Regulierung von Batterien im Übertragungsnetz

Fünf Regeln für netzdienliche Großbatterien

Im Übertragungsnetz gibt es vier Herausforderungen, bei denen fünf Instrumente helfen sollen: dynamische Netzentgelte, kompensierter Redispatch und Beiträge zur Netzfinanzierung.

Bild: iStock, MikeMareen
12.05.2026

Die Zahl regulatorischer Eingriffe in den Speicherbetrieb nimmt zu – von den Anschlussbedingungen bis zu geplanten gesetzlichen Vorgaben. Eco Stor hat die Studie „Regulierung von Batterien im Übertragungsnetz“ in Auftrag gegeben: In dieser Studie wird vor einem regulatorischen Flickenteppich gewarnt, der Investitionen erschwert.

Der weitere Ausbau von Batteriegroßspeichern ist eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Gleichzeitig nehmen regulatorische Eingriffe in den Speicherbetrieb deutlich zu – von den technischen Anschlussbedingungen über flexible Netzanschlussverträge (FCA) bis hin zu gesetzlichen Vorgaben im Rahmen des geplanten Gesetzes zur Stromversorgungssicherheit und Kapazitätsbildung.

Vor diesem Hintergrund hat Eco Stor die Studie „Regulierung von Batterien im Übertragungsnetz“ bei Neon Neue Energieökonomik in Auftrag gegeben. Die Autoren Alexander Neef, Anselm Eicke und Lion Hirth entwickeln darin ein kohärentes Instrumentarium für die systemdienliche Integration von Großbatterien im deutschen Übertragungsnetz.

Flickenteppich bremst Investitionen

Die Untersuchung soll einen konstruktiven Beitrag zur aktuellen Debatte um die Rolle von Großspeichern im Energiesystem leisten. Ziel ist es, Netzstabilität, Investitionssicherheit und volkswirtschaftliche Effizienz gemeinsam zu denken, anstatt Batteriespeicher durch widersprüchliche Einzelmaßnahmen faktisch auszubremsen.

„Die aktuellen Diskussionen zeigen, dass wir dringend einen konsistenten regulatorischen Rahmen für Großspeicher brauchen. Ohne abgestimmtes Gesamtkonzept droht ein regulatorischer Flickenteppich aus Netzentgelten, Anschlussauflagen und Betriebseinschränkungen, der Investitionen massiv erschwert und die Energiewende verteuert“, erklärt Anselm Eicke, Partner bei Neon.

Die Autoren warnen ausdrücklich davor, dass parallel entstehende regulatorische Ansätze ohne systematische Gesamtlogik zu redundanten oder widersprüchlichen Anforderungen führen könnten. Dies gefährdet die Investitionssicherheit, erhöht die Finanzierungskosten und kann den dringend benötigten Speicherhochlauf erheblich verlangsamen oder sogar zum Stillstand bringen.

Wie Großspeicher im Übertragungsnetz geregelt werden

Die Untersuchung befasst sich mit der Frage, wie der Betrieb von Großspeichern im Übertragungsnetz sinnvoll reguliert werden kann. Die Autoren identifizieren dabei vier zentrale Herausforderungen des zukünftigen Netzbetriebs: vorhersehbare und kurzfristige Netzengpässe, Frequenzstabilität sowie die Beteiligung von Speichern an der Netzfinanzierung.

Fünf Instrumente für eine systemdienliche Integration

Um diese Herausforderungen zu adressieren, empfehlen die Autoren fünf konkrete Instrumente:

  1. dynamische Netzentgelte

  2. kompensierten Redispatch

  3. ein schrittweise reduziertes Regelleistungslimit pro Anlage

  4. Rampenvorgaben mit Kompensation

  5. leistungsbasierte Beiträge zur Netzfinanzierung

Gleichzeitig sprechen sich die Autoren gegen pauschale Betriebseinschränkungen, unvergüteten Redispatch und allgemeine Sperrzeiten aus. Solche Maßnahmen würden hohe volkswirtschaftliche Kosten verursachen, ohne Netzprobleme effizient zu lösen.

Praxiswissen ergänzt die Modellierung

Die vorgeschlagenen Ansätze basieren nicht nur auf energiewirtschaftlicher Modellierung, sondern auch auf praktischen Erfahrungen aus der Entwicklung und dem Betrieb großer Batteriespeicherprojekte. Elemente wie prognosebasierte Netzbewirtschaftung, dynamische Betriebsführung und netzdienliche Fahrweisen werden von Eco Stor bereits heute im Rahmen eigener Projekte erprobt.

Aus Sicht von Eco Stor braucht Deutschland nun vor allem regulatorische Klarheit: Batteriespeicher müssen als systemrelevante Infrastruktur verstanden werden – nicht als Risiko für das Stromsystem, sondern als Voraussetzung für Versorgungssicherheit, Netzstabilität und die effiziente Nutzung erneuerbarer Energien.

Strompreissignale zeigen den Flexibilitätsbedarf

Gerade in Zeiten stark schwankender Strompreise und zunehmender Netzengpässe spielen Batteriespeicher nämlich eine Schlüsselrolle im Stromsystem. „Die Preisereignisse Ende April und Anfang Mai zeigen deutlich, dass Deutschland kein Erzeugungsproblem mehr hat, sondern ein Flexibilitätsproblem. Negative Strompreise bis zu -500 Euro/MWh bei gleichzeitig hohen fossilen Spitzenstrompreisen sind Ausdruck struktureller Ineffizienzen im bestehenden System“, erklärt Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Eco Stor.

Eco Stor hatte zuletzt in einem Meinungsbeitrag darauf hingewiesen, dass Deutschland trotz hoher Erzeugung aus erneuerbaren Energien erhebliche Energiemengen abregeln muss, weil Speicher und Flexibilitäten nicht ausreichend integriert werden. „Das ist kein Naturgesetz. Das ist ein Systemfehler“, schrieb Gallmetzer.

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