Vattenfall und Terralayr haben einen Multi-Asset-Capacity-Toll für Batteriespeicher vollständig in Betrieb genommen. Nach dem gestaffelten Hochlauf seit Januar stehen Vattenfall ab sofort die vollen 55 MW aus dem siebenjährigen Vertrag im Live-Betrieb zur Verfügung. Dazu bündelt Terralayr über die Flexibilitäts-Plattform LAYR acht dezentrale Großspeicher in Deutschland zu einer einfach steuerbaren, aggregierten virtuellen Batterie.
Physische Lieferung aus virtuellem Portfolio
Anders als beim physischen Batterie-Tolling bezieht sich die Nutzung nicht auf eine einzelne physisch identifizierbare Batterie, die direkt vom Toller angeschlossen und gesteuert wird. Dennoch findet die Stromlieferung entsprechend der Signale von Vattenfall – anders als bei rein finanziell strukturierten virtuellen Tolls – physisch statt, gedeckt von einem realen Portfolio von Speichern. Die Anlagen bleiben im Bilanzkreis und Regelleistungspool von Terralayr; Vattenfall erhält die wirtschaftlich nutzbare Flexibilität aus dem aggregierten Portfolio, während Terralayr über LAYR die technische Bündelung, Einsatzsteuerung und bilanzielle Abwicklung übernimmt.
„Das ist der erste operative Multi-Asset-Capacity-Toll für Batteriespeicher in Europa, wenn nicht sogar weltweit – vollständig geliefert und stabil im Betrieb. Speicherflexibilität wird damit so beschaffbar wie Cloud-Kapazität: standardisiert und skalierbar“, sagt Philipp Man, Co-Founder und CEO von Terralayr. Der Hochlauf erfolgte stufenweise: Nach den ersten 5 MW im Januar 2026 folgten im Juni und Juli weitere Tranchen. Mit der letzten Tranche erreicht das virtuelle Portfolio nun die volle vertraglich vereinbarte Leistung von 55 MW. Seit dem Start im Januar läuft der Betrieb stabil – über alle Ausbaustufen hinweg.
Mit dem wachsenden Anteil wetterabhängiger Erzeugung steigt der Bedarf an kurzfristig verfügbarer Flexibilität. Batteriespeicher können diese Flexibilität bereitstellen, werden aber häufig als einzelne Projekte entwickelt, finanziert und vermarktet. Virtuelle Tolling-Modelle ermöglichen Energiehändlern, Versorgern oder Industrieunternehmen eine standardisierte Beschaffung von dringend notwendigen Kapazitäten ohne eigene Investition oder Betriebsaufwand.
Einsatzsteuerung über die Plattform LAYR
In der Umsetzung entscheidet Vattenfall basierend auf Marktsignalen und Portfoliobedarf beispielsweise, 25 MW für eine Stunde zu laden sowie zur Unterstützung des Netzes 30 MW in die Regelleistung zu bieten. Die Plattform LAYR verteilt diesen Abruf, nebst den Signalen anderer Abnehmer, automatisiert und lastoptimiert auf das dahinterliegende Portfolio von Speichern. Dabei steht die virtuelle, aggregierte Batterie der physischen in nichts nach; Vattenfall kann mit der Kapazität alle Großhandelsmärkte sowie die Primär- und Sekundärregelleistung bedienen.
Das Portfolio reduziert die Abhängigkeit von einem einzelnen Speicherstandort: Fällt ein Asset aus oder steht zeitweise nicht zur Verfügung, verteilt LAYR die Einsatzplanung auf die verbleibenden Speicher im Portfolio. Gerade im Kontext zunehmend verbreiteter Einschränkungen einzelner Speicher durch sogenannte flexible Netzanschlussvereinbarungen kann dies besonders hilfreich sein. Auch die natürliche Degradation der Batterien ist im Kapazitätsmodell berücksichtigt. Die verfügbare Leistung folgt den garantierten Degradationskurven der eingebundenen Speicher.
Energieversorger wie Vattenfall beschaffen Flexibilität damit ohne den klassischen Aufwand der Betreiberrolle, ohne eigene Investitionskosten, bilanzneutral und skalierbar: Weitere physische Speicher können standardisiert an die LAYR-Plattform angebunden und in virtuelle Portfolios integriert werden. Auch Unternehmen, die eigene Batterien nicht vollumfänglich nutzen, können ihre Kapazität über die LAYR-Plattform vermarkten – und Vattenfall könnte sie sich künftig per Klick zuschalten. „Wir sprechen von ‚One-Click-Tolling‘, weil sich zusätzliche Speicherkapazität perspektivisch standardisiert über die Plattform zuschalten lässt“, sagt Tobias Geimer, der das Projekt bei Terralayr verantwortet. So wird Speicherkapazität handelbar, standardisierbar und finanzierbar.
Bedeutung für Stromhandel und Stromsystem
„Für die Vermarktung erneuerbarer Energien wird kurzfristig verfügbare Flexibilität immer wichtiger. Das virtuelle Batterieportfolio von Terralayr ermöglicht uns, Speicherkapazität skalierbar in unsere Handelsprozesse einzubinden. Wir bei Vattenfall sind stolz darauf, dass der erste virtuelle Toll in Deutschland seine vertraglich vereinbarte Kapazität erreicht hat. Als erster Vertrag seiner Art erforderte dies eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit beider Teams, um das Projekt zum Erfolg zu führen. Der stufenweise Hochlauf auf 55 MW zeigt, dass solche Portfolio-Strukturen operativ funktionieren und eine wichtige Rolle im flexibleren Stromsystem übernehmen können“, sagt Björn Schneegans, Director Commodity Origination bei Vattenfall.