Das deutsche Gasnetz ist ein leistungsfähiger und kosteneffizienter Bestandteil der Energieinfrastruktur. Dies unterstreicht eine neue Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI), die im Auftrag des Verbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft erstellt wurde. Unter dem Titel „Ausgaben für das Gassystem in Deutschland – Eine Analyse der historischen Entwicklung“ hat das EWI die Ausgaben im deutschen Gassystem von 2010 bis 2024 untersucht.
Gasnetz bleibt stabiles Fundament
Bei der Bewertung des Gassystems muss zwischen der Entwicklung einzelner Ausgabenbestandteile und der langfristigen Rolle der Infrastruktur unterschieden werden. Denn die Zahlen des EWI machen deutlich: Während die Gesamtausgaben im Gassystem seit der Energiekrise deutlich höheren Schwankungen unterlagen, blieben die netzbezogenen Ausgaben über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg real weitgehend stabil. Das Gasnetz erweist sich somit als verlässlicher und kosteneffizienter Bestandteil der Energieversorgung.
„Die Studie zeigt: Das Gasnetz ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung“, sagt Dr. Timm Kehler, Vorstand von Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. „Es ist leistungsfähig, vorhanden und für klimaneutrale Gase nutzbar. Genau deshalb gehört es in die Energie- und Wärmeplanung der kommenden Jahre – als Infrastruktur, die Versorgungssicherheit stärkt, Transformationsoptionen offenhält und Kosten begrenzt.“
Die Netzkosten im Vergleich: Sieben Mal günstiger als Strom
In der EWI-Studie werden die Ausgaben für das deutsche Gassystem nach ihrem Zweck und nach der leistenden Entität bilanziert. Betrachtet werden unter anderem die Bereiche Beschaffung und Vertrieb, netzbezogene Ausgaben, Abgaben, Umlagen sowie öffentliche Mittel. Damit liefert die Analyse eine transparente Einordnung der Ausgabenentwicklung und der Rolle des Netzes dabei.
Zentraler Befund: Die realen Ausgaben für das Gasnetz blieben im Betrachtungszeitraum mit rund 1,1 bis 1,2 Cent pro KWh stabil. Das Netz bildet somit einen konstanten Ausgabenblock innerhalb des Gassystems. Öffentliche Mittel wurden in der Krise vor allem zur Stabilisierung der Versorgung und zur Entlastung eingesetzt und nicht für den laufenden Netzbetrieb verwendet.
Ein Vergleich mit einer Anfang 2026 veröffentlichten EWI-Analyse zu den Ausgaben im Stromsystem verdeutlicht die Infrastrukturleistung des Gasnetzes: Im Jahr 2024 transportierte das Gasnetz etwa die 1,7-fache Energiemenge des Stromsystems, während die netzbezogenen Ausgaben nur rund ein Siebtel der entsprechenden Ausgaben im Stromsystem ausmachten. Das zeigt: Das Gasnetz verbindet hohe Transportleistung mit vergleichsweise niedrigen Infrastrukturkosten.
Aktuelle Veränderungen bei Gasnetzentgelten sind deshalb nicht mit einer strukturellen Kostensteigerung des Netzes gleichzusetzen. Sie hängen wesentlich mit regulatorischen Vorgaben und der Neuordnung von Abschreibungszeiträumen zusammen. Mit KANU 2.0 werden die künftigen Kosten in die Gegenwart vorgezogen, um die Restkosten bis zum Jahr 2045 fairer zu verteilen und spätere Kostensprünge für eine dann möglicherweise kleinere Kundengruppe zu vermeiden.
Transformation braucht Infrastruktur
Für die Energiewende ist diese Differenzierung von entscheidender Bedeutung. Das bestehende Gasnetz versorgt aktuell Haushalte, Gewerbe, Industrie und Kraftwerke mit großen Energiemengen. Perspektivisch kann es auch für Wasserstoff, Biomethan und andere klimaneutrale Gase genutzt werden.
Ein vorschneller Rückbau oder die politisch motivierte Stilllegung von Netzabschnitten würde daher erhebliche Risiken schaffen. Die vorhandene Infrastruktur ist leistungsfähig und in weiten Teilen bereits bezahlt. Entscheidend ist jetzt, sie anhand der tatsächlichen Bedarfe vor Ort weiterzuentwickeln. Wo Wasserstoff, Biomethan, Speicheranbindung oder industrielle Versorgung benötigt werden, muss das Gas- und künftige Wasserstoffnetz systematisch in Energie- und Wärmeplanungen einbezogen werden.
„Die Transformation braucht keine Infrastrukturdebatte nach dem Entweder-oder-Prinzip“, so Kehler. „Strom-, Gas- und Wasserstoffnetze müssen dort eingesetzt werden, wo sie ihre jeweiligen Stärken haben. Für Kommunen, Industrie und Kraftwerke bleibt gasförmige Energie auch in einem klimaneutralen Energiesystem relevant. Deshalb sollte bestehende Infrastruktur erst bewertet, dann weiterentwickelt – und nicht vorschnell auf-gegeben werden.“