangen und sie effektiv nutzen zu können, muss die Digitalisierung im Energiesektor bis 2026 stark vorangetrieben werden. Softwarelösungen und digitale Zwillinge von lokalen Netzen liefern Echtzeit-Transparenz und prognostizieren den Energiebedarf, Lastspitzen und risikobehaftete Komponenten.

Modernisierung wird teuer – Stillstand noch teurer

Um die Netze auf diesen Stand zu bringen, sind hohe Investitionen in Instandhaltung, Ausbau und Modernisierung nötig. Ähnlich teuer ist der Umbau ganzer Produktionslinien sowie die Entwicklung alternativer Lösungen zu PFAS und Mikroplastik. Zudem sind Pharma- und Chemieunternehmen bald gezwungen, die Kosten für die Abwasserreinigung zu tragen, wenn sie zur Verschmutzung beigetragen haben.

Abhilfe schaffen hier digitale Lösungen. In der Pharmabranche glauben 73 Prozent der Führungskräfte, dass digitale Tools ihnen dabei helfen könnten, Emissionen zu reduzieren. 68 Prozent erwarten dadurch eine bessere Rückverfolgbarkeit und 66 Prozent sind sich sicher, dadurch Abfall mindern zu können. Enterprise-Asset-Management- und Asset-Performance-Management-Systeme helfen branchenübergreifend dabei, die Transparenz über Unternehmens-Assets zu steigern, Problempunkte aufzudecken und Prozesse effizienter, digitaler und schneller zu gestalten.

Die Investitionen in diese Systeme sind allerdings kostspielig. Unternehmen, die sich jetzt digital, flexibel und nachhaltig aufstellen, können der aktuellen Gemengelage jedoch gelassen entgegensehen.

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