Solarenergie im Terawatt-Maßstab

Recycling und Materialwahl als Schlüssel der Energiewende

Der Physiker Dr. Lukas Wagner zwischen Solarmodulen auf dem Dach des Physikgebäudes der Universität Marburg. Mit Prof. Dr. Jan Christoph Goldschmidt und weiteren Forschenden hat er in einer aktuellen Studie untersucht, welche Nachhaltigkeitsziele Photovoltaik für eine globale Hochskalierung erfüllen muss.

Bild: Jan Hosan, Philipps-Universität Marburg
19.01.2026

Solaranlagen erreichen weltweit den Multi-Terawatt-Maßstab, sie entwickeln sich damit zu einer globalen Schlüsselindustrie. Eine neue Studie zeigt: Damit Photovoltaik langfristig nachhaltig bleibt, müssen die Weichen jetzt gestellt werden – bei Effizienz, Materialwahl und Recycling.

Photovoltaik wächst derzeit in eine neue Größenordnung hinein. Die Philipps-Universität Marburg hat eine Überblicksarbeit veröffentlicht, die dabei veranschaulicht: Das Design von heute bestimmt Recyclingfähigkeit von morgen.

„Photovoltaik ist extrem materialeffizient“, sagt Dr. Lukas Wagner, Nachwuchsgruppenleiter am Fachbereich Physik der Philipps-Universität Marburg und Erstautor der Studie. „Über ihre Lebensdauer benötigt sie bis zu 100-mal weniger Material als fossile Stromerzeugung – etwa Kohle- oder Gaskraftwerke. Aber wenn wir weltweit Solarmodule auf Flächen in der Größenordnung von hunderttausenden Quadratkilometern installieren, werden Materialverbrauch und Recycling trotzdem zu zentralen Fragen.“ Besonders kritisch sei, dass heutige Designentscheidungen darüber bestimmen, ob Solarmodule in 25 bis 30 Jahren gut recycelt werden können.

Die Autoren betonen daher: Recyclingfähigkeit und nachhaltige Materialkreisläufe müssen von Anfang an in die Entwicklung neuer Solarzelltechnologien integriert werden. „Die Energiewende ist kein reines Ausbauproblem“, sagt Prof. Dr. Jan Christoph Goldschmidt, Physiker der Philipps-Universität Marburg. „Es geht darum, Solarenergie so zu skalieren, dass sie auch in Jahrzehnten noch ressourcenschonend, wirtschaftlich und gesellschaftlich akzeptiert ist. Nachhaltigkeit ist kein Zusatz – sie ist eine Voraussetzung für den langfristigen Erfolg der Photovoltaik.“

Drei Phasen für nachhaltigen PV-Ausbau

Die Marburger Studie unterscheidet drei überlappende Phasen, in denen beim PV-Ausbau verschiedene Nachhaltigkeitsaufgaben priorisiert werden müssen:

  • Phase 1: Schnelle Dekarbonisierung. Kurzfristig zählt vor allem Tempo: PV ersetzt fossilen Strom und senkt Emissionen.

  • Phase 2: Material- und Flächenfragen. Im Terawatt-Maßstab werden Versorgungssicherheit, Materialwahl und Ressourceneffizienz zentral (inklusive der Frage, welche „kritischen“ Materialien vermieden werden sollten).

  • Phase 3: Kreislaufwirtschaft mit Jahrzehnte-Verzug. Zwischen Produktion und Recycling liegen typischerweise 25 bis 30 Jahre; die Recyclingfähigkeit muss daher schon beim heutigen Technologiedesign mitgedacht werden.

Für die gesellschaftliche Akzeptanz betont die Studie zudem soziale Verantwortung entlang der gesamten Produktlebensdauer – von Rohstoffgewinnung über Produktion und Installation bis zum Recycling.

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