Der Stromspeicheranbieter Varta sieht sich schwierigen Zeiten gegenüber.

Bild: Varta

Wirtschaftliche Herausforderungen Varta beschließt Maßnahmen zur Kostensenkung

21.11.2022

Der Batteriekonzern Varta hat seinen Quartalsbericht für die ersten neun Monate von 2022 vorgelegt. Aus ihm geht hervor, dass die Umsätze des Unternehmens deutlich gesunken sind, vor allem durch steigenden Energie- und Rohstoffpreise sowie die Lieferengpässe bei Halbleitern. Um den Herausforderungen zu begegnen, nimmt der Konzern personelle und fertigungstechnische Anpassungen vor.

Die herausfordernde wirtschaftliche Lage für den Batterieanbieter Varta hält an. Das Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Ellwangen verzeichnet für die ersten neun Monate des Geschäftsjahrs 2022 einen Umsatzrückgang von 622,3 Millionen auf 570,7 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) ist von 182,5 Millionen auf 66,4 Millionen Euro gesunken. Globale Krisen mit den daraus resultierenden steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, pandemiebedingte Produktionsunterbrechungen auf Kundenseite, geringe Verfügbarkeit von Halbleitern sowie negative Konsumentwicklungen belasten das Unternehmen.

In Reaktion darauf hat der Varta-Vorstand ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Kostensenkung und Profitabilitätssteigerung gestartet und arbeitet an weiteren Lösungskonzepten. Der Fabrikneubau für die Rundzelle/V4Drive wird nun etwa erst nach verbindlichen Kundenzusagen fortgesetzt. Der Betrieb der ersten Serienfertigungsanlage hingegen erfolgt planmäßig, um die OEM-Vereinbarung mit einem Premium-Automobilhersteller einzuhalten.

Rückgänge bei Lithium-Ionen-Batterien

Die aktuell schwierige Wirtschaftssituation beeinträchtigt vor allem die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien. Varta setzt deshalb in dem besonders betroffenen Bereich „Lithium-Ion CoinPower“ temporär Kurzarbeit am Produktionsstandort Nördlingen ein. Das Unternehmen stellt sich damit auf Auslastungsschwankungen ein, kann aber jederzeit und kurzfristig die Produktionskapazität wieder hochfahren.

„Die Unternehmenssituation ist nach wie vor herausfordernd in einem für uns alle angespannten wirtschaftlichen Umfeld“, sagt Dr. Markus Hackstein, Sprecher des Varta-Vorstands. „Umfangreiche Lösungskonzepte und Maßnahmen sollen Varta für die wichtigen Zukunftsmärkte richtig positionieren. Ein klarer Fokus ist dabei der Wachstumsmarkt der Energiespeicherlösungen. Hier stellen wir uns stark auf, um die ungebrochen hohe Nachfrage bedienen zu können.“

Kapazitätsanpassungen in Produktion und Personalbereich

Der Umsatz im Segment „Lithium-Ion Solutions & Microbatteries“ liegt zum dritten Quartal bei 274,2 Millionen Euro, was einem Umsatzrückgang von 25,1 Prozent entspricht. Die schwierige Wirtschaftssituation und die Zurückhaltung bei Konsumenten beeinträchtigt die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien für True Wireless Stereo Headsets (TWS) im Bereich Lithium-Ion CoinPower.

Varta reagiert hier mit einem Aktionspaket zur Kostensenkung, das Kapazitätsanpassungen in der Produktion und Maßnahmen im Personalbereich enthält. Auch hier sollen sich die Kapazitäten aber jederzeit kurzfristig wieder hochfahren lassen. Die Produktion für die im zweiten Halbjahr 2022 erwarteten Neuprodukteinführungen ist angelaufen, allerdings mit einem gegenüber den ursprünglichen Planungen deutlich reduzierten Volumen.

Hohe Nachfrage bei Heimspeicherlösungen

Das Segment „Household Batteries“ umfasst das Geschäft der Konsumentenbatterien und der Energiespeicherlösungen. Der Umsatz in diesem Bereich ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 256,5 Millionen Euro auf 296,5 Millionen Euro gestiegen. Dies entspricht einem Umsatzwachstum von 15,6 Prozent. Die erfreuliche Entwicklung ist laut Varta vor allem auf das hohe Wachstum im Geschäftsbereich „Energy Storage Systems“ zurückzuführen.

Das bereinigte EBITDA ist von 42,1 Millionen Euro auf 15,9 Millionen Euro gesunken (-62,1 Prozent). Negativ haben sich der sehr deutliche Anstieg der Rohstoffpreise sowie die hohen zusätzlichen Energiekosten ausgewirkt. Diese Kostensteigerungen konnten nur teilweise an die Kunden weitergegeben werden.

Auswirkungen des Ukraine-Konflikts

Während der direkte Einfluss durch den Krieg in der Ukraine auf das Unternehmen gering ist, ist Varta indirekt stark betroffen. Als Folge des Kriegsausbruchs sind Rohstoff- und Energiekosten stark angestiegen, und es ist nicht abschätzbar, wie lange diese gestiegenen Preise anhalten oder ob sie sogar noch weiter steigen werden. Das Unternehmen gibt Kostensteigerungen zumindest teilweise über Preiserhöhungen an Kunden weiter. Dies erfolgt jedoch mit zeitlicher Verzögerung und in Abhängigkeit von der Markt- beziehungsweise Konkurrenzsituation. Zur Optimierung des operativen Cashflows wird ein Abbau des Lagerbestandes angestrebt.

Prognose für das Geschäftsjahr 2022 und 2023

In Anbetracht der vielfältigen Risiken und Unsicherheiten erwartet Varta für das Geschäftsjahr 2022 einen Konzernumsatz von 805 Millionen bis 820 Millionen Euro (2021: 902,9 Millionen Euro). Das bereinigte operative Ergebnis soll in 2022 zwischen 55 Millionen und 60 Millionen Euro und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 282,9 Millionen Euro liegen.

Für das Geschäftsjahr 2023 rechnet der Vorstand mit einem Umsatz zwischen 850 Millionen und 880 Millionen Euro und geht von einem bereinigten EBITDA von 90 Millionen bis 110 Millionen Euro aus. Diese Prognose basiert auf der Annahme, dass die herausfordernde wirtschaftliche Lage und globalen Krisen auch im Jahr 2023 fortbestehen werden, mit entsprechend negativen Folgen für Kosten, Lieferketten und Konsumentennachfrage.

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