Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie für die Energiewende: Sie kann dezentrale Netze steuern, erneuerbare Energien integrieren und den Verbrauch sowie die Speicherung verbessern. Doch die gesellschaftliche Akzeptanz hängt vom Vertrauen ab, und Vertrauen wächst durch Transparenz und Wissen. Eine neue Studie des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik (WZGE) in Kooperation mit der E.ON Foundation zeigt, dass die Energiewirtschaft einen Vertrauensbonus genießt – die beste Ausgangslage, um mit klarer Kommunikation Menschen für die Chancen von KI zu gewinnen.
Ohne KI keine Energiewende
Ob intelligente Netze, Prognosen für Wind- und Solarstrom oder KI-gestützte Verbrauchssteuerung, ohne digitale Intelligenz wird die Energiewende nicht gelingen. Gleichzeitig bleibt für viele Bürgerinnen und Bürger unklar, wie diese Technologien funktionieren und wer die Verantwortung trägt. Genau hier liegt die Herausforderung: Die doppelte Blackbox – unverstandene KI-Technik trifft auf ein komplexes System der Energieversorgung – macht Orientierung und Vertrauensbildung zur zentralen Aufgabe für die Energiewirtschaft.
Zentrale Ergebnisse:
Vertrauensbonus für die Energiewirtschaft: 34 Prozent vertrauen Energieunternehmen beim KI-Einsatz (im Vergleich 27 Prozent Gesamtwirtschaft).
Informationslücken bremsen Akzeptanz: Nur 18 Prozent fühlen sich gut informiert über KI im Energiesektor (im Vergleich 27 Prozent Gesamtwirtschaft).
Je besser informiert, desto optimistischer: 66 Prozent der gut Informierten sehen mehr Chancen als Risiken.
Top-Vertrauensfaktoren: menschliche Kontrolle (56 Prozent), Transparenz (51 Prozent), IT-Sicherheit (41 Prozent).
Regulierung: Mehrheit wünscht moderate staatliche Kontrolle kombiniert mit unternehmerischer Verantwortung (47 Prozent).
Handlungsempfehlungen:
Beim Thema KI nicht nur begeistern, sondern auch orientiere: Technische Aufgeschlossenheit allein reicht nicht aus. Menschen wollen wissen, wofür und wie Unternehmen KI einsetzen.
Weniger Regulierung verlangt mehr freiwillige Selbstverpflichtung, denn Vertrauen setzt Verantwortung voraus. Wer weniger staatliche Regulierung anstrebt, muss umso mehr in vertrauensbildende Selbstverpflichtungen investieren.
Die Energiewirtschaft kann einen Vertrauensvorschuss nutzen: Menschen knüpfen Vertrauen eher an Akteure als an Technik. Unternehmen sollten KI nicht defensiv kommunizieren, sondern offensiv über Einsatz, Nutzen und Grenzen informieren.
Resilienz mit Kompetenz verbinden: Vertrauen basiert auf Versorgungssicherheit und menschlicher Kontrolle. Die Energiewirtschaft kann zeigen, wie sich bewährte Kompetenzen mit KI-Innovationen kombinieren lassen.
Stephan Muschick, Geschäftsführer der E.ON Foundation, sagt: „KI ist der Turbo für die Energiewende. Sie kann die Energieversorgung widerstandsfähiger machen. Aber Technik allein reicht nicht – Unternehmen müssen zeigen, wie sie digitale Intelligenz mit menschlicher Kontrolle verbinden.“ Martin von Broock, der Vorstandsvorsitzende der WZGE, ergänzt: „Unsere Daten zeigen: Die Menschen stehen KI abwartend, aber nicht ablehnend gegenüber. Und je mehr die Wirtschaft selbst Verantwortung investiert, umso weniger Bürokratie ist von staatlicher Seite notwendig.“ Die vollständigen Daten der Erhebung finden Sie hier.