In gut jedem vierten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland kommt inzwischen Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz – vor allem, um der Belegschaft Routinearbeiten abzunehmen. Zukünftig werden KMU jedoch verstärkt Fachkräfte mit KI-Kompetenzen benötigen. Andernfalls drohen ihnen im Wettbewerb mit Großunternehmen Personalrekrutierungsprobleme.
In Steuerberatungskanzleien wird KI genutzt, um Routinetätigkeiten wie die Buchungs- und Belegverarbeitung zu automatisieren. Einzelne Malerbetriebe setzen Roboter für standardisierte Arbeiten wie das Grundieren großer Flächen ein. In anderen Handwerksbetrieben unterstützen digitale Assistenzsysteme die Geschäftsführung bei der Routenplanung, der Telefonassistenz und dem Workflow-Management.
Die Künstliche Intelligenz ist in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) angekommen. Dies belegen auch die statistischen Zahlen: Im Jahr 2025 nutzte rund jedes vierte KMU in Deutschland KI-Verfahren. Damit waren es nicht nur mehr Unternehmen als im EU-Durchschnitt (19 Prozent), sondern auch deutlich mehr als 2024 (19 Prozent).
Von Buchhaltung bis Workflow: KI als Produktivitätshelfer
„Aktuell dient der KI-Einsatz in den kleineren und mittleren Unternehmen vor allem dazu, die Beschäftigten bei zeit- und ressourcenintensiven Tätigkeiten zu entlasten. Manche Geschäftsführungen nutzen den KI-Einsatz aber auch gezielt, um ihre Arbeitgeberattraktivität zu steigern und Nachwuchskräfte anzulocken“, berichtet Dr. Jonas Löher. Er hat gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des IfM Bonn die Auswirkungen von KI auf den Fachkräftemangel untersucht.
Dabei zeigte sich, dass durch die Arbeitsentlastung der Beschäftigten aktuell zwar Stellenbesetzungsprobleme reduziert werden können. Da KI jedoch Tätigkeitsprofile zunehmend generell verändert, wird der Bedarf an entsprechend qualifizierten Beschäftigten in Zukunft steigen. Berufsausbildungen, Studiengänge und Weiterbildungsangebote müssen daher zeitnah an die neuen personellen Herausforderungen angepasst werden. Andernfalls drohen vor allem den kleinen und mittleren Unternehmen Wettbewerbsnachteile aufgrund von Personalrekrutierungsproblemen.
Warum KI in KMU oft stockt
Auch wenn der stetig steigende Wettbewerbsdruck kleinere Unternehmen dazu zwingt, sich intensiver mit Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, hängt deren Einsatz vorrangig von der digitalen Kompetenz und Affinität der unternehmerischen Leitungsperson ab. In vielen Führungsetagen herrscht angesichts der Vielzahl verfügbarer Lösungen jedoch Unsicherheit darüber, welche Anwendungen für das Unternehmen geeignet und nützlich sind.
Hinzu kommen laut dem Studienteam unzureichende Dateninfrastrukturen, fehlende Datenqualität und unklare Datenschutzvorgaben als Hemmnisse für den KI-Einsatz. „Grundsätzlich liegt es in der Hand der Unternehmen, die zahlreichen Chancen von KI zu nutzen. Hierfür gibt es bereits zahlreiche öffentliche und private Unterstützungsangebote, wie beispielsweise das Förderprogramm ‚Mittelstand-Digital‘ des BMWE oder die Förderung von KI-Projekten im Rahmen des ZIM“, berichtet Dr. Löher. „Um den mittelständischen Unternehmen ihre Sorgen hinsichtlich der Datensicherheit zu nehmen, sollten jedoch jetzt in Europa die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Unternehmen KI-Anwendungen sicher und selbstbestimmt nutzen können.“