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Netzanschluss verbessern Den Strom richtig ins Netz bringen

11.09.2018

Spätestens seit Einführung des neuen EEG-Ausschreibungsregimes stehen alle Kosten für die Planung eines Erneuerbare-Energien-Projekts auf dem Prüfstand. Bislang oft vernachlässigtes Einsparungspotenzial birgt dabei der Anschluss an das Stromnetz.

Egal ob bei Windparks, Photovoltaik- oder Biogasanlagen – der Netzanschluss ist ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Im Bereich der Kabelverlegung sind beispielsweise Kosten von bis zu 100.000 Euro je Trassenkilometer keine Seltenheit. Hinzu kommen Kosten für eine Übergabestation oder ein Umspannwerk sowie elektrische Verluste. Der Netzanschluss ist jedoch auch mit indirekten Kosten verbunden, er nimmt auch Einfluss auf die Komplexität anderer Planungsbereiche wie Flächensicherung, Genehmigungen oder Elektroplanung. Daher gilt: Mit der Netzanschlussplanung und -optimierung kann nicht früh genug begonnen werden. Idealerweise sollte der Netzanschluss bereits in der Projektvorplanung berücksichtigt werden. Doch auch in späteren Projektphasen sind hier noch beachtliche Verbesserungen möglich.

EEG mit klaren Regeln beim Netzanschluss

Grundsätzlich haben Einspeisewillige mit dem EEG bei der Ermittlung des Netzanschlusspunkts eine starke rechtliche Grundlage. Neben der unverzüglichen und vorrangigen Anschlusspflicht durch den Netzbetreiber ist der in Luftlinie nächste für die Spannungsebene geeignete Verknüpfungspunkt zu wählen, sofern nicht technische Hindernisse dagegensprechen. Diese Luftlinien-Vorgabe gilt allerdings nur, wenn dieses oder ein anderes Netz nicht einen technisch und wirtschaftlich günstigeren Verknüpfungspunkt aufweisen. In der praktischen Konsequenz bedeutet das: Netzbetreiber sind dazu verpflichtet, mindestens zwei Netzanschlusspunkte zu betrachten und diese nach technischen und wirtschaftlichen Kriterien miteinander zu vergleichen. Die Summe der Anschlusskosten des Antragstellers und des Netzbetreibers müssen minimal sein. In der Praxis kommt es allerdings leider häufig vor, dass dieser Vergleich aufgrund personeller Engpässe nicht oder nur unzureichend durchgeführt wird. Für die Prüfung des zugewiesenen Netzanschlusspunktes verpflichtet das EEG den Netzbetreiber zudem, Einsicht in die Netzdaten und Bewertungsergebnisse zu gewähren.

Die Qualität der Leistung hängt vom Netzbetreiber ab: Bei knapp 900 Verteilnetzbetreibern in Deutschland liegt es auf der Hand, dass sich der Netzanschlussprozess im Detail von Netzbetreiber zu Netzbetreiber unterscheidet. Dies beginnt im Umfang der technisch-wirtschaftlichen Prüfung, über die genaue Ausgestaltung der Leistungsreservierung bis hin zur Qualität der übermittelten Netzdaten. Im Arbeitskreis Netze des Bundesverbands Windenergie wurde eine Übersicht der Anforderungen an die Netzdaten erstellt, die vom Netzbetreiber zur Verfügung gestellt werden sollten. Konkret geht es um eine Checkliste, die dem Antrag zur Netzverträglichkeitsprüfung beigefügt werden kann. Sie trägt nicht nur zu einer Standardisierung des Prozesses bei, sondern auch zur einer Sensibilisierung aller Beteiligten für dieses wichtige Thema.

Schritt 1: Antragsstellung

Bereits bei der Antragstellung empfiehlt es sich konkrete Netzverknüpfungspunkte zu benennen, die vom Netzbetreiber zu prüfen sind. Auch sollte das Gebiet um den Windpark, die Solar- oder Biogasanlage großzügig nach umliegenden Netzbetreibern abgesucht werden, da nicht selten zwei, drei oder in Einzelfällen sogar mehr als fünf Netzbetreiber für einen möglichen Anschluss in Frage kommen. Für eine spätere Prüfung ist es hilfreich, bereits im ersten Antrag die Offenlegung der Netzdaten sowie Einsicht in die durchgeführten Netz- und Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu verlangen. Zudem sollte eine Vollständigkeitsbestätigung angefragt werden.

Schritt 2: Technische Prüfung

In einem zweiten Schritt erfolgt die Prüfung des zugewiesenen Netzanschlusspunktes. Bei der Netzanschlusspunktoptimierung kommt es neben technischem Know-how und entsprechender Spezialsoftware auch auf weiche Faktoren wie Kreativität in der Lösungsfindung und Erfahrung an. Bei der Prüfung werden zunächst mögliche Netzanschlusspunkte identifiziert, die dann durch eine Netzverträglichkeitsprüfung nach technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet und verglichen werden – vergleichbar zum Prozess des Netzbetreibers.

Für die Suche alternativer Anschlusspunkte hilft den Beratern der Firma Renerco Plan Consult ein eigenes Netz-GIS-System. Neben der technischen Analyse sollten auch andere Einflussfaktoren genau geprüft werden: Mitunter kann schon eine Korrektur der vom Netzbetreiber angenommenen Kosten für die Bauleistungen des Anschlussnehmers zu einer Veränderung des Bewertungsergebnisses führen. Auch die Bewertung etwaiger Netzverstärkungsmaßnahmen kann sich lohnen, da diese in Summe günstiger sein können als der Bau einer eigenen langen Kabeltrasse.

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