Deutschland im Speicherhochlauf

Resilienz, Unabhängigkeit, Energiewende: Batteriespeicher im Wandel der Zeit

Der Tag der Batterie zeigt, wie weit wir gekommen sind: von Voltas einfacher Zelle zu komplexen Speichersystemen, die das Rückgrat der Energiewende bilden.

Bild: iStock, sommart
13.02.2026

Im Jahre 1800 wurde sie erfunden und hat an Wichtigkeit nur hinzugewonnen: Die Batterie. Als zentraler Baustein der Energiewende ermöglicht sie nun die standortunabhängige Energieversorgung und stärkt die Versorgungssicherheit. Anlässlich des Internationalen Tags der Batterie am 18. Februar, wirft Hannes Schneider, Senior Technical Solution Engineer beim Batterieanalytik-Spezialisten TWAICE, einen Blick auf den stark wachsenden deutschen Speichermarkt. Er zeigt, warum künftig nicht nur die Zelltechnologie, sondern auch Datenkompetenz über die Wirtschaftlichkeit, Risikosteuerung und Skalierbarkeit großer Batteriespeicher für den Ausbau tragfähiger Infrastrukturen hierzulande maßgeblich ist.

Am 18. Februar ist der Internationale Tag der Batterie. Dieser Jahrestag gedenkt Alessandro Voltas bahnbrechender Erfindung. Heute ist die Batterie längst nicht mehr nur Energiespeicher für Geräte oder Fahrzeuge, sondern zum zentralen Baustein der Energiewende geworden. Sie eröffnet Chancen für eine standortunabhängige Energieversorgung – von abgelegenen Regionen bis hin zu kritischen Infrastrukturen – und stärkt die Versorgungssicherheit in Zeiten volatiler Märkte.

Besonders Batteriespeicher (BESS) gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung: Sie stabilisieren Netze, ermöglichen die Integration erneuerbarer Energien und eröffnen neue Geschäftsmodelle. Und der deutsche Markt für Batteriespeicher wächst rasant. Modo Energy zufolge lag Ende 2022 die installierte Kapazität von Großspeichern bei knapp 1,1 GWh, 2025 wurde die Marke von 2 GWh Kapazität überschritten und für 2026 erwarten die Branchenanalysen einen weiteren Sprung auf etwa 10,2 GWh.

Deutschland im Speicherhochlauf

In Deutschland wird der Ausbau von Batteriespeichern massiv vorangetrieben – sowohl durch neue Speicherparks als auch durch Investitionen in die Produktion von Batteriezellen. Werke wie die Gigafactory in Salzgitter sollen die europäische Wertschöpfungskette stärken, die Abhängigkeit von Importen verringern und so die Versorgungssicherheit erhöhen. Batteriespeicher ermöglichen zudem eine lokale Energieautonomie, indem sie Strom dort verfügbar machen, wo er gebraucht wird – unabhängig von zentralen Kraftwerken oder Netzengpässen.

Parallel gehen immer größere Speicherprojekte ans Netz. Diese stärken nicht nur die Energiewende, sondern auch die Resilienz und Standortunabhängigkeit: Sie sichern Regionen gegen Netzschwankungen ab, ermöglichen eine lokale Energieversorgung und machen kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Rechenzentren oder Industrieparks weniger abhängig von zentralen Stromquellen.

Gleichzeitig verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Mit dem Ausbau von Batteriespeichern teilt sich das bisherige Erlöspotenzial auf mehrere Marktteilnehmer auf. Dadurch sinken die Preisunterschiede zwischen günstigen und teuren Stromstunden (Spreads), was die möglichen Markterlöse aus dem freien Handel reduziert. Ab 2026 verändern zudem neue Regulierungsimpulse die Wirtschaftlichkeit von Speichern – die Bundesnetzagentur plant das Abschmelzen bestimmter Netzentgeltprivilegien bis zum vollständigen Auslauf ab 2029, während sich zusätzliche Erlöspfade über die marktbasierte Beschaffung von Blindleistung durch die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) öffnen. Damit steigen auch die Anforderungen an Planung und Betrieb: Wer Speicher künftig profitabel betreiben will, muss regulatorische Vorgaben, technische Nachweisbarkeit und Marktanpassung intelligent zusammenbringen.

Warum Analytik entscheidend ist

Die spannendste Veränderung im BESS-Betrieb ist der Übergang von der traditionellen Datenerfassung, -bereinigung und -analyse hin zu einem KI-basierten Ansatz für die Wartung und die Zustands- und Anlagenüberwachung von BESS. Das ist besonders relevant, weil Batteriespeicher komplexe Systeme sind. Anders als Photovoltaikanlagen, die weitgehend passiv arbeiten, reagieren Speicher aktiv auf Netzsignale, steuern Lasten und altern mit jedem Zyklus. Diese Dynamik macht eine Steuerung mit präzisen Daten unverzichtbar.

Datenanalyse ist der Schlüssel, um aus Millionen von rohen Datenpunkten, etwa von Zellspannungen über Temperaturen bis hin zu Steuerungsparametern, verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen. Sie ermöglicht es, die Lebensdauer gezielt zu optimieren, indem Alterungsprozesse vorhergesagt und Betriebsstrategien angepasst werden. Jede Lade- und Entladeentscheidung beeinflusst die Degradation der Batterie. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann die nutzbare Kapazität und damit auch die Wirtschaftlichkeit über Jahre hin verbessern. Ohne Analytik würde der Speicher zum Blindflug werden und Potenzial in einem eng kalkulierten Markt verschenken.

Wirtschaftliche Perspektive: Mehr Ertrag durch Wissen

Der wirtschaftliche Erfolg von Batteriespeichern hängt nicht allein von der Hardware ab, sondern von der Fähigkeit, sie passend zu nutzen. In Deutschland entstehen Erlöse vor allem dort, wo Preisschwankungen und Systemdienstleistungen zusammenkommen. Speicher puffern Überschüsse und verkaufen Strom, wenn die Preise steigen. Sie können am Regelenergiemarkt teilnehmen und zusätzliche Einnahmen generieren. Co-Location, die Kombination von PV-Anlagen und Batteriespeichern, eröffnet weitere Chancen, indem sie Netzanschluss-Hürden mindert und die Wirtschaftlichkeit von Solarprojekten steigert. Immer wichtiger wird dabei das sogenannte Revenue Stacking: Betreiber kombinieren mehrere Erlösquellen, etwa Arbitrage im Day-Ahead- und Intraday-Markt, Teilnahme am Regelenergiemarkt, sowie neue Vergütungen für Blindleistungsbereitstellung, um die Wirtschaftlichkeit zu maximieren.

Diese Strategien funktionieren nur, wenn Betreiber ihre Systeme genau kennen. Batteriegroßspeicher bestehen heute aus Hunderttausenden von Komponenten, die gemeinsam zur Performance des Gesamtsystems beitragen. Entscheidend ist, dass dieses Zusammenspiel reibungslos funktioniert und Abweichungen schnell sowie präzise erkannt werden.

Bereits kleinste Ungenauigkeiten in der Leistungs- oder Energiebestimmung können dabei über Gewinn oder Verlust entscheiden. Auch ein Blick auf steigende ESG- und Transparenzanforderungen lohnt sich: Die EU-Batterieverordnung (2023/1542) macht unter anderem CO2-Fußabdruck-Nachweise und einen digitalen Batteriepass ab 2027 verbindlich. Für Projekte bedeutet das: Daten und Nachweise sind ein Wettbewerbsvorteil bei Finanzierung, Versicherung und Vermarktung. Somit sorgt Analytik dafür, dass Speicher nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich optimal genutzt werden können.

Von Voltas Vision zur digitalen Dimension

Der Tag der Batterie zeigt, wie weit wir gekommen sind: von Voltas einfacher Zelle zu komplexen Speichersystemen. Mit dem Ausbau von Speicherparks und neuen Technologien wie Natrium-Ionen- oder Feststoffbatterien steigt die Komplexität weiter. Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen: Neue Marktmechanismen und Vergütungsmodelle entstehen, zusätzliche Anforderungen wie Blindleistungsbereitstellung kommen hinzu.

Eines wird deutlich: Batteriespeicher sind nicht nur technischer Fortschritt, sondern ein Garant für Standortunabhängigkeit und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig eröffnen sie ein attraktives Investitions- und Geschäftsfeld. Sie machen Energie dort verfügbar, wo sie gebraucht wird, unabhängig von zentralen Kraftwerken oder Netzengpässen. Damit diese Autonomie funktioniert, braucht es Datenkompetenz und Analytik. Sie sind die Grundlage für Betrieb und Investitionssicherheit, verwandeln Daten in Entscheidungen, optimieren Leistung und schaffen Vertrauen. Nur so lassen sich komplexe Großspeichersysteme realisieren und die wachsende Komplexität beherrschen.

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