Ausbau erneuerbarer Energien wichtiger denn je

Energiekrise als Weckruf: Sind die Erneuerbaren die Lösung?

Wegen der Lage im Iran sind viele beunruhigt und sehen Deutschland bei den Energiepreisen und der Energieversorgung als verwundbar an.

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22.04.2026

Seit Beginn des Krieges im Iran halten 58 Prozent der Deutschen den Ausbau erneuerbarer Energien für (deutlich) wichtiger als zuvor. Gleichzeitig sagen 94 Prozent, Deutschland sei bei Energiepreisen und -versorgung verwundbar und der Druck wächst, Abhängigkeiten zu senken.

Für eine Mehrheit der Menschen in Deutschland ist der Ausbau erneuerbarer Energien sowie von Netzen und Speichern die naheliegendste Reaktion auf fossile Verwundbarkeit und geopolitische Krisen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von Vattenfall hervor. Demnach beunruhigt die derzeitige Situation im Iran viele Menschen stark, insbesondere was die wirtschaftliche Lage in Deutschland und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen betrifft.

Iran-Krieg verschärft Sorge um Wettbewerbsfähigkeit

„Die Ergebnisse zeigen: Viele Menschen sind besorgt, denn sie erleben gerade sehr konkret, welche Energieabhängigkeiten bestehen und wie sich diese unmittelbar auf die Preise im Alltag auswirken – bei Kraftstoffen ebenso wie bei Gas“, fasst Robert Zurawski, Deutschlandchef von Vattenfall, die Ergebnisse zusammen. Konkret geben 81 Prozent der Befragten an, aufgrund der aktuellen Situation im Iran stark oder sehr stark beunruhigt zu sein, was die wirtschaftliche Lage in Deutschland betrifft. Neun Prozent sind unentschieden, zehn Prozent sind weniger oder gar nicht besorgt.

Weiterhin sagen 94 Prozent der Befragten, Deutschland sei in internationalen Krisen bei Energiepreisen und -versorgung verwundbar; nur zwei Prozent verneinen dies. „Die Wahrheit ist: Dies ist eine fossile Verwundbarkeit“, so Zurawski. „Denn schon vor dem jüngsten Kriegsbeginn waren fossile Brennstoffe wie Erdöl, LNG oder Steinkohle in Deutschland und Europa deutlich teurer als in anderen Erdteilen, weil sie importiert werden müssen. Der Krieg im Iran verstärkt diesen Wettbewerbsnachteil nun noch weiter.“

Import fossiler Brennstoffe: Kosten und Belastungen

Laut der KfW gibt Deutschland seit 2008 im Durchschnitt rund 81 Milliarden Euro pro Jahr für den Import fossiler Brennstoffe aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zufolge sind die Kosten für den Import fossiler Brennstoffe EU-weit bereits in den ersten 44 Tagen seit Beginn des Iran-Kriegs auf 22 Milliarden Euro angestiegen. „Diese hohen und volatilen Kosten fossiler Energien belasten Industrie, Verbraucher und öffentliche Haushalte, aber auch Bürgerinnen und Bürger, die Schwierigkeiten haben, ihre Sprit- oder Heizkosten zu tragen“, sagt Zurawski.

Eine Mehrheit von 91 Prozent der Befragten gibt an, dass weltweit schwankende Energiepreise die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sehr stark oder stark gefährden. Nur drei Prozent teilen diese Auffassung nicht. „Ich bin überzeugt: Nur ein dekarbonisiertes Deutschland und Europa wird langfristig wettbewerbsfähig sein – und zudem auch unabhängiger und resilienter“, unterstreicht der Deutschland-Chef von Vattenfall.

Netze, Speicher und Erneuerbare als Weg zu mehr Unabhängigkeit

Auf die Frage, wie Deutschland bei der Energieversorgung in geopolitischen Krisen unabhängiger werden kann, nennen 62 Prozent der Befragten den Ausbau von Energienetzen und -speichern. 56 Prozent nennen den Ausbau erneuerbarer Energiequellen. „Viele Menschen spüren: Angesichts geopolitischer Verwerfungen und weltweiter Spannungen kann sich Deutschland weniger Energiewende langfristig nicht leisten“, so Zurawski. „Wenn wir statt fossiler Energieimporte gezielt in Erneuerbare, Netze und Speicher investieren, gewinnen wir weit mehr als nur verlässliche Energie: nämlich Unabhängigkeit, langfristig stabilere und günstigere Preise sowie eine tragfähige Infrastruktur für Jahrzehnte.“

Rund 38 Prozent der Befragten sehen jedoch auch in mehr konventionellen Kraftwerken in Deutschland eine Lösung, um unabhängiger zu werden. 25 Prozent wollen sogar ausdrücklich an fossilen Energien festhalten. Es folgen Energieeinsparungen im Alltag mit 18 Prozent sowie staatliche Eingriffe in den Energiemarkt mit 15 Prozent.

Dennoch verändert der Konflikt im Nahen Osten die Sicht vieler Menschen auf die Energiepolitik: Seit Beginn des Iran-Krieges halten 58 Prozent der Befragten den Ausbau erneuerbarer Energien für deutlich wichtiger oder wichtiger als zuvor, lediglich 18 Prozent für deutlich unwichtiger oder unwichtiger.

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