Die wirtschaftliche Diskrepanz zwischen Netzbezug und Eigenversorgung definiert derzeit die Energiestrategie im gewerblichen und industriellen Sektor (C&I): Während der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) für deutsche Industriekunden aktuelle Strompreise von rund 14 bis 16 Cent/kWh ausweist, beziffert das Fraunhofer ISE die Gestehungskosten für großskalige PV-Dachanlagen auf 5,6 bis 12 Cent/kWh. Dass die Photovoltaik zum Rückgrat der deutschen Energieversorgung avanciert ist, belegen Daten der Bundesnetzagentur: Mit einem Anteil von rund 18 Prozent am Strommix hat sie im Jahr 2025 erstmals fossile Energieträger wie Erdgas und Braunkohle überholt.
Getrieben von diesem Marktwachstum rückt nun auch für Unternehmen die systemische Integration in den strategischen Fokus: Erst die Kombination aus leistungsfähigen Speichern und intelligentem Lastmanagement ermöglicht es, die günstigen Erzeugungsspitzen präzise mit industriellen Lastprofilen zu synchronisieren und langfristige Planungssicherheit zu schaffen. Die Intersolar Europe präsentiert vom 23. bis 25. Juni 2026 auf der Messe München die wegweisenden Lösungen für diese Anforderungen. Als Fachmesse für die Solarwirtschaft zeigt sie im Rahmen von The smarter E Europe, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft, die neuesten Technologien und Geschäftsmodelle für den C&I-Sektor. Rund 2.800 Aussteller präsentieren ihre Innovationen, und die Veranstalter erwarten mehr als 100.000 Besucher.
Von der Kostensenkung zur Netzstabilität: Vorteile für Industrie
Von der signifikanten Senkung der Betriebskosten über die Reduktion von Netzentgelten bis hin zur präzisen Steuerung des eigenen Lastprofils – Solarlösungen bieten für Industrie und Gewerbe (C&I) zahlreiche Vorteile. Unternehmen sind damit in der Lage, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und einen Beitrag zur Netzstabilität zu leisten. PV-Anlagen können beispielsweise auf Fabrikhallen, Bürogebäuden, Lagerhallen oder Carports installiert und intelligent mit Batteriespeichern, Ladesäulen oder Wärmeerzeugern kombiniert werden.
Technologische Innovationen beschleunigen diese Entwicklung. Moderne, flache, leichte und rahmenlose Module mit Siliziumzellen sparen bis zu 70 Prozent Gewicht ein und ermöglichen die Nutzung von Dächern, die aufgrund geringer Traglast bisher ungenutzt blieben. Ein weiterer Trend ist, dass Wechselrichter und Batteriespeicher funktional und technisch immer mehr zusammenwachsen. Das erhöht die Effizienz der Anlagen und gewährleistet eine sichere Energieversorgung. Wer den Solarstrom darüber hinaus direkt für thermische Prozesse und die eigene E-Flotte nutzt, maximiert den Eigenverbrauch und damit die Gesamtrendite der Investition.
EU setzt den Takt: Solarpflicht ab 2027 wird Realität
Das Marktwachstum für gewerbliche Solaranlagen wird in den kommenden Jahren durch regulatorische Vorgaben massiv forciert. Die Europäische Union (EU) hat hierfür mit der Neufassung der Gebäuderichtlinie (EPBD) den entscheidenden Rahmen gesetzt. Ziel ist es, den Gebäudebestand schrittweise „solar-ready“ zu machen. Die Richtlinie sieht einen verbindlichen Zeitplan vor. Ab 2027 greift die Solarpflicht für alle neuen öffentlichen Gebäude und Nichtwohngebäude mit einer Fläche über 250 m2. Ab 2028 folgen bestehende Nichtwohngebäude bei größeren Sanierungen und ab 2030 sämtliche neuen Wohngebäude sowie angrenzende überdachte Parkflächen.
In Deutschland führt diese europäische Vorgabe zwingend zu einer Anpassung des nationalen Rechts, die bis spätestens Mai 2026 erfolgen muss. Bisher gleicht die Rechtslage einem Flickenteppich, da die Gesetzgebungskompetenz weitgehend bei den Bundesländern liegt. Während Länder wie Baden-Württemberg, Bayern oder Hamburg bereits weitreichende Installationspflichten für gewerbliche Neubauten und teils auch für Dachsanierungen im Bestand verankert haben, beschränken sich andere Bundesländer noch auf öffentliche Liegenschaften oder befinden sich in der Planungsphase.
Vom Abstellplatz zur Energiequelle
Neben Dachflächen rücken zunehmend auch versiegelte Flächen in den Fokus. Die Kombination aus E-Mobilität und Solar-Carports entwickelt sich dabei zum zentralen Treiber für das C&I-Segment. Frankreich nimmt auf diesem Gebiet eine Pionierrolle ein. Das bereits 2023 in Kraft getretene APER-Gesetz verpflichtet Betreiber von Außenparkplätzen mit einer Fläche ab 1.500 m2, mindestens die Hälfte der Fläche mit PV-Anlagen zu überdachen. Seit einer Gesetzesanpassung im Jahr 2025 sind zudem Mischlösungen mit Begrünung oder gleichwertiger regenerativer Erzeugung zulässig.
In Deutschland folgen die Bundesländer diesem Trend mit Nachdruck. Zahlreiche Landesbauordnungen schreiben bereits heute Solar-Carports für neu errichtete Großparkplätze mit meist 25 bis 50 Stellplätzen vor. Diese Regelungen verfolgen das Ziel, zusätzliche Erzeugungskapazitäten ohne weiteren Flächenverbrauch zu erschließen und gleichzeitig Witterungsschutz für Fahrzeugflotten zu bieten. Für die Solarbranche eröffnet sich dadurch ein beträchtlicher Markt auf Handels-, Logistik- und Unternehmensparkplätzen.
Praxis trifft Expertise auf der Intersolar Europe
Auf der Intersolar Europe stehen marktreife Technologien und neue Geschäftsmodelle für den Gewerbe- und Industriesektor im Fokus. Den Auftakt bildet die Intersolar Europe Conference, die einen Tag vor Messebeginn startet. In dedizierten Sessions analysieren Experten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und technischen Anforderungen für großskalige PV-Projekte. Begleitend zur Fachmesse bietet das Intersolar Forum (Halle A3) am 23. Juni praxisnahe Einblicke in die Synergien aus PV, Speichern und Flottenmanagement.
Am 25. Juni vertieft die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) spezifische C&I-Anwendungen. Zusätzlich demonstriert die Sonderschau „Renewables 24/7“ (Halle C5), wie die intelligente Vernetzung von Erzeugung, Speicherung und Lastmanagement den Eigenverbrauch in Gewerbe und Industrie verbessert. Besucher erleben hier, wie integrierte Systeme die Versorgungssicherheit garantieren und über die Sektorkopplung neue Erlösquellen erschließen.
Die Intersolar Europe sowie die Parallelveranstaltungen ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe finden vom 23. bis 25. Juni 2026 im Rahmen von The smarter E Europe, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft, auf der Messe München statt.