Die deutsche Energiewende tritt in eine neue Phase ein. Viele Windkraft- und Photovoltaikanlagen, die in den 2000er- und frühen 2010er-Jahren errichtet wurden, erreichen mittlerweile das Ende ihrer technischen Lebensdauer oder fallen aus der EEG-Förderung heraus. Damit stellt sich den Betreibern die Frage, wie bestehende Standorte künftig wirtschaftlich genutzt werden können. Eine Antwort kann für viele Wind- und PV-Parks das sogenannte „Repowering“ sein.
Was ist Repowering?
Repowering beschreibt allgemein den Austausch alter, bestehender Wind- und Solaranlagen durch eine neue, moderne Technologie. Doch Repowering hat nicht nur den Austausch von Technik zur Folge, sondern auch die Verbesserung der Erträge. Denn moderne Wind- und Solaranlagen ermöglichen eine effizientere Flächennutzung und schaffen Möglichkeiten, bestehende Netzanschlüsse optimal auszuschöpfen. Besonders interessant wird das Repowering in Verbindung mit sogenannten Co-Location-Konzepten, bei denen erneuerbare Erzeugungsanlagen gemeinsam mit Batteriespeichern an einem Standort im Zusammenspiel betrieben werden. Was zunächst wie eine technische Modernisierung erscheint, kann sich in der Praxis zu einer umfassenden Standortoptimierung entwickeln.
Wie alte Windkraft-Anlagen neue Potenziale freisetzen
Die technologische Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien war in den vergangenen zwanzig Jahren enorm. Während viele ältere Anlagen nach wie vor zuverlässig Strom produzieren, arbeiten moderne Systeme deutlich effizienter. Dies wird besonders beim Windkraft-Repowering sichtbar. Neue Windenergieanlagen erreichen größere Nabenhöhen – das ist die Höhe vom Boden bis zur Mitte des Windrad-Rotors – und verfügen über deutlich größere Rotordurchmesser als ihre Vorgänger. Dadurch erschließen sie stärkere und vor allem gleichmäßigere Windverhältnisse in höheren Luftschichten. Gleichzeitig sorgen Fortschritte in Aerodynamik, Steuerungstechnik und Anlagenregelung dafür, dass aus jedem Quadratmeter überstrichener Rotorfläche mehr Energie gewonnen werden kann. Das Ergebnis: Oft können auf derselben Fläche weniger Anlagen deutlich mehr Strom erzeugen als die vorherige Windparkgeneration.
Mit Photovoltaik-Repowering höheren Wirkungsgrad erzielen
Ähnlich verhält es sich bei Photovoltaikanlagen. Während Solarmodule vor fünfzehn oder zwanzig Jahren Wirkungsgrade von etwa 15 Prozent erreichten, liegen moderne Module heute vielfach bei über 20 Prozent. Zusätzlich profitieren Betreiber von einem besseren Schwachlichtverhalten und von bifazialen Technologien, die auch reflektiertes Licht nutzen können. Dadurch steigt nicht nur die installierbare Leistung pro Fläche, sondern häufig auch der tatsächliche Energieertrag.
Mehr Leistung auf weniger Fläche
Der Mehrwert des Repowerings liegt jedoch nicht nur in höheren Stromerträgen. Moderne Anlagen benötigen oft deutlich weniger Fläche für dieselbe Leistung. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das Potenzial: Ein bestehender Solarpark mit einer Leistung von 6 MWp)könnte mit älteren Modulen rund 9 Hektar Fläche beanspruchen. Werden diese Module durch moderne Technologie ersetzt, bleibt die Leistung bei 6 MWp, doch der notwendige Flächenbedarf reduziert sich auf etwa 6 ha. Rund ein Drittel der Fläche wird dadurch frei. Diese freigewordenen Flächen eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Anstatt ungenutzt zu bleiben, können sie beispielsweise für Batteriespeicher, zusätzliche Transformatoren oder weitere Netzinfrastruktur genutzt werden. Genau hier beginnt die Verbindung zwischen Repowering und Co-Location.
Warum Batteriespeicher der logische nächste Schritt sind
Die Kombination aus Repowering und Batteriespeichern wird zunehmend als natürliche Weiterentwicklung bestehender Energieparks betrachtet. Der Grund dafür liegt in der Infrastruktur, die bereits vorhanden ist. Ein Netzanschlusspunkt zählt heute zu den wertvollsten Bestandteilen eines Energieprojekts. Neue Netzanschlüsse zu erhalten, wird vielerorts schwieriger und zeitaufwendiger. Bei einem Repowering-Projekt existiert die Netzanbindung jedoch bereits. Gleichzeitig entstehen durch die Modernisierung häufig Flächenreserven. Damit sind zwei der wichtigsten Voraussetzungen für einen Batteriespeicher bereits erfüllt.
Ein zusätzlicher Batteriespeicher kann darüber hinaus die Wirtschaftlichkeit eines Standorts erheblich verbessern. Moderne Wind- und Solaranlagen erzeugen mehr Strom als ihre Vorgänger und damit auch häufiger hohe Leistungsspitzen. Statt diese Energie in Zeiten niedriger oder sogar negativer Strompreise direkt einzuspeisen, kann sie zwischengespeichert und zu einem wirtschaftlich attraktiveren Zeitpunkt vermarktet werden.
Co-Location als ganzheitliches Standortkonzept
Der Vorteil von Co-Location-Batteriespeicher liegt darin, einen Standort nicht mehr isoliert als Windpark, Solarpark oder Batteriespeicher zu betrachten, sondern als integriertes Energiesystem. So können beispielsweise leistungsstärkere Solarmodule gemeinsam mit einem Batteriespeicher und einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge betrieben werden. Gerade bei PV-Repowering-Projekten eröffnet dies interessante zusätzliche Erlösmöglichkeiten. Lokale Ladepunkte können den erzeugten Solarstrom direkt nutzen und unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Erträge über die sogenannte THG-Prämie (Treibhausgasminderungsquote) zu generieren. Aus einem klassischen Solarpark wird dadurch ein multifunktionaler Energie- und Mobilitätsstandort. Der vorhandene Netzanschluss wird effizienter genutzt, während gleichzeitig neue Geschäftsmodelle entstehen.
Vom Repowering zur Standortoptimierung
Repowering bedeutet weit mehr, als alte Wind- oder Solaranlagen zu erneuern. Durch die Modernisierung bestehender Standorte werden ideale Voraussetzungen geschaffen, um zusätzliche Technologien wie Batteriespeicher in ein ganzheitliches Co-Location-Konzept zu integrieren. Freiwerdende Flächen, vorhandene Netzanschlüsse und leistungsfähigere Erzeugungsanlagen bilden gemeinsam die Grundlage für eine neue Generation von Energieprojekten.
Wer heute über Repowering nachdenkt, sollte deshalb nicht nur die Erzeugungsanlage betrachten. Die Chance liegt darin, den Standort als Gesamtsystem neu zu planen. Denn häufig entsteht der größte Mehrwert nicht durch den Austausch einzelner Komponenten, sondern durch die intelligente Kombination aus Erzeugung, Speicherung und Verbrauch. Co-Location entwickelt sich somit vom technischen Trend zum entscheidenden Baustein einer erfolgreichen und wirtschaftlichen Energiewende.