Der viertägige Stromausfall in einem Teil Berlins im Januar hat Fragen zur Sicherheit unserer Stromversorgung aufgeworfen. Der Landesverband Erneuerbare Energien Mecklenburg-Vorpommern (LEE MV) ordnet die aktuelle Diskussion gemeinsam mit dem regionalen Netzbetreiber Wemag Netz sachlich ein. „Stromausfälle machen uns bewusst, wie abhängig unser moderner Alltag von einer funktionierenden Energieversorgung ist. Gerade deshalb ist es wichtig, solche Ereignisse sachlich einzuordnen und nicht zu dramatisieren“, meint Christian Pegel, Minister für Inneres und Bau des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Stromausfall als Weckruf
Die Stromversorgung ist eine Lebensader für unseren Alltag. In Deutschland wie weltweit steigt der Bedarf an elektrischem Strom weiter. Fast alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche sind auf eine stabile Stromversorgung angewiesen. Auch zentrale Infrastrukturen wie die Gas- oder Wasserversorgung sowie die Telekommunikation funktionieren nur mit Strom. Störungen in der Stromversorgung machen bestehende Abhängigkeiten sichtbar.
Für Stromversorger bedeutet das, dass ihre Netze zuverlässig betrieben und kontinuierlich überwacht werden müssen. Zudem müssen sie auf außergewöhnliche Ereignisse vorbereitet sein. Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, Vorsorge zu treffen und ihre Handlungsfähigkeit für unterschiedliche Störungsfälle sicherzustellen. Dazu gehört die Vorhaltung technischer Redundanzen, die klare Definition von Abläufen sowie die enge Abstimmung mit Kommunen, Behörden und dem Land.
Notfallvorsorge im Netzbetrieb
Wemag Netz verfügt über umfassende Notfall- und Wiederherstellungspläne. Das Unternehmen gewährleistet eine permanente Netzüberwachung, rund um die Uhr einsatzbereite Entstördienste sowie klar geregelte Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen im Störfall. Bei größeren Ereignissen arbeitet sie eng mit Feuerwehren, dem Katastrophenschutz, Kommunen und weiteren Infrastrukturbetreibern zusammen, um Prioritäten festzulegen und kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen oder Wasserwerke möglichst schnell wieder zu versorgen.
Trotzdem gilt: Kein Stromnetz – unabhängig von Region oder Struktur – kann zu 100 Prozent gegen Ausfälle geschützt werden. Extreme Wetterereignisse, technische Defekte oder mutwillige Beschädigungen können die Stromversorgung zeitweise beeinträchtigen. Anstatt die Illusion vollständiger Ausfallsicherheit zu pflegen, ist es entscheidend, Störungen schnell zu erkennen, ihre Auswirkungen zu begrenzen und die Versorgung zuverlässig wiederherzustellen. „Ein vollständig ausfallsicheres Stromnetz gibt es nicht“, sagt Thomas Murche, technischer Vorstand der Wemag. „Entscheidend ist, wie gut ein Netz auf außergewöhnliche Situationen vorbereitet ist. Mit klaren Notfallkonzepten, hoher Redundanz und laufenden Investitionen stellen wir sicher, dass Störungen schnell behoben und die Auswirkungen für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern möglichst gering gehalten werden.“
Erneuerbare Energiesysteme haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie maßgeblich zur Netzstabilität beitragen. Strom wird in vielen Anlagen erzeugt und nicht in einzelnen Großkraftwerken. Diese dezentrale Struktur erhöht die Robustheit des Systems, da es keinen einzelnen Punkt gibt, dessen Ausfall die Stromerzeugung insgesamt beeinträchtigen könnte. Um dieses Potenzial zu nutzen, müssen dringend mehr Stromspeicher an das Netz angeschlossen werden, um Produktionsschwankungen auszugleichen. Die Integration elektronischer Komponenten, die nach einem Stromausfall den Neustart der Netze ermöglichen, sollte forciert werden. Zudem müssen die Stromnetze digitalisiert werden. Mit mehr Daten lassen sich rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten, um Ausfälle zu verhindern.
Versorgungssicherheit und Energiewende zusammen denken
In Mecklenburg-Vorpommern und im Netzgebiet der Wemag werden Stromunterbrechungen in den meisten Fällen innerhalb kurzer Zeit behoben. Die Mehrzahl der Störungen dauert deutlich unter einer Stunde. Um diese hohe Zuverlässigkeit zu gewährleisten, investiert die Wemag Netz kontinuierlich in die Modernisierung und den Ausbau der Netze. Beispiele hierfür sind der Einsatz digitaler Netzleittechnik, der Ersatz störanfälliger Freileitungen durch Erdkabel und die Anpassung der Netzinfrastruktur an die wachsenden Anforderungen der Energiewende.
„Die Versorgungssicherheit ist in Mecklenburg-Vorpommern besonders hoch, weil der Ausbau der erneuerbaren Energien einen deutlichen Ausbau der Netze erfordert. Damit steigt die Versorgungssicherheit der Stromverbraucher, weil sich der Netzausbau an den Erfordernissen der weit höheren Einspeisung orientiert und somit teilweise Dopplungen für die Versorgung schafft“, betont Johann-Georg Jaeger, Vorstandsvorsitzender des LEE MV. Moderne und leistungsfähige Stromnetze sind eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende und gleichzeitig ein stabilisierender Faktor für Gesellschaft und Wirtschaft.
Dazu sagt Christian Pegel: „Investitionen in moderne, digitale und leistungsfähige Stromnetze stärken die Resilienz unseres Landes. Der kontinuierliche Netzausbau, die Digitalisierung der Infrastruktur und der Ausbau erneuerbarer Energien stärken nicht nur die Energiewende, sondern auch die Sicherheit und Resilienz unserer kritischen Infrastrukturen.“
Einen absoluten Schutz vor Stromausfällen gibt es nicht. Gleichzeitig ist die Stromversorgung in Mecklenburg-Vorpommern robust aufgestellt und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Eine sachliche Einordnung ist wichtig, um Vertrauen zu stärken und den Blick auf das Wesentliche zu lenken: Versorgungssicherheit und Energiewende gehören zusammen – heute und in Zukunft.