Nikolaus Starzacher gründete Discovergy im Jahr 2009 im Rahmen der Liberalisierung des Messstellenbetriebs. Der Geschäftsführer des IT-Unternehmens mit den beiden Standorten Aachen und Heidelberg hat bereits erfolgreich mehrere Unternehmen aus der Taufe gehoben. Dazu zählen das Strompreisvergleichsportal Verivox und das IT-Unternehmen Just Digits. Heute verfügt er über 25 Jahre Berufserfahrung, davon mehrere Jahre als Unternehmensberater bei der Mitchell Madison Group. Starzacher hat Mathematik und Philosophie in Oxford studiert.

Bild: Discovergy

Anreize für einen optimierten Energieverbrauch „Wenn wir gewusst hätten, dass erst 2020 der Rollout startet, hätten wir es vielleicht gelassen.“

17.09.2020

Stillstand ist Rückschritt: So könnte man die Devise von Discovergy beschreiben. Das 2009 gegründete Unternehmen sieht seine breite Aufstellung rund um das Zukunftsthema Smart Metering als großen Vorteil an.

Nikolaus Starzacher ist mit diesem Beitrag im Energy 4.0-Kompendium 2020 als einer von 50 Machern der Energiebranche vertreten. Alle Beiträge des Energy 4.0-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Man stelle sich folgende Szenarien vor: Der komplette Strompreis inklusive Netzentgelte und Steuern wäre soweit variabilisiert, dass quasi jeder Ortsnetztrafo ein eigenes Preissignal setzen könnte. Oder: Statt einer Waschmaschine kaufen Menschen in Zukunft „200 Waschgänge” oder allgemein „Saubere Wäsche”. Dazu stellt ihnen der Hersteller ein Gerät in den Keller. Beide Szenarien sind Zukunftsmusik, haben aber einen realen Ursprung. Das erste Beispiel ist ein Vorschlag von Nikolaus Starzacher, den er als Energieminister umsetzen würde. „So könnten nicht nur Bezug und Verbrauch in Echtzeit einbezogen werden, sondern beispielsweise auch Transportengpässe“, sagt der Gründer und CEO von Discovergy. Der Smart-Meter-Rollout käme dann nach seinen Überlegungen übrigens von ganz alleine, da man nur mit solchen Geräten von diesen Preisanreizen profitieren würde.

Geräteerkennung und Steuerung in Echtzeit

Das zweite Szenario ist noch näher an der Realität. Denn es ist das Anwendungsgebiet für den sogenannten SuperMeter, an dem das 2009 gegründete Unternehmen arbeitet. Dessen besondere Eigenschaft: Der Zähler soll die Geräteerkennung und Steuerung in Echtzeit ermöglichen. Laut Starzacher verschieben sich damit die Intentionen: „Der Hersteller und der Kunde haben dann beide ein gemeinsames Interesse daran, dass die Waschmaschine lang und problemfrei läuft.“ Sein Gespür für marktfähige Trends hat Starzacher schon vor Discovergy bewiesen. So war er auch an der Gründung des Vergleichsportals Verivox oder des IT-Unternehmens Just Digits beteiligt. Die großen Potenziale rund um die neue Infrastrukturkomponente Smart Meter hat der studierte Mathematiker und Philosoph früh erkannt und deshalb 2009 Discovergy gegründet. „Wir haben uns immer hohe Ziele gesteckt und den Mut gehabt, konsequent am Ball zu bleiben“, betont er. Allerdings gibt er auch zu: „Wenn wir beim Start gewusst hätten, dass der Rollout erst 2020 startet, hätten wir uns vielleicht nie in dieses Abenteuer gestürzt.“ Der Mut scheint sich gelohnt zu haben. Durch den langen Vorlauf habe man mit inzwischen über 60.000 Zählern und einem breiten Wertschöpfungs-Portfolio viele Dinge entwickeln können.

Heute sieht Starzacher das Alleinstellungsmerkmal seines Unternehmens darin, als Komplettanbieter für Smart-Metering sehr breit aufgestellt zu sein. Das Unternehmen hat nicht nur ein eigenes Smart Meter Gateway entwickelt, das aktuell noch nicht zertifiziert ist, sondern auch die dazugehörige Software und tritt zudem noch als Gateway Administrator und wettbewerblicher Messstellenbetreiber auf. Darüber hinaus umfasst das Angebot ein Webportal und eine App zur Visualisierung des Energieverbrauchs in Echtzeit und Speziallösungen für die Immobilienwirtschaft und den Telekommunikationssektor – beides Eigenentwicklungen, wie Starzacher betont.

Dennoch mahnt der Geschäftsführer: „Wir müssen unsere Prozesse effizienter gestalten.“ Trotz der nach seiner Wahrnehmung effizienteren Aufstellung als mancher Wettbewerber, sei es schließlich denkbar, dass ein großer Player in den Markt eintritt – mit noch deutlich effizienteren Strukturen. Mit den 60.000 Zählern im Markt habe man einerseits bereits einen guten Teil der Lernkurve durchschritten, andererseits stehe man noch ganz am Anfang von dieser. „Denn bislang bedienen wir erst ein Promille des Markts“, gibt Starzacher zu bedenken.

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