Das Fraunhofer-Institut IEG hat den „Südbonus“ analysiert und festgestellt, dass Südstandorte aufgrund bestehender Maßnahmen auch ohne diesen bereits einen wirtschaftlichen Vorteil besitzen. Die Forschenden haben zudem untersucht, warum die Standortwahl, Netzengpässe und Fördermechanismen für die Versorgungssicherheit entscheidend sind und wie mögliche Fehlanreize vermieden werden können. Die vollständige Analyse steht nun online bereit.
(Über-)Erfüllt der „Südbonus“ seinen Zweck?
„Die Studie liefert eine wichtige Grundlage, um die Kraftwerksstrategie volkswirtschaftlich optimal auszurichten. Wir wollen sicherstellen, dass neue Kapazitäten dort entstehen, wo sie das Energiesystem wirklich stärken“, sagt Prof. Mario Ragwitz, Institutsleiter des Fraunhofer IEG, und unterstreicht die Bedeutung wissenschaftlicher Analysen für eine zielgerichtete Transformation der Energieinfrastruktur. „Bei der Ausgestaltung der Ausschreibung sollte darauf geachtet werden, ungewollte Fehlanreize zu vermeiden.“
„Unsere Analysen zeigen, dass bestehende und geplante Fördermechanismen sorgfältiger aufeinander abgestimmt werden müssen. Sonst besteht die Gefahr, dass der Kraftwerkszubau behindert wird, der auch im netztechnischen Norden wichtig ist“, sagt Thorsten Spillmann, Projektleiter am Fraunhofer IEG. Er betont, dass klare Anreize für Investitionen notwendig sind, die jedoch keine unerwünschten Nebenwirkungen erzeugen dürfen.
Werteverbrauchsvergütung im Kontext des Südbonus
In der neuen Studie wird erstmals die langfristige wirtschaftliche Bedeutung der anteiligen Werteverbrauchsvergütung im Kontext des geplanten Südbonus bewertet. Dieser soll gewährleisten, dass zwei Drittel der künftig ausgeschriebenen Gaskraftwerkskapazitäten im netztechnischen Süden entstehen. Dort treten heute besonders häufig positive Redispatchmaßnahmen auf, die durch Netzengpässe verursacht werden. Fossile Kraftwerke müssen ungeplant mehr Leistung erbringen. Gleichzeitig profitieren Anlagen an diesen Standorten bereits von Fixkostenerstattungen, wenn sie ihre Leistung erhöhen müssen, um das Netz zu stabilisieren.
Die Analyse zeigt, dass die Werteverbrauchsvergütung über die Lebensdauer einer Anlage hinweg hohe Summen erreichen kann. In einigen süddeutschen Regionen erreichen die ermittelten Werte sogar eine Größenordnung, die dem geplanten Südbonus entspricht oder diesen übertrifft. Werden die aktuellen Preissteigerungen bei Kraftwerkskomponenten berücksichtigt, steigen die Vergütungen weiter an. Dadurch könnten zusätzliche Einnahmen entstehen, die die Standortwahl stärker beeinflussen als politisch vorgesehen.
Unsicherheit bei Geboten und mögliche Mehrkosten
Die Forschenden betonen jedoch, dass diese Entwicklung weitere Risiken für eine effiziente Förderung birgt. Berücksichtigen Betreiber die schwer kalkulierbaren zusätzlichen Erlöse bei der Gebotsabgabe, kann dies zu Unsicherheiten führen, die die Kapitalkosten in die Höhe treiben. Werden die Erlöse hingegen nicht berücksichtigt, drohen später überhöhte Zahlungen und somit Mehrkosten für die Allgemeinheit. In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass Investitionen stärker in den Süden gelenkt werden, als es der Südbonus allein vorsieht.
Um Fehlanreize zu vermeiden, zeigt die Studie mehrere Lösungsansätze auf. Ein Ansatz wäre, neu auszuschreibende Anlagen von der anteiligen Werteverbrauchsvergütung auszunehmen. Ebenso könnte eine verpflichtende Rückzahlung der erhaltenen Vergütungen im Rahmen bestehender Mechanismen erfolgen. Beide Varianten würden Investitionssicherheit schaffen und eine präzisere Steuerung über den Südbonus ermöglichen. Eine pauschale Einpreisung erwarteter Vergütungen wird hingegen als weniger geeignet bewertet, da sie die Risiken für Betreiber erhöht und die Wettbewerbseffekte nicht klar begrenzt.
Die Studie „Analyse der langfristigen Maßnahmenwirkung der anteiligen Werteverbrauchskompensation vor dem Hintergrund eines ‚Südbonus für Kraftwerke‘“ entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEG) und Consentec im Auftrag von LEAG Clean Power. Mit der Studie liefern die Partner eine fundierte Grundlage für die Ausgestaltung eines wirksamen und ausgewogenen Förderregimes. Die Studie zeigt, dass ein präzises Zusammenwirken von Südbonus, Redispatch-Vergütung und Standortpolitik entscheidend ist, um die Versorgungssicherheit zu stärken und zugleich die Kosten für Verbraucher niedrig zu halten. Damit unterstützt sie eine zukunftsfähige Planung neuer Kraftwerkskapazitäten und leistet einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Energiesystems.