Batteriepass bringt Transparenz für Batteriespeicher

Ab 2027 Pflicht: Der Batteriepass wird zur Betriebsfrage

Der Batteriepass schafft Transparenz für Batteriespeicher und ist ab 2027 für große Energiespeicher Pflicht.

Bild: iStock, akinbostanci
26.04.2026

BESS boomen: Ab 2027 gilt der digitale Batteriepass auch für stationäre Speicher, BESS-Anwendungen und Grid-Booster. Die EU-Batterieverordnung schreibt Angaben zu Lieferketten, CO2-Fußabdruck und Recycling im digitalen Batteriepass vor – gleichzeitig müssen sensible Details kontrolliert bleiben. In komplexen Speichersystemen wird der Batteriepass zu einem wichtigen Helfer bei Betrieb, Wartung und Recycling.

Batteriespeichersysteme (BESS) erleben derzeit einen Boom in Deutschland. Ende 2025 waren etwa 25 GWh BESS-Kapazität installiert, weitere zehn GWh sind geplant. Der Bedarf ist jedoch weitaus höher. Für diesen Markt gilt ab 2027 die EU-Batterieverordnung, die für Industriebatterien mit einer Kapazität von über zwei kWh einen digitalen Batteriepass vorschreibt. Dieser muss Informationen zu Lieferketten, dem CO2-Fußabdruck und dem Recycling enthalten.

Technisch gesehen ist der Batteriepass ein Datensatz in einem dezentralen Cloud-Speicher. Der Zugriff darauf erfolgt über eine eindeutige Kennung, die sich direkt am Gehäuse der Batterie befindet. Die meisten Hersteller nutzen dafür einen QR-Code, der mit jedem Smartphone auslesbar ist. Dieser führt zu einer Website, die wiederum auf eine Online-Datenbank zugreift.

Sichere Daten: So bleibt Information kontrolliert

Die darin enthaltenen Informationen müssen laut Batterieverordnung verifizierbar, manipulationssicher und rollenbasiert zugänglich sein. Möglich wird das durch offene Standards wie dezentrale Identifikatoren und kryptografisch signierte Nachweise. So kann jeder Interessierte allgemeine Nachhaltigkeitsinformationen einsehen, während die Betreiber, ihre Geschäftspartner und die Behörden auf detaillierte, nicht öffentliche Daten zugreifen. Durch diese Trennung werden sensible Informationen nicht unkontrolliert verbreitet.

Der Batteriepass gilt auch für stationäre Batteriespeicher, BESS-Anwendungen und Grid-Booster-Großbatterie-Projekte, wie sie beispielsweise von der EnBW-Tochter TransnetBW umgesetzt werden. TransnetBW stabilisiert das Höchstspannungsnetz mithilfe eines Batteriespeichers. Dadurch wird der Pass zu einem wichtigen operativen Thema für die Hersteller und ihre Geschäftspartner. Im Unterschied zu Industriebatterien mit Produktcharakter sind BESS jedoch komplexe technische Systeme, die unter anderem aus Modulen, Batteriepacks, Containern und Steuersystemen bestehen.

BESS als System: Ein Pass reicht nicht

Das gesamte Paket an Informationen ist deutlich umfangreicher als bei einzelnen Industrie- oder Fahrbatterien. Dies ist besonders bei der Wartung der Systeme, dem Austausch einzelner Module oder Batteriepacks, der Weiternutzung im „Second Life“ und dem Remanufacturing von Bedeutung. Aufgrund der heterogenen Zusammensetzung der BESS-Systeme besteht ihr Batteriepass im Grunde aus mehreren einzelnen Produktpässen, die über die jeweiligen Bauelemente berichten.

Deshalb wird der BESS-Batteriepass zu einem Instrument für den gesamten Lebenszyklus und den Betrieb, das auch Angaben zum State of Health (SoH) der einzelnen Batteriemodule sowie zu Zustandsänderungen und belastbaren Lebenszyklusdaten enthält. Dies ist insbesondere im BESS-Betrieb relevant, da hier zukünftig auch gebrauchte Batterien aus der Elektromobilität zum Einsatz kommen werden. Dafür sind genaue Informationen über die Geschichte der Module und Bauteile von besonderer Bedeutung.

Plattformen als Basis für sicheren Austausch im BESS‑Markt

Der Batteriepass erfordert von den Herstellern deshalb eine leistungsfähige technologische Infrastruktur, wie sie die Spherity mit ihrer VERA-Plattform bietet. Diese Plattform bildet die Grundlage für einen vertrauenswürdigen Datenaustausch zwischen den Akteuren im BESS-Markt und ermöglicht vor allem den kostengünstigen Einsatz gebrauchter Batterien sowie das Recycling aussortierter Module.

Neben den OEMs sind an BESS auch Systemintegratoren und Servicepartner sowie Vermarkter und Betreiber beteiligt. Zwischen diesen und weiteren Rollen müssen alle Daten geteilt werden, was zu einer wichtigen Anforderung führt. Da es sich hier um kritische Infrastruktur handelt, geht es neben dem Datenaustausch auch um Datenhoheit, Zugriffsrechte und Identitäten. Ein wichtiger Referenzrahmen für Deutschland ist Energy Data-X, das erste Datenökosystem für den Energiesektor, das einen sicheren Datenaustausch gewährleistet.

Der Batteriepass geht weit über eine reine Dokumentationspflicht hinaus. Er wird zum zentralen Instrument für den Betrieb, die Wartung und die Wiederverwertung komplexer Speichersysteme. Damit steigen die Anforderungen an Sicherheit und Interoperabilität deutlich. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten für die nachhaltige Nutzung von Batterien.

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  • Dr. Carsten Stöcker ist Geschäftsführer der Spherity.

    Dr. Carsten Stöcker ist Geschäftsführer der Spherity.

    Bild: Spherity

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