Die Industrieverbände KLiB, VCI, VDMA und ZVEI drängen auf eine systematische Verbesserung der Rahmenbedingungen und ein faires Wettbewerbsumfeld, um den Aufbau der Batterieindustrie in Deutschland und Europa zu sichern. Sie fordern die Bundesregierung und insbesondere das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) auf, den Aufbau des Batterie-Ökosystems auch industriepolitisch gezielter zu unterstützen.
Strukturelle Defizite bremsen den Markteintritt
Deutschland hat eine kompetente und international wettbewerbsfähige Batterie-Forschungslandschaft etabliert. Doch nach langjährigen Investitionen in Forschung und Entwicklung scheitern Unternehmen immer wieder am Markteintritt. Das liegt nicht an fehlender technischer Kompetenz oder unglücklichen Umständen. Zu oft sind strukturelle Standortdefizite, unzureichende Skalierungsbedingungen und eine wenig ambitionierte Industriepolitik die Ursache. Unternehmen brauchen Rahmenbedingungen, die das Hochfahren und die Skalierung der Produktion ermöglichen.
Neue Industrien brauchen neue politische Instrumente
Der Aufbau einer neuen Industrie erfordert andere politische Instrumente als die Stabilisierung bestehender Strukturen. Die Batterieindustrie braucht Rahmenbedingungen, die es neuen Industrien mit innovativen Technologien ermöglichen, in den Massenmarkt einzutreten, damit aus Forschungserfolgen industrielle Wertschöpfung entsteht. Passiert das nicht, droht der Abfluss von mühsam erworbenem Wissen und wertvollen Patenten in andere Weltregionen. „Erfunden in Deutschland, verloren an die Welt“ darf bei Batterien nicht zum neuen Markenzeichen werden.
Globales Wachstum – Deutschland kaum dabei
Batterien sind eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Die globale Nachfrage nach Batterien ist in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 43 Prozent pro Jahr gewachsen. Es ist nicht hinnehmbar, dass Deutschland an diesem enormen Wachstum in einer für den Standort so wichtigen Technologie kaum partizipiert. Dabei hat Deutschland alle nötigen Voraussetzungen: eine gut ausgebaute Forschungslandschaft, technologisch leistungsfähige Unternehmen sowie Industrien, die Batterien nachfragen. Was jetzt fehlt, ist ein industriepolitisches Konzept, das diese Faktoren zusammenführt und dem deutschen Batterieökosystem im europäischen Rahmen Skalierung ermöglicht.
Technologische Souveränität als Sicherheitsfrage
Zu Recht identifiziert die Bundesregierung Batterien sowohl in der Hightech-Agenda für Deutschland (HTAD) als auch im Programm für Aufschwung und Beschäftigung als essenzielle Schlüsseltechnologie für den Innovationsstandort Deutschland. Nun ist es wichtig, dass die innovationspolitischen Ambitionen auch industriepolitisch aufgegriffen werden. Denn Batterieinnovationen entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit in der Elektromobilität ebenso wie in der kritischen Infrastruktur (Energieversorgung, Rechenzentren, Kommunikationstechnik und so weiter), bei Power Tools, Bahntechnik, E-Bikes, Robotik, Drohnen und Raumfahrttechnologie.
Besonders kritisch ist diese Abhängigkeit in der Wehrtechnik. Hier ist die Beherrschung der Lieferketten zwingend erforderlich, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands im Ernstfall zu gewährleisten. Die Verbände betonen, dass die Beherrschung der Technologie und ihrer Lieferketten essenziell ist, um Abhängigkeiten von außereuropäischen Akteuren zu vermeiden und die technologische Souveränität Deutschlands zu wahren.