Der Hype um generative KI ist verständlich, birgt aber eine immense Gefahr: Unternehmen könnten versucht sein, ihre Budgets und ihre Aufmerksamkeit von der Cyber Security abzuziehen. Das wäre ein fataler Fehler. Eine lahmgelegte Produktion durch Ransomware lässt sich auch mit der besten KI-Optimierung nicht kompensieren. Cybersicherheit muss die unumstößliche Priorität Nummer eins bleiben.
Der Trugschluss der KI-Allmacht
KI ist ein zweischneidiges Schwert. Während wir bei Axians KI im Security Operations Center (SOC) erfolgreich einsetzen, um Analysten zu entlasten, den Fachkräftemangel zu kompensieren und Angriffe schneller zu erkennen, rüsten auch die Angreifer massiv auf. KI-gestützte Phishing-Angriffe, täuschend echte Deepfake-Anrufe zur Manipulation von Mitarbeitern (Identity Theft) und autonome Malware, die unermüdlich nach Schwachstellen sucht, sind bereits Realität.
Wir nutzen KI, um unsere Abwehr zu stärken. Aber die Gegenseite schläft nicht. Sich allein auf die neuen Möglichkeiten von KI zu fokussieren und dabei die Basisabsicherung zu vergessen, ist, als würde man ein Hightech-Schloss an eine Papptür montieren.
Die ungelösten Klassiker: Ransomware und OT-Sicherheit
Trotz neuer Bedrohungen bleiben altbekannte Risiken brandaktuell und entwickeln sich weiter.
Ransomware: Die Bedrohung durch Erpressersoftware ist ungebrochen. Der Trend „Ransomware-as-a-Service“ professionalisiert die Angreiferszene weiter. Die Strategie der Unternehmen verschiebt sich dabei: Der Fokus bewegt sich weg von der reinen Prävention hin zur Frage: „Was tun wir, wenn der Angriff erfolgreich war?“ Hier rücken Konzepte wie Ransomware Containment in den Mittelpunkt. Ziel ist es, den Schaden eines Angriffs aktiv zu begrenzen, anstatt nur zu versuchen, ihn zu verhindern.
OT-Sicherheit: Ein weiteres, massiv unterschätztes Risiko schlummert in der Betriebstechnologie (OT). Viele Unternehmen haben keinen vollständigen Überblick über ihre OT-Assets und glauben fälschlicherweise, ihre Produktionsnetze seien vom Internet isoliert. Die Realität sieht oft anders aus: veraltete Steuerungssysteme, fehlende physische Sicherheitsmaßnahmen und mangelndes Bewusstsein bei den Mitarbeitern schaffen ein gefährliches Einfallstor.
NIS2: Notwendig, aber kein Allheilmittel
Die NIS2-Richtlinie zwingt viele Unternehmen zum Handeln und rückt die Verantwortung für Cybersicherheit bis in die Geschäftsführung. Dennoch sollten Unternehmen sich nicht in einem falschen Sicherheitsgefühl wägen. NIS2 ist eine absolut notwendige Grundlage. Aber kein Unternehmen sollte glauben, nach Erfüllung der Richtlinie zu 100 Prozent sicher zu sein. Eine solche Sicherheit gibt es nicht. Die Bedrohungslandschaft, insbesondere durch KI-gestützte Attacken, entwickelt sich so schnell, dass Compliance nur der Startpunkt für eine kontinuierliche Risikobewertung sein kann.
Ein unachtsamer Klick auf einen Phishing-Link oder ein kompromittiertes Passwort kann die besten Schutzmaßnahmen aushebeln. Unternehmen müssen daher über die reinen Vorgaben der Regulatorik hinausdenken und kontinuierlich in die Sensibilisierung ihrer Mitarbeitenden investieren. Der Faktor Mensch muss als permanentes, strategisches Risiko verstanden und gemanagt werden.
Achillesferse Lieferkettensicherheit
Schon 2025 warnte ENISA vor Angriffen auf Embedded- und OT-Systeme in der deutschen Industrie. Hacker nutzten bereits Schwachstellen in Zulieferersoftware- und Firmware-Updates, um Produktionsanlagen zu kompromittieren. 2026 wird die Absicherung der Software-Lieferkette entscheidend. Unternehmen müssen Transparenz schaffen, indem sie eine detaillierte Liste aller Komponenten, Bibliotheken und Abhängigkeiten, die in einer Software enthalten sind, inklusive Versionen und Herkunft (SBOMs) nutzen. Zudem sollten sie Sicherheit nach dem Prinzip „Secure by Design“ von Beginn an verankern. Das sorgt für geprüfte Abhängigkeiten, automatisierte Sicherheitschecks und signierte Releases. Wer darauf verzichtet, lässt Angreifern Einfallstore offen.
Fazit: Cybersicherheit darf nicht zum Sparopfer werden
Das Jahr 2026 wird eine Bewährungsprobe. Der Druck durch neue Technologien, strikte Regulatorik und eine angespannte Weltlage nimmt weiter zu. IT-Sicherheit ist die Lebensversicherung der Digitalisierung. Wer hier aus kurzfristigen Sparzwängen den Rotstift ansetzt, riskiert langfristig seine gesamte Existenz. Eine robuste, ganzheitliche und risikobasierte Sicherheitsstrategie, die Prävention, Detektion und Reaktion umfasst, ist und bleibt die oberste Priorität.
Handlungsempfehlungen für Unternehmen für 2026
Basierend auf den aktuellen Entwicklungen empfiehlt sich für das kommende Jahr folgendes:
Fokus nicht verlieren: Behandeln Sie Cybersicherheit weiterhin als höchste strategische Priorität. Lassen Sie sich nicht vom KI-Hype blenden und kürzen Sie keine grundlegenden Sicherheitsbudgets.
Strategie für den Ernstfall entwickeln: Planen Sie nicht nur für die Prävention, sondern auch für den erfolgreichen Angriff. Evaluieren Sie Ransomware-Containment-Lösungen, um den Betrieb nach einer Attacke schnellstmöglich wiederherstellen zu können.
OT-Umgebung auditieren: Schaffen Sie Transparenz in Ihren Produktionsnetzwerken. Führen Sie Audits und Penetrationstests durch, um versteckte Risiken in Ihrer OT-Infrastruktur aufzudecken.
NIS2 als Baseline verstehen: Nutzen Sie die NIS2-Anforderungen als Fundament, aber gehen Sie darüber hinaus. Bewerten Sie unternehmensindividuelle Risiken, insbesondere im Hinblick auf den Faktor Mensch und Social Engineering.
Partnerschaften nutzen: Die Komplexität der Cybersicherheit überfordert interne IT-Abteilungen schnell. Arbeiten Sie mit spezialisierten Partnern wie Axians zusammen, um auf das breite Expertenwissen zuzugreifen, das zur Abwehr moderner Bedrohungen notwendig ist.
Transparenz schaffen: Führen Sie eine vollständige Bestandsaufnahme aller eingesetzten Software-Komponenten und Lieferanten durch (SBOM), und prüfen Sie regelmäßig deren Sicherheitsstatus.