Beschäftigung sinkt und Arbeitslosigkeit stagniert

Arbeitsmarkt unter Druck: Beschäftigung erstmals wieder im Minus

Der IAB-Frühindikator für Juni zeigt: Die Beschäftigungskomponente befindet sich erstmals seit Beginn der Pandemie im negativen Bereich.

Bild: iStock, gopixa
01.07.2026

Erstmals seit der Pandemie ist die Beschäftigungskomponente des IAB-Frühindikators unter die Neutralmarke gerutscht – ein Signal, das Entscheider aufhorchen lassen sollte. Der demografische Wandel, rückläufige Migration und die anhaltende Wirtschaftsschwäche belasten den deutschen Arbeitsmarkt gleichzeitig von mehreren Seiten. Welche Auswirkungen das auf die Beschäftigung in den kommenden Monaten haben wird, zeichnet sich bereits ab.

Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stagniert im Juni bei 99,6 Punkten. Die Komponente zur Vorhersage der Beschäftigung liegt erstmals seit Beginn der Pandemie wieder im negativen Bereich. Damit machen sich die Folgen des demografischen Wandels am Arbeitsmarkt zunehmend bemerkbar. Das European Labour Market Barometer bleibt mit 100,1 Punkten im Juni zum dritten Mal in Folge unverändert.

Beschäftigung unter Druck – von mehreren Seiten

Die Beschäftigungskomponente in Deutschland sinkt im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf 99,9 Punkte und befindet sich somit unter der neutralen Marke von 100 Punkten. „Die jahrelange Wirtschaftsschwäche, die wirtschaftlichen Folgen der geopolitischen Konflikte, die rückläufige Migration und das schrumpfende Arbeitskräftepotenzial setzen die Beschäftigung von verschiedenen Seiten unter Druck“, erklärt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.

Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit hingegen setzt ihre Aufwärtsentwicklung Richtung 100 fort und steigt im Juni um 0,2 Punkte auf 99,3 Punkte. Seit 2011 liegt die Beschäftigungskomponente im Mittel 3,7 Punkte höher als die Arbeitslosigkeitskomponente. Seit 2023 nähern sich beide Werte jedoch aneinander an; heute liegen die Komponenten fast gleichauf. „Die demographische Schrumpfung ist endgültig am Arbeitsmarkt angekommen: Die Beschäftigung sinkt, während die Zunahme der Arbeitslosigkeit zu einem Ende kommt“, so Weber. Hinzu kommt die Wirtschaftsschwäche, die sich auch in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit bemerkbar macht.

Europäischer Arbeitsmarkt bleibt stabil

Das European Labour Market Barometer steht seit nun drei Monaten bei 100,1 Punkten. Die Werte des Frühindikators des Europäischen Netzwerks der öffentlichen Arbeitsverwaltungen und des IAB signalisieren in den nächsten Monaten keine größeren Änderungen am europäischen Arbeitsmarkt.

Datengrundlage

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein seit November 2008 bestehender Frühindikator. Er basiert auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen. Fast alle Arbeitsagenturen hatten die Umfrage bereits vor Bekanntwerden des USA-Iran-Abkommens am 14. Juni beantwortet.

Das European Labour Market Barometer ist ein monatlicher Frühindikator, der auf einer seit Juni 2018 gemeinsam von den 18 Arbeitsverwaltungen und dem IAB durchgeführten Befragung der lokalen oder regionalen Arbeitsagenturen der teilnehmenden Länder basiert. Dazu zählen: Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft, Wallonien), Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Island, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien und Zypern.

Während Komponente A des IAB-Arbeitsmarktbarometers und des European Labour Market Barometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus diesen beiden Komponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ bildet den Gesamtwert der beiden Barometer. Dieser Indikator gibt somit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarktes. Da das Saisonbereinigungsverfahren laufend aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernt, kann es zu nachträglichen Revisionen kommen. Die Skala der Barometer reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

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