Standortdefizite bremsen deutschen Batterie-Hochlauf

Batterieindustrie boomt und Deutschland schaut nur zu

Die globale Nachfrage nach Batterien wächst jährlich um 43 Prozent und Deutschland profitiert davon kaum. Vier Industrieverbände fordern deshalb gezielte industriepolitische Unterstützung.

Bild: iStock, Olemedia
13.07.2026

Batterien sind entscheidend für Elektromobilität, Energieversorgung und Verteidigungsfähigkeit. Deutschland forscht seit Jahren an Batterietechnologie und erzielt dabei Weltklasse-Ergebnisse, doch Unternehmen scheitern immer wieder beim Markteintritt. Vier Industrieverbände – KLiB, VCI, VDMA und ZVEI – schlagen deshalb Alarm und fordern ein industriepolitisches Konzept für den Aufbau der Batterieindustrie in Deutschland.

Die Industrieverbände KLiB, VCI, VDMA und ZVEI drängen auf eine systematische Verbesserung der Rahmenbedingungen und ein faires Wettbewerbsumfeld, um den Aufbau der Batterieindustrie in Deutschland und Europa zu sichern. Sie fordern die Bundesregierung und insbesondere das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) auf, den Aufbau des Batterie-Ökosystems auch industriepolitisch gezielter zu unterstützen.

Strukturelle Defizite bremsen den Markteintritt

Deutschland hat eine kompetente und international wettbewerbsfähige Batterie-Forschungslandschaft etabliert. Doch nach langjährigen Investitionen in Forschung und Entwicklung scheitern Unternehmen immer wieder am Markteintritt. Das liegt nicht an fehlender technischer Kompetenz oder unglücklichen Umständen. Zu oft sind strukturelle Standortdefizite, unzureichende Skalierungsbedingungen und eine wenig ambitionierte Industriepolitik die Ursache. Unternehmen brauchen Rahmenbedingungen, die das Hochfahren und die Skalierung der Produktion ermöglichen.

Neue Industrien brauchen neue politische Instrumente

Der Aufbau einer neuen Industrie erfordert andere politische Instrumente als die Stabilisierung bestehender Strukturen. Die Batterieindustrie braucht Rahmenbedingungen, die es neuen Industrien mit innovativen Technologien ermöglichen, in den Massenmarkt einzutreten, damit aus Forschungserfolgen industrielle Wertschöpfung entsteht. Passiert das nicht, droht der Abfluss von mühsam erworbenem Wissen und wertvollen Patenten in andere Weltregionen. „Erfunden in Deutschland, verloren an die Welt“ darf bei Batterien nicht zum neuen Markenzeichen werden.

Globales Wachstum – Deutschland kaum dabei

Batterien sind eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Die globale Nachfrage nach Batterien ist in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 43 Prozent pro Jahr gewachsen. Es ist nicht hinnehmbar, dass Deutschland an diesem enormen Wachstum in einer für den Standort so wichtigen Technologie kaum partizipiert. Dabei hat Deutschland alle nötigen Voraussetzungen: eine gut ausgebaute Forschungslandschaft, technologisch leistungsfähige Unternehmen sowie Industrien, die Batterien nachfragen. Was jetzt fehlt, ist ein industriepolitisches Konzept, das diese Faktoren zusammenführt und dem deutschen Batterieökosystem im europäischen Rahmen Skalierung ermöglicht.

Technologische Souveränität als Sicherheitsfrage

Zu Recht identifiziert die Bundesregierung Batterien sowohl in der Hightech-Agenda für Deutschland (HTAD) als auch im Programm für Aufschwung und Beschäftigung als essenzielle Schlüsseltechnologie für den Innovationsstandort Deutschland. Nun ist es wichtig, dass die innovationspolitischen Ambitionen auch industriepolitisch aufgegriffen werden. Denn Batterieinnovationen entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit in der Elektromobilität ebenso wie in der kritischen Infrastruktur (Energieversorgung, Rechenzentren, Kommunikationstechnik und so weiter), bei Power Tools, Bahntechnik, E-Bikes, Robotik, Drohnen und Raumfahrttechnologie.

Besonders kritisch ist diese Abhängigkeit in der Wehrtechnik. Hier ist die Beherrschung der Lieferketten zwingend erforderlich, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands im Ernstfall zu gewährleisten. Die Verbände betonen, dass die Beherrschung der Technologie und ihrer Lieferketten essenziell ist, um Abhängigkeiten von außereuropäischen Akteuren zu vermeiden und die technologische Souveränität Deutschlands zu wahren.

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