Erster Meilenstein für die Halbleiterfertigung der Zukunft

Quasi-monolithische Integration erstmals demonstriert

Wafer mit platzierten Chiplets.

Bild: Fraunhofer IPMS
02.06.2026

Einem Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme IPMS ist im Rahmen der europäischen Pilotlinie APECS ein bedeutender Fortschritt in der Chip-Fertigung gelungen. Mithilfe einer neu entwickelten Methode können einzelne Chiplets präzise in Silizium-Taschen, sogenannten Pockets, eingebettet und so zu einer nahezu nahtlosen Einheit verbunden werden. Das Verfahren vereint erstmals die Kompaktheit eines monolithischen Chips mit der Flexibilität modularer Systeme. Die sogenannte quasi-monolithische Integration (QMI) ist damit nicht länger Theorie, sondern Realität: Ihre Machbarkeit ist belegt – und die Lücke zwischen klassischem Chip-Packaging und modernster Halbleiterfertigung ist damit ein Stück kleiner geworden.

Die steigenden Anforderungen an Komplexität, Rechenleistung und Systemkompaktheit verlangen nach radikal neuen Ansätzen in der Halbleiterfertigung. Die Vision einer zukunftsfähigen Mikroelektronik sieht Systeme vor, die so leistungsfähig wie ein einzelner Chip sind, dabei aber die Flexibilität eines modularen Baukastens bieten.

Innerhalb von APECS, der Pilotlinie für „Advanced Packaging and Heterogeneous Integration for Electronic Components and Systems“, verfolgt das Fraunhofer IPMS daher den Ansatz der Quasi-monolithischen Integration (QMI): Ziel ist es, unterschiedliche Chip-Komponenten wie Ansteuerelektronik, Sensoren oder mikro-elektromechanische Komponenten (MEMS) so effizient auf Wafer-Ebene zu vereinen, dass die Vorteile eines kompakten Einzelchips erhalten bleiben.

Von der Theorie zur Realität: Pockets, Placement und Einbettung

Forschende am Fraunhofer IPMS konnten nun den ersten kritischen Meilenstein der QMI-Roadmap erfolgreich demonstrieren. „Grundlage der QMI sind Silizium-Wafer mit strukturierten Aussparungen (Pockets). In diese sogenannten Pocketwafer wurden erstmals Dummy Chiplets eingebracht und die Oberfläche für die nachfolgende Backend-of-Line-Verdrahtung mit einer Passivierungsschicht geebnet“, erklärt Dr. Lukas Lorenz, Gruppenleiter am Fraunhofer IPMS. „Damit entsteht eine nahezu monolithische Systemarchitektur, die höchste Integrationsdichte mit modularer Erweiterbarkeit vereint.“ Dieser Erfolg ebnet den Weg für die industrielle Reife der gesamten Prozesskette für künftige industrielle Anwendungen.

Höhere Systemleistung bei maximaler Kompaktheit

Die QMI-Technologie bietet signifikante Vorteile gegenüber herkömmlichen Packaging-Verfahren. Die Basis hierfür ist die Anordnung der Chiplets auf einem aktiven oder passiven Wafer-Substrat mit einem gemeinsamen Interconnect-Stack. Da die Kontaktierung anschließend innerhalb der Frontend-Linie erfolgt, lassen sich weitaus höhere Verbindungsdichten realisieren als bei klassischen Verfahren. Dies führt zu folgenden Mehrwerten:

  • Höhere Leistungsfähigkeit: Verkürzte Signalwege reduzieren Verluste und Latenzen und erhöhen die Verarbeitungsgeschwindigkeit auf Systemebene.

  • Zuverlässigkeit: Die Reduktion mechanischer Schnittstellen erhöht Robustheit und Lebensdauer der Systeme.

  • Kompaktheit: QMI spart erheblich Platz, da die Elemente nahezu monolithisch integriert sind.

  • Kosteneffizienz: Die Kombination modularer Chiplet-Ansätze ermöglicht eine wirtschaftliche Höchstintegration bei gleichzeitig kurzen Innovationszyklen und hoher Skalierbarkeit.

Diese Vorteile prädestinieren die Quasi-monolithische Integration für Entwicklungen wie hochintegrierte SoC (System-on-Chip) für KI-Anwendungen (Sensor-KI) sowie intelligente Transceiver mit hoher Bandbreite.

Ausblick: Industrielle Anwendung

Dr. Lukas Lorenz betont: „Obwohl der aktuelle Demonstrator auf Dummy-Strukturen basiert, ist die Prozesskette auf reale Kundenanwendungen übertragbar. Damit wird eine skalierbare Integrationsarchitektur für zukünftige heterogene Systemlösungen möglich.“ Das Fraunhofer IPMS adressiert damit industrielle Partner, deren Produkte von einer hochdichten Integration unterschiedlicher Technologien profitieren können. Die im Rahmen von APECS entwickelten Ansätze bilden somit die Grundlage, um die QMI zeitnah in produktnahe Fertigungsumgebungen zu überführen.

Bildergalerie

  • 3D-Druck eines Demonstrators der Quasi-monolithischen Integration mit Chiplet im Pocket.

    3D-Druck eines Demonstrators der Quasi-monolithischen Integration mit Chiplet im Pocket.

    Bild: Fraunhofer IPMS

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