„Die Opportunitäten im Flexibilitätsmarkt müssen genutzt werden!“

Die Zukunft von Batteriespeicher

publish-industry Verlag GmbH

Im Interview erklärt Nils Beenen Managing Director bei Uniper Energy Sales, wie Batteriespeicherprojekte durch Machbarkeitsstudien, eine geeignete Auslegung und Vermarktungsstrategien gegen regulatorische und wirtschaftliche Risiken abgesichert werden können.

Bild: Uniper
11.03.2026

Batteriespeicher haben die Hype-Phase hinter sich gelassen und werden für die Industrie zur strategischen Notwendigkeit. Sie sichern die Versorgung, schaffen Resilienz gegen Netzschwankungen und federn teure Lastspitzen ab. Doch die Investition birgt auch Risiken bei Regulierung und Technik. Nils Beenen, Managing Director bei Uniper Energy Sales, erklärt im Interview, wie Unternehmen mit Machbarkeitsstudien und klugen Vermarktungsstrategien auf der sicheren Seite sind.

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Herr Nils Beenen, warum sind Batteriespeicher gerade jetzt eine langfristige, strategische Investition?

Wir beobachten seit Jahren sehr genau, welche Rolle Flexibilität im Energiesystem künftig spielen wird. Der Markt für Batteriespeicher hat die Phase des reinen Hypes hinter sich gelassen und befindet sich zunehmend in einer Phase struktureller Etablierung: Gerade jetzt werden Batteriespeicher als langfristige strategische Investition gesehen, weil sie insbesondere in Kombination mit PPA dazu beitragen, erneuerbare Energien systemdienlich in den Markt zu integrieren, Preisvolatilität abzufedern und die Dekarbonisierung voranzutreiben. Wir begleiten diese Entwicklung und engagieren uns dort, wo flexible Lösungen einen echten Mehrwert für das Energiesystem schaffen. Für mich persönlich zeigt sich: Batteriespeicher sind nicht länger ein Zukunftsthema – sie verändern bereits heute, wie wir Energie denken und einsetzen.

Welche strategischen Vorteile bieten Behind-the-Meter-Speicher für die Industrie über die reinen Kosteneinsparungen hinaus?

Was wir in der Industrie spüren, ist ein echtes Bedürfnis nach Verlässlichkeit. Ein ungeplanter Ausfall ist nicht nur teuer – er ist stressig. Behind-the-Meter-Speicher ermöglichen neben Kosteneinsparungen auch eine höhere Resilienz gegen Netzschwankungen, da sie Lastspitzen abfedern und bei Störungen kurzfristig Energie bereitstellen können. Sie verbessern zudem die Integration eigener erneuerbarer Erzeugungsanlagen und stabilisieren durch ein optimiertes Lade- und Entlademanagement interne Produktionsprozesse.

Welches sind die größten Geschäftsrisiken bei Speicherprojekten – und wie begegnet man ihnen als 
Unternehmen?

Zu den wesentlichen Risiken zählen regulatorische Änderungen und Fehleinschätzungen bei der technischen Auslegung. Auch unzureichend geprüfte Netzanschlussbedingungen oder unrealistische Annahmen zur Marktpreisentwicklung gehören dazu. Unternehmen können diesen Risiken mit fundierten Machbarkeitsstudien, wie wir sie anbieten, einer diversifizierten Vermarktungsstrategie und langfristigen Partnerschaften begegnen.

Für welche Unternehmen ist es die bessere Strategie, die Vermarktung über Tolling-Modelle an Experten abzugeben?

In vielen Kundengesprächen hören wir ganz klar: Wir wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren und keine eigenen Handelsrisiken managen. Genau hier setzen Tolling‑Modelle an. Sie eignen sich insbesondere für Unternehmen, die nicht über eigene Handels- oder Vermarktungskompetenz verfügen oder Preis- und Marktpreisrisiken bewusst auslagern möchten. Auch für Investoren mit langfristigem, risikoaversen Anlagefokus bieten sie planbare, stabile Erlösstrukturen. Durch die Übergabe an spezialisierte Anbieter wird die Anlage über sämtliche relevanten Marktkanäle hinweg optimiert, von Netzdienstleistungen bis zur Teilnahme an Großhandelsmärkten. Gleichzeitig profitieren Unternehmen vom Marktzugang und Know-how erfahrener Vermarkter, was Transparenz schafft und die Finanzierung größerer Speicherprojekte erleichtert. Wir begleiten unsere Kunden von der Analyse bis zur Anlagenoptimierung. Eine Win-win-Struktur für beide Parteien.

Die Wahl zwischen Zwei-Stunden- und Vier-Stunden-Speichern: Ist das vereinfacht die Entscheidung zwischen kurzfristigem Gewinn und langfristiger Stabilität?

Vereinfacht betrachtet kann dies zutreffen, es greift jedoch zu kurz. Zwei-Stunden-Systeme nutzen vor allem kurzfristige Preissignale im Day-Ahead- und Intraday-Handel, während Vier-Stunden-Systeme Erlöse über längere Zeiträume erschließen. Durch den Zubau weiterer PV-Leistung in Deutschland kann davon ausgegangen werden, dass größere Speichersysteme (vier Stunden oder höher) in Zukunft an Relevanz gewinnen werden. Letztlich ist die Auslegung eine strategische Entscheidung, die Standortfaktoren, Vermarktungsstrategien, Risikoprofil sowie zukünftige Markt- und Regulierungstrends berücksichtigen muss.

Warum ist eine Machbarkeitsstudie der entscheidende erste Schritt und welche typischen, teuren Fehler 
vermeidet sie?

Für manche Kunden ist das Thema Speicher anfangs abstrakt. Aber sobald wir gemeinsam erste Szenarien durchgehen, sehen sie sofort, wie konkret der Nutzen wird. Eine Machbarkeitsstudie zeigt auf, welche Speichertechnologie am besten geeignet ist und welche Kapazitäten erforderlich sind. Zudem bewertet sie wirtschaftlich tragfähige Markt- und Erlösmodelle sowie die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, prüft die Verfügbarkeit von Lieferanten und vergleicht szenariobasiert verschiedene Konfigurationen und Fahrweisen von Batteriespeichersystemen. Falsche Anlagedimensionen, unrealistische Erlöse oder nachträgliche Genehmigungsprobleme werden damit vermieden. Das Ergebnis: eine klare Handlungsempfehlung inklusive Business Case, auf deren Basis eine effiziente und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung getroffen werden kann.

Engpässe beim Netzanschluss: Welches strategische Risiko gehen Unternehmen ein, die jetzt mit ihrer Investition zögern?

Netzanschlusskapazitäten sind in vielen Regionen begrenzt und werden nach dem Prinzip „first come, first served“ vergeben. Unternehmen, die Investitionsentscheidungen hinauszögern, riskieren längere Wartezeiten oder zusätzliche Kosten für Netzverstärkungen. Dadurch können Projekte wirtschaftlich weniger attraktiv oder zeitlich deutlich verzögert werden. Zudem verlieren sie potenzielle Marktchancen in einer Phase dynamischer Erlösprognosen, daher ist eine frühzeitige Sicherung von Netzkapazitäten ein strategischer Vorteil. Am Ende des Tages geht es nicht nur um Technik. Es geht darum, gemeinsam mit unseren Kunden ein wirtschaftliches, wettbewerbsfähiges und zukunftsträchtiges Energiekonzept umzusetzen.

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