Die Reserven sind aufgebraucht und Insolvenzen steigen weiter

Krisen fressen sich weiter durch die Wirtschaft

Im Juli waren mehr als 13.000 Arbeitsplätze von Großinsolvenzen betroffen.

Bild: iStock, erhui1979
10.08.2026

Im Juli waren mehr als 13.000 Arbeitsplätze von Großinsolvenzen betroffen. In der Industrie waren es knapp 6.000. Die Frühindikatoren liegen auf Rekordniveau. Was kommt also auf Beschäftigte und Unternehmen zu?

Sind die Firmenpleiten im Juli weiterhin auf sehr hohem Niveau? Laut IWH-Insolvenztrend liegt die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Juli bei 1.689. Das sind 1 Prozent weniger als im Juni, aber 7 Prozent mehr als im Juli 2025. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Juli der Jahre 2016 bis 2019 – also vor der Corona-Pandemie – ist die aktuelle Zahl um 75 Prozent höher. Die Zahl der Insolvenzen bleibt damit auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.

Insolvenz-Höchststände in einzelnen Branchen

Eine branchenspezifische Aufschlüsselung für insolvente Personen- und Kapitalgesellschaften wird vom Statistischen Bundesamt nicht veröffentlicht. Entsprechende Daten werden vom IWH seit Januar 2020 erhoben. Im Juli gab es im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen sowie im Bereich der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen die höchste jemals im Insolvenztrend erfasste Zahl an Insolvenzen. Ungewöhnlich niedrig war die Zahl der Insolvenzen dagegen im Gastgewerbe.

Mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen

Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze liefert zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen Jobs. Laut IWH-Insolvenztrend waren im Juli in den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten leicht unter der im Juni (-6 Prozent), aber 26 Prozent über dem Vorjahresmonat und 47 Prozent über dem Juli-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019. In der Industrie waren mit knapp 6.000 Jobs etwas mehr Arbeitsplätze betroffen als im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. Die Werte für die Industrie blieben aber deutlich unter den Höchstständen um die Jahreswende 2024/2025.

Frühindikatoren erreichen neuen Höchstwert

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel um zwei bis drei Monate voraus sind. Im Mai und Juni hatten sich die Frühindikatoren auf einem hohen Niveau eingependelt. Im Juli erreichten sie einen neuen Höchstwert und lagen nochmals leicht über dem bisherigen Rekordwert aus dem Juli 2025, was auch auf die hohe Zahl von 23 Werktagen in diesem Monat zurückzuführen ist. „Die lange Krise hat offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen.“

IWH-Insolvenztrend: Hintergrund, Daten, Methodik:

Der IWH-Insolvenztrend des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) liefert jeden Monat einen Befund zum Insolvenzgeschehen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland. Für seine Analysen wertet das IWH die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft sie mit Bilanzkennzahlen der betroffenen Unternehmen. Die im IWH-Insolvenztrend gemeldeten Insolvenzen von Kapital- und Personengesellschaften umfassen in der Regel mehr als 90 Prozent der von Unternehmensinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze und 95 Prozent der Forderungen. Damit bilden diese Zahlen die direkten volkswirtschaftlichen Konsequenzen des Insolvenzgeschehens verlässlich ab. Anders abgegrenzt sind Statistiken zu Regelinsolvenzen und Unternehmensinsolvenzen. Letztere umfassen neben Unternehmensinsolvenzen auch bestimmte natürliche Personen wie Selbstständige oder ehemals Selbstständige mit unüberschaubaren Vermögensverhältnissen sowie privat haftende Gesellschafter und Einzelunternehmer. Die amtliche Statistik zu den Unternehmensinsolvenzen erfasst zusätzlich zu den im IWH-Insolvenztrend erfassten Personen- und Kapitalgesellschaften auch die gesamtwirtschaftlich wenig relevante Gruppe der Kleinstunternehmen. Die Zahl der insolventen Personen- und Kapitalgesellschaften macht weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen und etwa zwei Drittel der Unternehmensinsolvenzen aus. Aufgrund der Vielzahl gesamtwirtschaftlich unbedeutender Insolvenzfälle können sich die prozentualen monatlichen Veränderungen bei den Regelinsolvenzen und den Unternehmensinsolvenzen deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften unterscheiden.

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