Security in autonomen Systemen

KI-Agenten nicht nur im Blick, sondern im Griff behalten

Müssen KI-Agenten an die Leine? Nicht unbedingt – wenn Unternehmen sich den neuen Gegebenheiten anpassen.

Bild: iStock, bortonia
06.05.2026

Autonome KI-Systeme werden immer häufiger in kritischen Geschäftsprozessen eingesetzt. Daher rückt zunehmend die Frage der Sicherheit dieser KI-Agenten in den Fokus: Unternehmen müssen sich die Frage stellen, wie sich digitale Identität, digitale Verantwortlichkeiten und digitales Vertrauen für die autonomen Systeme realisieren lassen.

Autonome KI-Systeme initiieren selbständig Workflows, greifen auf Netzwerke zu, modifizieren Daten und interagieren über unterschiedlichste IT-Umgebungen hinweg, ganz ohne menschliches Eingreifen. Anders als bei der klassischen Automatisierung – starr definierten Skripten folgend – setzen KI-Agentensysteme auf kontinuierliche, dynamische und eigenständige Entscheidungen. Die Systeme kollaborieren miteinander, bewältigen hochkomplexe Aufgaben und skalieren Prozesse in einer Geschwindigkeit, die diejenige menschlicher Teams bereits heute weit übertrifft. Doch hat dieses Mehr an Effektivität und Effizienz eben auch seinen Preis: die Angriffsfläche wächst – und dies spürbar.

KI-Schwachstellen bald größter Risikofaktor?

Laut einer aktuellen Keyfactor-Studie gehen 69 Prozent aller Cybersicherheitsexperten mittlerweile davon aus, dass KI-basierte Schwachstellen – darunter auch jene in KI-Agentensystemen – im kommenden Jahr für Unternehmen erstmals einen größeren Risikofaktor darstellen werden als der Mensch. IT-Sicherheitsverantwortliche müssen ihre Netzwerke deshalb nicht mehr nur gegen klassische Malware und kompromittierte Nutzer schützen, sondern zunehmend auch gegen kompromittierte KI-Agenten. Dies aber erfordert einen Paradigmenwechsel der eigenen Cybersicherheitsstrategie.

Schon heute gehört die Verwaltung der Vertrauensbeziehungen zwischen Mitarbeitern, externen Partnern, Geräten und Workloads zum Standardrepertoire einer effektiven Cybersicherheitsarchitektur. Für jede Identität sind klare Berechtigungen, Kontrollmechanismen und Verantwortlichkeiten definiert. Es ist dringend an der Zeit, KI-Agenten in diese Systeme einzubinden, sie in dieselben Sicherheitsverfahren zu integrieren. Unternehmen müssen endlich beginnen, KI-Agenten als vollwertige Identitäten ihrer IT-Infrastruktur zu begreifen. In den kommenden drei bis fünf Jahren werden wir erleben, wie KI-Agenten selbstständig weitere KI-Agenten generieren, mit variablen Autonomiegraden operieren und direkt in kritische Systeme eingreifen werden. Ohne ein striktes Identity-and-Access-Management (IAM) und eine engmaschige Governance werden diese Systeme Gefahr laufen, kompromittiert, manipuliert oder mit unzulässigen Privilegien ausgestattet zu werden.

Das Problem: Bislang sind nur die wenigsten Cybersicherheits-Frameworks auf autonome Systeme ausgelegt, die in Maschinengeschwindigkeit agieren und miteinander interagieren können. Traditionelle Frameworks bieten hier allenfalls eine Basisabsicherung. Sobald KI-gesteuerte Workflows eigenmächtig Infrastrukturänderungen vornehmen oder auf sensible Datensätze zugreifen wollen, stoßen sie an ihre Grenzen. Besonders in Europa kann sich dies rasch zu einem – auch in juristischer Hinsicht – handfesten Problem ausweiten. Denn Regularien wie der EU AI Act und der Cyber Resilience Act machen Unternehmen hinsichtlich der Transparenz und der Kontrolle ihrer autonomen KI-Systeme klare Vorgaben.

Wie bleiben Unternehmen handlungsfähig?

Um in der neuen Ära der KI handlungsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen ihre Identitätsarchitekturen modernisieren, ihr kryptografisches Fundament stärken und ihre Governance-Modelle von Grund auf neu denken – im Sinne einer Agentic-AI-Security. Fünf Features werden dabei von zentraler Bedeutung sein:

  • ein integriertes Identitätsmanagement für alle KI-Akteure,

  • eine strikte Durchsetzung des Least-Privilege-Prinzips (minimale Zugriffsrechte),

  • Zero Trust,

  • eine lückenlose System-Observability und

  • automatisierte Kontrollmechanismen, die dynamisch mit den KI-Kapazitäten skaliert werden können.

Werden diese fünf Features im Rahmen eines Security-by-Design-Ansatzes proaktiv im Cybersicherheitsframework verankert, wird es Unternehmen gelingen, die KI-bedingten Compliance-Anforderungen – auch die besonders strengen der EU – problemlos zu erfüllen.

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