Ein Unternehmerleben zwischen Versandhandel, EDV und Logistik

Klaus Conrad wird 90

Conrad Electronic SE

Zum 90. Geburtstag von Klaus Conrad blickt das Unternehmen auf zentrale Meilensteine zurück: frühe EDV-Umstellung, Ausbau der Logistik, Expansion in Europa und Projekte in der Region – von der Sanierung der Burg Wernberg bis zur Stiftungsarbeit.

Bild: Duschner Foto&Design
27.02.2026

Klaus Conrad wird am 27. Februar 2026 90 Jahre alt. Er prägte Conrad Electronic als EDV- und Logistikpionier, baute Filialen und internationale Strukturen auf und engagierte sich zugleich als Förderer und Mäzen in der Oberpfalz – etwa mit der Klaus und Gertrud Conrad-Stiftung.

Klaus Conrad ist zuverlässig, charismatisch und hat ein sicheres Gespür für gute Geschäfte.“ – So heißt es in der Conrad Mitarbeiterzeitung aus dem Jahr 1980 über den Mann, der am 27. Februar 2026 seinen 90. Geburtstag feiert. Mit gerade mal 18 Jahren tritt Klaus Conrad 1954 ins Unternehmen ein und übernimmt rund 20 Jahre später die Leitung von Conrad Electronic. Mut und Risikobereitschaft zeichnen Klaus Conrad schon in jungen Jahren aus. Geschäftschancen genau da zu sehen, wo kein anderer sie vermutet: Das ist eine der größten Begabungen des erfolgreichen Visionärs und Träger des Verdienstkreuzes 1. Klasse.

Der Visionär

Klaus Conrad hat schon immer weitergedacht und ist seiner Zeit mehr als ein Mal voraus: Als EDV-Pionier pusht er den Versandhandel, automatisiert und erweitert die Logistik und sorgt damit dafür, dass Conrad wachsen kann wie nie zuvor. Bereits 1986 streckt er seine Fühler in Richtung Niederlande aus. Auch als der Osten sich öffnet, steht Klaus Conrad in den Startlöchern. Doch es ist nicht nur der geschäftliche Erfolg, der zählt. Klaus Conrad ist der Region Hirschau eng verbunden. Er übernimmt Verantwortung – für die Menschen vor seiner Haustüre und weit darüber hinaus.

Der Förderer

Klaus Conrad war nie nur Geschäftsmann. Der Golfplatz Schwanhof, der 1995 zum „Golfplatz des Jahres" gewählt wurde, verdankt Klaus Conrad seine Existenz. Er baute eine Sportanlage für seine Mitarbeitenden und später eine Tagesstätte für deren Kinder. Ein Tribut an die Oberpfalz war auch die Übernahme und liebevolle Sanierung der Burg Wernberg im Jahr 1992, die später mit zwei Michelin-Sternen zu den besten Gastronomiebetrieben Deutschlands zählte.

Der Mäzen

„Eigentum verpflichtet", zitiert Klaus Conrad gerne das Grundgesetz. Diese Verpflichtung hat er sein Leben lang ernst genommen. Gemeinsam mit seiner Frau Gertrud gründete er 2001 die Klaus und Gertrud Conrad-Stiftung, die weltweit für Bedürftige im Einsatz ist. Und auch der Region und ihren Menschen, die ihm nach dem Krieg eine neue Heimat gaben, gab Klaus Conrad Millionen zurück – in Form von Kinderspielplätzen, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Sportförderung.

Klaus Conrad – Meilensteine einer Unternehmerpersönlichkeit

1936: Am 27. Februar wird Klaus Conrad als Sohn der Eheleute Werner und Käthe Conrad in Berlin geboren.

1945: Als sich die Front der Hauptstadt nähert, entscheidet sich Werner Conrad, seine Familie in Sicherheit zu bringen. Das Ziel: Die Oberpfalz.

Auf der Flucht – Klaus Conrad erinnert sich: „An meinem 9. Geburtstag waren wir auf der Flucht. Zusammen mit meiner Mutter, meiner Schwester und zwei LKW-Fahrern waren wir nach Hirschau unterwegs. Immer wieder mussten wir uns bei Fliegeralarm im Wald verstecken. Geladen hatten wir unseren Restbestand an Ware aus unserem Radio-Geschäft und hinten unser Privatauto angehängt, denn Benzin war kaum noch erhältlich. Hirschau war damals ein Dorf, in dem Ochsenkarren statt Autos fuhren. Eimerweise schleppten wir unser Wasser vom Stadtbrunnen in unsere Wohnbaracke. Aber für uns dennoch ein Zufluchtsort ohne Furcht vor Bomben.”

1954: Der Vater von Klaus Conrad, Werner Conrad, startet in der Oberpfalz durch und bietet per Katalog alles, was der preisbewusste Konsument der Bundesrepublik braucht: von Antennen bis Wäscheschleudern, von Camping-Artikeln bis Schreibwaren. Unterstützung kann er da gut gebrauchen: Sein Sohn Klaus tritt im Alter von 18 Jahren nach einer Banklehre ins Unternehmen ein.

Die Anfänge in der Oberpfalz – Klaus Conrad erinnert sich: „Ob Essen, Kleidung oder Verbrauchsgüter: Sparen war in der Nachkriegszeit in vielen Belangen angesagt. Und mein Vater war wahrlich ein großer Sparfuchs. Er ließ unsere Azubis die örtlichen Lebensmittelhändler abfahren und bei ihnen Kartons einsammeln, die wir dann für den Versand nutzten. Auch Briefumschläge hat er zeitlebens sorgsam aufgeschlitzt und andersherum wieder gefaltet, damit sie ein zweites Mal verwendet werden konnten. Weil Paketschnur knapp war, gab es auch hier von meinem Vater eine klare Order: Bei eingehenden Päckchen darf die Schnur nicht einfach aufgeschnitten, sondern muss sorgsam aufgeknotet und ans Ende einer Rolle mit gebrauchter Paketschnur angeknüpft werden! Sie können sich vorstellen, wie mühsam das war. Unsere Leute aus der Packerei hofften, beim Junior mehr Gehör zu finden und wandten sich an mich: Das Paketschnurknüpfen frisst zu viel Zeit, beschwerten sie sich. Vor allem, als unser Auftragsvolumen immer größer wurde. Also habe ich kurzerhand entschlossen Rollen mit neuwertiger Paketschnur anzuschaffen. Diese haben wir in einem speziellen Materialschrank gelagert, wo wir alles schnell verschwinden lassen konnten, sobald der Seniorchef die Packerei betrat.“

60-er Jahre: Über die Jahre baut Klaus Conrad ein Netz von „Technischen Kaufhäusern“ auf, die unter dem Namen TeKa in der Oberpfalz bekannt werden. 18 sind es am Ende.

TeKas für den Süden – Klaus Conrad erinnert sich: „In den 50-er und 60er-Jahren stand das Wirtschaftswunder in voller Blüte. „Made in Germany“ wurde zum Qualitätsmerkmal. Auch die Conrad Kunden erwarten „beste Qualität“ und einen „vorbildlichen Kundendienst“ – Werte, die mein Vater in seinen Geschäftsrichtlinien festschrieb. Ich selbst konnte diesen Grundsätzen durchaus folgen. Doch während mein Vater beim Versenden von Bauteilen & Co. blieb, hatte ich – wie mein Großvater – auch ein Faible für den stationären Handel.“

1976: Als Klaus Conrad im Alter von 40 Jahren die Leitung von Conrad Electronic übernimmt, beschäftigt das Unternehmen bereits 240 Mitarbeiter. Auch der Bau der ersten Conrad Logistik fällt in dieses denkwürdige Jahr.
Als die Bagger kamen – Klaus Conrad erinnert sich: „Mein Vater lag bereits einige Wochen im Krankenhaus in Amberg, als 1976 die Baumaßnahmen für unsere erste Logistik in Hirschau starteten. Hierfür musste die alte Keramikfabrik weichen. Meinem Vater passte das gar nicht. Er hatte treu ergebene Mitarbeiter, die täglich im Krankenhaus anrückten und ihm Bericht erstatteten: ‚Es stehen Bagger auf dem Hof, die reißen das Gebäude ab!‘, teilten sie ihm eines Tages mit. Mein Vater war außer sich, schlüpfte kurzentschlossen in seinen Bademantel, fuhr mit einem Taxi zur Baustelle und packte den Baggerfahrer am Schlafittchen, um das zu verhindern. Es bedurfte größter Überzeugungskraft, unseren Seniorchef zurück ins
Taxi zu bugsieren, damit die Bauarbeiten weitergehen konnten.“

1977: Statt 150 Päckchen verlassen jetzt 1.000 Pakete pro Tag das Firmengebäude. Möglich gemacht hat das eine moderne EDV-Anlage, die die händische Adressverwaltung mit Karteikarten ablöst.

Streit um die neue EDV – Klaus Conrad erinnert sich: „Mitte der 70er ging es um die große Weichenstellung für die Zukunft. Misstrauisch beäugt von meinem Vater, arbeitete ich intensiv an einem EDV-Projekt. Schließlich lag ein Angebot auf dem Tisch: Die Anlage sollte 200.000 Mark kosten. Mein Vater war außer sich: ‚Die wollen unsere Firma ruinieren‘, war sein Kommentar, mit dem er Berater und Computerleute aus dem Haus jagte. Ich ließ mich nicht entmutigen und traf mich weiterhin mit den Experten. Aber natürlich bekam der Senior Wind davon und drohte, die gesamte Computeranlage aus dem Fenster zu werfen, sollte diese installiert werden und nicht funktionieren. Sie funktionierte – und mir fiel ein Stein vom Herzen.“

1985: Das Familienunternehmen wird immer erfolgreicher. Um den Markt auch in der Breite zu bedienen, eröffnet Klaus Conrad ab Mitte der 80er neue Filialen– in der Hochphase gibt es in Europa 30 Conrad Filialen.

1988: Klaus Conrad etabliert mit CEI Hongkong eine Einkaufsgesellschaft in Fernost, die Conrad Electronic von Importeuren unabhängig macht. Auch der Vertrieb wird weiter ausgebaut – mit Tochterunternehmen in ganz Europa. Aktuell ist Conrad Electronic in 17 Ländern Europas am Markt vertreten.

1989: Es entsteht der sogenannte „Glasbau“ in Hirschau – das Conrad Headquarter.

1995: Der rasante Ausbau der Conrad Logistik ist eng mit dem Namen Klaus Conrad verknüpft. 1995 wird das neue Conrad Logistikzentrum in Wernberg-Köblitz fertiggestellt. Zum großen Einweihungsfest können Klaus Conrad (links) und Werner Conrad (rechts) Ministerpräsident Edmund Stoiber begrüßen. Die erste Erweiterung folgt 1999, die zweite im Jahr 2012.

Wer hätte das gedacht – Klaus Conrad erinnert sich: „1976, anlässlich der Eröffnung des ersten Versandbaus in der Geschichte unserer Firma, sprach ich die jedenfalls für mich sehr denkwürdigen Worte: „Mit der Einweihung dieses Gebäudes sind die Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt. Wir verfügen jetzt über so viel Gebäudekapazität, dass ich mir über bauliche Erweiterungen keine Gedanken zu machen brauche. Dies wird eine Aufgabe für meine Nachfolger sein.” Darin hatte ich mich mal so richtig getäuscht”.

1998: Für Klaus Conrad geht ein Herzenswunsch in Erfüllung: Das Hotel Burg Wernberg feiert Eröffnung.

Liebe auf den zweiten Blick – Klaus Conrad erinnert sich: „Als wir uns für Wernberg-Köblitz als neuen Logistikstandort entschieden, machte uns der damalige Bürgermeister Ludwig Unsicker auf die Burg aus dem frühen Mittelalter aufmerksam. Als er uns dann die Ruine zeigte, wusste ich nur einen Rat: abreißen. Doch der Bürgermeister ließ nicht locker. Er suchte schon lange nach einem Investor, um die Burg zu neuem Leben zu erwecken. Geschickt lud er meine Frau zur Besichtigung ein. Fasziniert und inspiriert von dem historischen Gemäuer, kehrte Gertrud begeistert zurück. „So habe auch ich mein Herz erneut verloren – dieses Mal an eine Burg.“

2001: Unter dem Motto „Helfen, wo es wichtig und notwendig erscheint“ gründet Klaus Conrad zusammen mit seiner Frau Gertrud im Jahr 2001 die „Klaus und Gertrud Conrad-Stiftung“.

2014: Am 13. November 2014 geben Klaus Conrad, Dr. Werner Conrad und Ehrengast Horst Seehofer das Startsignal für das vollautomatische Shuttlelager im Conrad Logistikzentrum. Heute verlassen im Schnitt jeden Tag rund 50.000, in Spitzenzeiten bis zu 75.000 Pakete das Conrad Logistikzentrum.

2023: Klaus Conrad begeht im Kreise zahlreicher Mitarbeitenden, Weggefährten und Ehrengäste „100 Jahre Conrad”. Damit ist sein damaliger Wunsch anlässlich seines 80. Geburtstag 2016 in Erfüllung gegangen. Zitat: „Wenn es der Herrgott will, dann wäre es schön, wenn ich beim 100-jährigen Firmenjubiläum 2023 dabei sein könnte.” Bis heute: Klaus und Gertrud Conrad unterstützen mit ihrer Stiftung Projekte in der Region und auf der ganzen Welt. In den vergangenen Jahren flossen diverse Spenden an Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, die Deutsche Welthungerhilfe, „Save the children” die SOS Kinderdörfer, ein Herz für Kinder, Unicef, Menschen für Menschen, „ShelterNow” oder die Johanniter. Regional engagierte sich die Stiftung unter anderem für den Aufbau des Alten- und Pflegeheims mit angeschlossener Tagespflege in Hirschau, den Waldkindergarten in Hirschau oder die Amberger Tafel.

1985 wurde außerdem die Conrad Sportförderung gegründet, die sowohl den Leistungssport als auch den Breitensport in der Region unterstützt. Die finanziellen Mittel kommen insbesondere dem Jugendsport im Landkreis Amberg-Sulzbach, in der Stadt Amberg und in der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz zugute.

Ehre, wem Ehre gebührt – Auszeichnungen für Klaus Conrad auf einen Blick

  • Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1981)

  • Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1988)

  • Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft (1991)

  • Ehrenbürgerschaft Stadt Hirschau (1995)

  • Bayerischer Verdienstorden (1996)

  • Denkmalschutzmedaille (1997)

  • Ehrenmedaille in Gold des Landkreises Amberg/Sulzbach (2000)

Conrad Electronic heute

Conrad Electronic steht als zuverlässiger Partner seit 1923 für Technik und Elektronik und bietet heute als Sourcing Platform alle Teile für die erfolgreiche Beschaffung von technischem Bedarf. 2.300 Mitarbeitende in der Conrad Gruppe sorgen dafür, dass Geschäftskunden bei Conrad genau das bekommen, was ihre Projekte oder ihr Business zum Erfolg führt: Ein breites und tiefes Sortiment mit zehn Millionen Produktangeboten, kundenzentrierte Lösungen und Services sowie fachkompetente Betreuung von Mensch zu Mensch. Mithilfe von maßgeschneiderten E-Procurement-Lösungen vereinfacht Conrad komplexe Beschaffungsprozesse und hilft Unternehmen aller Branchen und Größen, Zeit und Kosten zu sparen. Hersteller und Distributoren erreichen als Seller auf dem Conrad Marketplace schnell und unkompliziert neue Zielgruppen und Märkte. Auch Privatkundinnen und Kunden profitieren von professionellen Produktangeboten und Services. Das Familienunternehmen hat seinen Hauptsitz im oberpfälzischen Hirschau (Ostbayern) und ist in 17 Ländern Europas am Markt vertreten.

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