KI-Tools für die einfache Nachhaltigkeitsbewertung

Datenlücken bremsen Nachhaltigkeit im Maschinenbau

Prof. Dr.-Ing. Markus Klein von der Hochschule München ist sich sicher, dass Nachhaltigkeit im Maschinenbau zunehmend an strategischer Bedeutung gewinnen wird.

Bild: iStock, vittaya pinpan
16.09.2026

Wie nachhaltig ein Produkt ist, müssen Unternehmen heute genauer bewerten. Dabei spielt Nachhaltigkeit vor allem bei der Materialauswahl und Konstruktion eine Rolle. In der Industrialisierung und Serienproduktion wird sie hingegen seltener berücksichtigt. Gerade dort besteht der größte Handlungsbedarf.

Neue Gesetze verlangen von Unternehmen, den ökologischen Fußabdruck ihrer Produkte genau zu kennen, doch für viele Maschinenbaufirmen ist das eine Herausforderung. In der Regel wird Nachhaltigkeit durch externe Anforderungen wie Regulatorik und Kundenwünsche vorangetrieben. Und in den meisten Firmen werden meistens noch einfache Excel-Lösungen benutzt, um das zu bewerten.

Für ihre Studie befragten Klein und Seibel Nachhaltigkeitsbeauftragte aus 18 überwiegend in den Regionen München und Lüneburg ansässigen Unternehmen. Zunächst wurde mithilfe eines Online-Fragebogens der aktuelle Stand der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Produktentwicklung und Produktion ermittelt, anschließend wurden die Ergebnisse in persönlichen Interviews vertieft. Es wurde untersucht, wie stark Nachhaltigkeit bereits in Produktentwicklung und Produktion verankert ist, welche Methoden und Werkzeuge dabei zum Einsatz kommen und wo weiterer Entwicklungsbedarf besteht.

Ist Nachhaltigkeit in allen Unternehmen angekommen?

Fast alle befragten Firmen berücksichtigen Vorgaben zur Nachhaltigkeit: Große Konzerne verankern Nachhaltigkeit dabei häufig bereits fest in ihren Prozessen und Strukturen, während kleinere und mittlere Unternehmen (KMUs) meist erst reagieren, wenn Kunden oder Gesetze es verlangen. Konkret nennen 89 Prozent Anforderungen zur Material-Compliance, also zur Einhaltung von Stoffvorschriften wie der EU-Chemikalienverordnung REACH, als wichtigsten externen Treiber. 78 Prozent handeln vor allem wegen konkreter Kundenwünsche und 72 Prozent aufgrund der EU-Taxonomie. Vor allem inhabergeführte Unternehmen handeln aber auch aus eigenem Antrieb.

Am häufigsten wird Nachhaltigkeit bei der Auswahl von Materialien und in der Konstruktion berücksichtigt, seltener bei der Industrialisierung und der Serienproduktion. Zur Bewertung setzen 83 Prozent der Unternehmen auf selbst erstellte Excel-Tabellen und damit deutlich häufiger als auf spezialisierte Software oder Systeme zur Planung von Unternehmensressourcen. Die Befragten schätzen die Verständlichkeit und Praxistauglichkeit dieser Werkzeuge selbst als eher gering ein, den nötigen Aufwand – insbesondere für das Datenmanagement – dagegen als hoch. Besonders groß sind die Datenlücken bei der Berücksichtigung der Nutzungsphase und des Lebensendes von Produkten, dem sogenannten End-of-Life. Hier fehlen oft belastbare Zahlen, sodass Unternehmen auf Schätzungen zurückgreifen müssen. Markus Klein stellt fest: „Viele Unternehmen stoßen mit ihren bisherigen Methoden und Tools an Grenzen, weil der Aufwand hoch und die Verfügbarkeit relevanter Daten gering ist.“

Kreislauffähige Produkte als größte Baustelle

Die Studienautoren empfehlen für die Praxis einfachere, KI-gestützte Werkzeuge zur Nachhaltigkeitsbewertung, die sich bereits in frühen Entwicklungsphasen einsetzen lassen, sowie eine bessere Vernetzung der Daten aus Lieferkette, Konstruktion und Produktion. Zudem sollten Unternehmen ihre Bewertungsmethoden und den Datenaustausch stärker vereinheitlichen, um den Aufwand zu senken. Als wichtigsten weiteren Forschungsschritt nennt die Studie die Weiterentwicklung von Ansätzen für zirkuläres Design. Dabei werden Produkte von Anfang an so konzipiert, dass sie sich wiederverwenden und recyceln lassen. Aus Sicht der Befragten ist dies der Bereich mit dem größten Entwicklungsbedarf.

Die Studie „Nachhaltige Transformation im deutschen Maschinenbau“ entstand in Kooperation zwischen der Hochschule München und der Leuphana Universität Lüneburg. Federführend waren Prof. Dr.-Ing. Markus Klein, Leiter des Bachelorstudiengangs Sustainable Engineering an der Fakultät für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Flugzeugtechnik der HM, und Prof. Dr.-Ing. Arthur Seibel vom Institut für Produktionstechnik und -systeme der Leuphana Universität Lüneburg. Ziel war es, den aktuellen Stand der Nachhaltigkeitsintegration in Produktentwicklung und Produktion im deutschen Maschinenbau zu erfassen und den Forschungsbedarf zu identifizieren. Befragt wurden 18 Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen, mehrheitlich aus dem Maschinenbau, der Automobilbranche sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie.

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