Anlagenkonzept integriert Phosphorrückgewinnung in ein Zementwerk

Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm

Im EU-Projekt FlashPhos ist die FEED-Studie abgeschlossen. Diese überführt die Demonstrationsanlage in ein industrielles Konzept zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm.

Bild: iStock, Mima88
18.02.2026

Phosphorrückgewinnung trifft Zementwerk: In Zukunft soll aus Klärschlamm ein strategischer Rohstoff gewonnen werden. Dies hat das Projekt „FlashPhos” demonstriert, ein thermochemisches Verfahren zur Produktion von hochwertigem weißem Phosphor (P4) für die chemische Industrie.

Mit der Fertigstellung der FEED-Studie haben Partner des EU-Projekts FlashPhos einen wichtigen Schritt zur industriellen Umsetzung der Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm in Europa erreicht. Elementarer weißer Phosphor (P4) ist für Schlüsselindustrien wie den Lebensmittel- und Pharmasektor unverzichtbar und daher ein strategischer Rohstoff von hoher Relevanz. Im EU-Projekt FlashPhos demonstrieren 17 europäische Partner unter der Koordination der Universität Stuttgart in großem Maßstab ein thermochemisches Verfahren zur nachhaltigen Produktion von hochwertigem weißem Phosphor für die chemische Industrie unter Verwendung von Klärschlamm.

Das Steinbeis Europa Zentrum unterstützt das administrative Projektmanagement, die Kommunikationsaktivitäten sowie die Verbreitung und Verwertung der Projektergebnisse. Mit der Fertigstellung der FEED-Studie haben die Projektpartner nun einen entscheidenden Schritt in Richtung industrielle Umsetzung der Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm gemacht.

Kreislaufwirtschaft in der Praxis

Die FEED-Studie überführt die FlashPhos-Demonstrationsanlage in ein klar definiertes, industrielles Anlagenkonzept. Dabei werden Prozesseffizienz, Sicherheitsaspekte, Umweltauswirkungen und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen berücksichtigt. Die Studie bildet somit die Grundlage für weitere Investitions- und Umsetzungsentscheidungen. Im Mittelpunkt steht das Design der ersten großtechnischen FlashPhos-Anlage mit einer Kapazität von 5.000 t Weißphosphor (P4) pro Jahr. Das Anlagenkonzept ist in ein Referenzzementwerk mit einer Klinkerproduktion von 3.000 t pro Tag integriert und zeigt, wie sich die Phosphorrückgewinnung in bestehende industrielle Infrastrukturen einbinden lässt.

Die FEED-Studie wurde von A TEC Production and Services geleitet und von der VDZ Technology, Inerco, Italmatch Chemicals, Dyckerhoff und der Universität Stuttgart sowie weiteren Projektpartnern entscheidend mitgestaltet. Die enge Zusammenarbeit von Forschung und Industrie ermöglichte die Übertragung wissenschaftlicher Ergebnisse in ein praxisnahes industrielles Design.

Ein zentrales Ergebnis ist die vielversprechende Zusammenarbeit mit der Zementindustrie. Prozesssimulationen zeigen, dass das bei der Phosphorrückgewinnung erzeugte Synthesegas einen bedeutenden Anteil konventioneller Brennstoffe und CO2-Emissionen ersetzen kann. Gleichzeitig kann die im Prozess entstehende Raffinierschlacke als CO2-neutraler Klinkersubstitut oder als ergänzender, zementgebundener Baustoff (SCM) genutzt werden und so zur Dekarbonisierung der Zementproduktion beitragen.

Darüber hinaus bewertete die FEED-Studie Optionen zur zukünftigen Weiterentwicklung, darunter modulare Anlagenkonzepte und dezentrale Klärschlammtrocknung. So bleibt die Technologie trotz bestehender Integrationsherausforderungen hoch skalierbar und flexibel und bietet realistische Wege zur industriellen Umsetzung.

Mit dem Abschluss der FEED-Studie sind die Weichen für die nächsten Schritte gestellt – von der technischen Detailplanung und den Genehmigungsverfahren bis hin zur Vorbereitung der ersten kommerziellen FlashPhos-Anlagen. FlashPhos überführt damit Fortschritt in die industrielle Umsetzung und rückt einer europäischen Lösung für nachhaltige Phosphorrückgewinnung im Sinne der Kreislaufwirtschaft näher.

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