Nur wenn politische und regulatorische Rahmenbedingungen den Transfer in die Industrie beschleunigen, kann Deutschlands Forschungsstärke dauerhaft Innovation, Wertschöpfung und technologische Souveränität schaffen. Die im Koalitionsvertrag festgelegte Innovationsfreiheitsoffensive soll diesen Transfer vorantreiben und Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit stärken. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die Fraunhofer-Gesellschaft und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) daher eine zügige Umsetzung, insbesondere durch untergesetzliche Regelungen.
Bürokratische Hürden entlang des Innovationspfads
Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, erklärt: „Deutschlands Innovationskraft steht im internationalen Wettbewerb auf dem Spiel. Wenn wir unseren Wohlstand sichern wollen, reicht es nicht, nur exzellent zu forschen – wir müssen wissenschaftliche Erkenntnisse viel schneller in industrielle Wertschöpfung überführen. Genau hier setzt die Innovationsfreiheitsoffensive an, die wir als zentrales industriepolitisches Wettbewerbsinstrument begreifen. Unser gemeinsames Positionspapier mit dem BDI macht deutlich: Statt immer neue Gesetze zu schaffen, sollten wir die bestehenden Chancen für untergesetzliche Regelungen nutzen und so unmittelbar für Entlastung sorgen.“ Es gelte, so Hanselka weiter, die bürokratischen Hürden entlang des gesamten Innovationspfads abzubauen und mehr Freiräume für Forschung und Industrie zu schaffen, damit neue Technologien in Deutschland skalieren können. „Technologische Souveränität ist kein Solo – sie entsteht, wenn Wissenschaft, Industrie und Politik ihre Kräfte bündeln.“
In ihrem gemeinsamen Positionspapier zeigen die Fraunhofer-Gesellschaft und der BDI konkrete Handlungsempfehlungen und schnell umsetzbare untergesetzliche Regelungen auf, um den Innovationsstandort Deutschland zu stärken und die Technologieführerschaft zu sichern.
Regulatorische Rahmenbedingungen als Wettbewerbsfaktor
Ob Innovationen in Deutschland skaliert werden und eine wirtschaftliche Wirkung entfalten können, hängt maßgeblich von den regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Das Innovationsfreiheitsgesetz ist ein entscheidendes Instrument, um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Souveränität zu überführen. Exzellente Forschung allein reicht nicht aus – entscheidend ist, was daraus entsteht. Dabei liegen viele Hebel nicht in neuen, zusätzlichen Förderprogrammen, sondern im untergesetzlichen Bereich: Verfahren müssen vereinfacht, Regeln modernisiert, Zuständigkeiten geklärt und Förderbedingungen harmonisiert werden.
Innovationspolitischer Erfolg bemisst sich nicht allein an Publikationen oder technologischer Exzellenz. Entscheidend ist, ob daraus industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Technologieführerschaft in Deutschland entstehen. Dafür muss der gesamte Innovationspfad funktionieren – von der Forschung über Demonstration und Pilotierung bis hin zur industriellen Skalierung.
Das „Valley of Death“ überwinden
Heute gehen zwischen Forschungserfolg und industrieller Skalierung Zeit und Innovationspotenzial verloren. Um dieses „Valley of Death“ zu überwinden, benötigen Forschungseinrichtungen Freiräume für Demonstratoren, Pilotanlagen sowie begrenzte Null- und Kleinserien, solange die Industrie noch keine ausreichenden Produktionskapazitäten aufgebaut hat. Dies beschleunigt die Marktvalidierung, reduziert Entwicklungsrisiken für Unternehmen und erleichtert die Übernahme neuer Technologien. Flankierend bedarf es einer nationalen IP-Strategie (Intellectual-Property-Strategy) sowie eines nationalen Technologiemonitorings, um globale Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und strategische Entscheidungen abzuleiten.
Förderverfahren digitalisieren und vereinheitlichen
Langwierige Förderverfahren, unterschiedliche Regeln von Bund und Ländern sowie Medienbrüche bremsen Innovationen. Die „Time-to-Grant“ muss daher konsequent verkürzt und die Förderbedingungen standardisiert sowie End-to-End digitalisiert werden. Forschungseinrichtungen und Unternehmen sollen mehr Zeit für Innovation und weniger für Administration aufwenden. Auch die Nutzung forschungs- und innovationsrelevanter Daten ist im bestehenden europäischen Rahmen durch einheitliche Auslegung, Standardverfahren und rechtssichere Erprobungsräume deutlich zu erleichtern, etwa für KI-Anwendungen und Gesundheitsdaten.
Wissenschaft, Industrie und Politik in der Verantwortung
Innovationsfreiheit gelingt nur im gemeinsamen Handeln. Wissenschaft schafft technologische Möglichkeiten, Unternehmen bringen sie auf den Markt und die Politik muss die entsprechenden rechtssicheren Rahmenbedingungen schaffen. Durch die zügige Umsetzung der vorgeschlagenen untergesetzlichen Maßnahmen kann ohne neuen Finanzbedarf erhebliche wirtschaftliche Dynamik freigesetzt und der Innovationsstandort Deutschland nachhaltig gestärkt werden. Innovationspolitischer Erfolg wird sich künftig vor allem an einer Verkürzung der „Time-to-Market“ bemessen.