Ende 2025 wurde in Deutschland ein neuer Höchststand bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreicht – rund 64 Prozent. Neben der Windkraft hat vor allem die Photovoltaik zugenommen. Doch die Herausforderung dieser Dynamik sind die zunehmend ausgemusterten Solarmodule. Um deren Abfallmenge zu reduzieren und eine vorzeitige Entsorgung zu verhindern, entwickelt das Braunschweiger Start-up Better Sol ein Verfahren zur Rettung gebrauchter, aber noch leistungsfähiger Solarmodule. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat das Start-up mit rund 125.000 Euro gefördert.
Erneuerbaren‑Boom trifft Altmodule
Laut dem Statistischen Bundesamt macht die Photovoltaik mittlerweile etwa 24 Prozent aus und ist damit der zweitwichtigste Energieträger der inländischen Stromerzeugung. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde sieht darin „einen Beweis, dass die hiesige Infrastruktur und Wirtschaft in großem Umfang nachhaltig gestaltet werden können“. Damit die Bemühungen für mehr erneuerbare Energien nicht ins Stocken geraten, müssen gebrauchte, aber noch leistungsfähige Materialien seiner Meinung nach „durch geschickte Kreislaufwirtschaft für eine Weiternutzung erhalten werden“.
Genau dort setzt das Startup Better Sol an. Das Team um Mitgründerin Luisa Schulze hat mithilfe einer DBU-Förderung ein System entwickelt, um das Nutzungspotenzial ausgemusterter Solarmodule zu bestimmen. Schulze sagt: „Wir wollen geeignete Solarplatten mit garantierter Leistung und einer transparenten Leistungsprognose wieder in den Markt zurückbringen.“
KI‑gestützte Prüfung mit Label und Protokoll
Die Qualität gebrauchter Photovoltaik-Anlagen bestimmt das Team von Better Sol mit einem in Teilen automatisierten Testsystem inklusive einer selbst entwickelten Software auf Basis künstlicher Intelligenz (KI). „Wir führen zunächst eine mehrstufige optische Prüfung durch,“ erklärt Schulze. Dabei werden sowohl grobe Beschädigungen als auch jede Solarzelle einzeln untersucht. Anschließend folgt eine Leistungsüberprüfung. „Es geht um die Frage, wie viel Watt das Produkt noch im Vergleich zur ursprünglichen Leistung liefert“, so die Better-Sol-Mitgründerin.
Auch die elektrische Sicherheit wird eingehend geprüft. Schulze ergänzt: „All diese Daten führt unsere Software automatisiert zu einer detaillierten Leistungsprognose zusammen.“ Jedes funktionstüchtige Modul erhält ein Label mit den Testdaten und einer zugewiesenen Leistungsklasse. Erst dann wird der Rest endgültig zum Recycling aussortiert. „„Außerdem gibt es für jedes Modul ein umfangreiches Prüfprotokoll. Wir halten die Qualitätsbestimmung so transparent wie möglich, damit alle Kundinnen und Kunden die für sie optimale Solarpaneele wählen können“, so Schulze. Nur mit diesen einfach nachvollziehbaren Qualitätsmerkmalen würden die gebrauchten Solarplatten am Markt angenommen.
Jede zweite Solarpaneele kann erneut genutzt werden
Der Großteil ausgemusterter Solarplatten stammt laut Schulze vor allem von Solarparks, bei denen regelmäßig größere Mengen an Modulen ausgewechselt werden. „Wenn private Betreiberinnen und Betreiber sich Solarpaneele auf ihr Haus bauen, haben die Module normalerweise eine lange Nutzungsdauer“, so Schulze. Bei großen Solarparks sei die Situation jedoch anders.
Die Better-Sol-Mitgründerin erklärt: „Die Betreiber tauschen häufig größere Mengen an Solarmodulen recht früh in ihrem Lebenszyklus durch neuere, leistungsstärkere Modelle aus.“ Die Folge ist eine höhere Menge erneuerbarer Energien, aber auch die Aussortierung vieler Solarpaneele, obwohl diese noch eine Restnutzungsdauer von Jahren oder Jahrzehnten haben. „Im Schnitt ist jedes zweite gebrauchte Solarmodul noch für eine erneute Nutzung geeignet. Mehr grüner Strom und weniger Abfälle sind also gleichzeitig möglich“, so Schulze. Better Sol wolle verhindern, dass diese wertvollen Rohstoffe und noch funktionierende Technik auf dem Müll landen.
Solarmodule dort testen, wo sie ausgemustert werden
Im Gegensatz zur Herkunft der gebrauchten Solarmodule ist ihre Zielgruppe deutlich diverser. Schulze ergänzt: „Hochwertige, gebrauchte Photovoltaik-Anlagen sind oft interessant für Privathaushalte oder die Dächer größerer Fabrikhallen.“ Der Vertrieb erfolgt direkt über die Internetseite von Better Sol. Der nächste Schritt in der Entwicklung ist eine mobile Version der Testanlage, um die Solarmodule direkt vor Ort zu testen. Mithilfe einer zusätzlichen Automatisierung des Testsystems sollen künftig auch größere Ausmusterungen von Solarparks bewältigt werden.