Flexibles Stromsystem scheitert in Deutschalnd

Fünf politische Hebel gegen den stockenden Smart‑Meter‑Rollout

Der fehlende Smart Meter bremst den Ausbau eines digitalen, flexiblen Stromsystems – 5 politische Maßnahmen sollen den Rollout beschleunigen.

Bild: Gemini, publish-industry
29.01.2026

Der langsame Smart-Meter-Rollout stellt einen zentralen Engpass der Energiewende dar. Um Digitalisierung, Flexibilität und Effizienz im Stromsystem zu ermöglichen, sind klare politische Prioritäten, einheitliche Vorgaben und faire Kostenregeln erforderlich.

Die deutsche Energiewende steht an einem entscheidenden Punkt. Es gibt genügend erneuerbare Energiequellen, technologieoffene Lösungen und eine starke Nachfrage nach Flexibilität. Was fehlt, ist ein funktionierender politischer Rahmen, der diese Zukunft gestaltet – insbesondere bei einer Grundvoraussetzung: dem Smart-Meter-Rollout. Der schleppende Einbau intelligenter Zähler ist schon lange kein technisches Detail mehr, sondern ein energiepolitischer Engpass. Er bremst die Effizienz, blockiert Fortschritt und verhindert, dass Verbraucherinnen und Verbraucher und Netze die Vorteile der Digitalisierung tatsächlich nutzen können.

Ein flexibles Stromsystem lebt davon, dass Strom genau dann genutzt wird, wenn er besonders günstig und grün ist. Dafür braucht es Smart Meter, die Verbrauchsdaten in kurzen Intervallen liefern und somit dynamische Tarife, Lastverschiebung oder intelligente Steuerung ermöglichen. Doch in Deutschland sind intelligente Messsysteme trotz gesetzlicher Vorgaben für einen Rollout bis 2032 nach wie vor nur für einen kleinen Teil der Haushalte Realität.

Politik und Behörden müssen jetzt Verantwortung übernehmen

Das Ziel muss darin bestehen, Smart Meter als grundlegende Infrastruktur für das digitale Stromsystem zu etablieren. Dies ist vergleichbar mit der Breitband- oder Mobilfunkversorgung. Das erfordert mehr Tempo, klare politische Prioritäten und ein regulatorisches Umfeld, das Fortschritt nicht ausbremst, sondern fördert.

Fünf politische Hebel für einen beschleunigten Smart-Meter-Rollout:

  1. Der freiwillige Einbau von Smart Metern muss für alle Haushalte möglich sein und das schnellstmöglich. Wer sich heute für einen intelligenten Stromzähler entscheidet, muss ihn ohne monatelange Wartezeit erhalten. Dafür muss der wettbewerbliche Messstellenbetrieb gesichert und gestärkt werden. Wettbewerbliche Messtellenbetreiber sind der Garant für innovative und kundenfreundliche Lösungen und schon heute ein entscheidender Treiber des Rollouts.

  2. Die Regierung muss Smart Meter Light als praktikable, kostengünstigere Alternative gesetzlich verankern. Dieser einfachere Zähler konzentriert sich auf die Kernfunktion – nämlich den Verbrauch messen und übermitteln – und entspricht europäischen Standards. So lässt sich der Rollout deutlich beschleunigen, Kosten senken und Zugang für alle Haushalte schaffen.

  3. Deutschland braucht bundesweit einheitliche Anforderungen und eine zentrale Datenplattform. Denn das Klein-Klein aus mehr als 800 Netz- und Messstellenbetreibern verhindert Innovationen und Digitalisierung und treibt Kosten nach oben. Einheitliche Anforderungen und Prozesse würden den Markt öffnen, Wettbewerb stärken und schneller zu flächendeckender Digitalisierung führen.

  4. Es braucht Kooperationen und mehr Transparenz. Derzeit werden nur die Einbauten der grundzuständigen Messstellenbetreiber erfasst. Künftig sollten auch Installationen von wettbewerblichen Anbietern registriert werden. Diese wachsen stark und können auch gMSB unterstützen, die beim Rollout hinterherhinken. Deshalb sollten die Einbauten von wMSB auf die Pflichtrolloutquoten angerechnet werden können.

  5. Die Bundesregierung muss die Kosten fair verteilen. Der regulatorische Rahmen muss so gestaltet werden, dass Anschaffungs- und Installationskosten keine Barriere darstellen. Insbesondere Haushalte mit geringem Verbrauch dürfen nicht ausgeschlossen werden. Auch sie müssen über Smart Meter Zugang zu dynamischen Tarifen, Verbrauchstransparenz und mehr Energieeffizienz erhalten, ohne unverhältnismäßige Mehrkosten.

Transparenz und Vergleichbarkeit durch die Smart‑Meter‑Initiative

Octopus Energy übernimmt als Unternehmen Verantwortung und treibt Flexibilität dort voran, wo es heute schon möglich ist. Die konsequente Ausrichtung von Octopus Energy auf dynamische Tarife und digitale Lösungen hat die Befähigung der Verbraucherinnen und Verbraucher zum Ziel, eine aktive Anpassung ihres Stromverbrauchs an das Angebot erneuerbarer Energien zu realisieren. In Pilotprojekten mit Messstellen- und Netzbetreibern zeigt das Unternehmen, wie es geht, und setzen uns für pragmatische Modelle ein, um den Smart-Meter-Einbau auch außerhalb klassischer Pflichteinbaufälle zu ermöglichen. Ein Beispiel hierfür sind Liegenschaftsmodelle für Mehrfamilienhäuser und die 1:n-Lösung (one-to-network), bei der mehrere Zähler an ein einziges Smart-Meter-Gateway geknüpft sind. Das senkt die Kosten und vereinfacht den Rollout.

Darüber hinaus engagiert sich Octopus Energy gemeinsam mit anderen digitalen Energieanbietern in der Smart-Meter-Initiative, um den Rollout transparenter und schneller zu gestalten. Mit dem Smart-Meter-Atlas schaffen wir erstmals eine öffentlich zugängliche Übersicht über den Fortschritt des Pflichtrollouts in allen deutschen Netzgebieten. Ziel ist es, regionale Unterschiede sichtbar zu machen, gute Beispiele hervorzuheben und klar zu benennen, wo der Rollout stockt. Denn nur, wenn offen und nachvollziehbar ist, wie einzelne Messstellenbetreiber vorankommen, kann gezielt gesteuert, verbessert und beschleunigt werden.

Diese Maßnahmen sind nicht hoch akademisch, sondern politisch umsetzbar und dringend notwendig. Wenn Deutschland die Energiewende ernst meint, muss es jetzt den Turbo beim Smart-Meter-Rollout zünden. Ein modernes Stromsystem entsteht nicht von allein. Es braucht mutige Entscheidungen, klare Rahmenbedingungen und das Vertrauen, dass die Digitalisierung kein Nachteil, sondern ein Vorteil für alle ist. Nur so erreicht Deutschland stabile Netze, faire Preise und echte Teilhabe an der Energiewende für alle Haushalte.

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