Die vertikalen Schälzentrifugen von Heinkel verarbeiten unter anderem den weißen Kandiszucker Klantje, der vorzugsweise für den Ostfriesentee verwendet wird.

Bild: Pixabay, ariesa66

Sondermaschinen für die Fest-Flüssig-Trennung Zuckerkristalle waschen und trocknen

27.09.2018

Besondere Produkte stellen besondere Ansprüche an den Herstellungsprozess. Für unterschiedliche Anwendungen der industriellen Fest-Flüssig-Trennung bietet Heinkel Process Technology Lösungen für die Chemie-, Feinchemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie. Eine solche Lösung ist kürzlich bei einem belgischen Zuckerhersteller umgesetzt worden.

Mit über 500 Jahren Erfahrung in der Zuckerproduktion zählt die Raffinerie Tirlemontoise zu den traditionsreicheren Unternehmen der Branche. Nahe der belgischen Stadt Antwerpen entstehen Produkte von Rohrohrzucker über Zuckersirup bis hin zum großkristallinen Kandiszucker.

Für die Herstellung des sogenannten bernsteinfarbenen Kluntjes (großer Würfelkandis) waren zuvor zwei Zentrifugen im Einsatz. Installiert auf engstem Raum waren die beiden Maschinen nur manuell zu bedienen, sowohl was die Beschickung, das Starten und Überwachen des Waschzyklus als auch das Entleeren anging. Die Befüllung erfolgte aus einem gemeinsamen Trog heraus, der lediglich die Menge Kandis für je eine der beiden Zentrifugen fasste. Zudem stand dem Bediener für beide Trommeln nur eine einzige, nicht optimal geeignete Füllvorrichtung zur Verfügung.

Aufgrund des produkttypischen breiten Korngrößenspektrums von 0,5 bis 35 Millimetern bestand stets die Gefahr der Unwucht bei ungünstiger Trommelbefüllung. Das Entleeren erfolgte manuell über ein Bodenventil in einen unterhalb der Maschine platzierten Auffangbehälter. Verbleibende Kristalle kehrte der Bediener von Hand aus der Trommel heraus. Insgesamt zeigte sich der gesamte Prozessablauf als wenig zeitgemäß.

Konstante Kandisproduktion

Eine neue Lösung für das Zentrifugieren der Kandiszuckerkristalle sollte die Ansprüche an Effizienz und Zuverlässigkeit umfassender erfüllen und dabei die spezifischen Verfahrensanforderungen der Raffinerie Tirlemontoise berücksichtigen. Die Hauptaufgabe der Zentrifuge besteht im Waschen der Kandiskristalle beziehungsweise dem Abschleudern der anhaftenden Zuckerlösung. Im Anschluss an den mehrere Tage bis Wochen dauernden Kristallisationsprozess muss außerdem noch das Trockenschleudern erfolgen.

In nur rund sieben Monaten Projektlaufzeit ist es Heinkel Process Technology gelungen, die veralteten Zentrifugen durch eine speziell zugeschnittene und vollautomatische Untenentleerzentrifuge des Typs V 1250 BC mit Vollflächenausräumer zu ersetzen. Sie soll sämtliche Anforderungen hinsichtlich Durchsatzleistung, Waschergebnis und Kandisqualität erfüllen. Die Beschickung erfolgt nun nicht mehr über den Fülltrog, sondern mittels einer geschlossenen Füllvorrichtung.

Zur Installation der Zentrifuge tauschte Heinkel die bestehenden Rohrleitungen unter Beachtung der Vorgaben der Lebensmittelindustrie durch neue aus. Zudem führten die Ingenieure das Gehäuse in kleinerer Bauweise aus, sodass auch bei einer Deckenhöhe von nur 2,60 Metern Wartungsarbeiten durchgeführt werden können.

Eingebunden in den Prozessablauf der Kandisproduktion gewährleistet die automatische Betriebsweise der Zentrifuge konstante Betriebsbedingungen. Auch die Anpassung der Fahrweise an wechselnde Produkteigenschaften stellt laut Heinkel nun kein Problem mehr dar. Vollautomatisch erfolgt zudem der Reinigungsprozess mittels CIP-System, um nach voreingestellten Chargen eine vollständige Reinigung von Gehäuse und Zentrifugentrommel durchzuführen.

Vorgehensweise des Projekts

Um die Anforderungen und Wünsche der Raffinerie Tirlemontoise umzusetzen, verschafften sich die Heinkel-Ingenieure zunächst ein Bild von der Ausgangssituation vor Ort. Im gemeinsamen Projektteam mit den zuständigen Ingenieuren des Zuckerherstellers erfolgten die Bestandsaufnahme und die Analyse von:

  • Gebäudestruktur

  • Rohrleitungsbau

  • und der Anforderungen von Peripherie und Herstellungsverfahren bezüglich Baugröße, Teilung des Gehäuses, Füll- und Austragsvorrichtung, Antrieb, Steuerung und Wartung sowie der speziellen Hygienevorschriften der Lebensmittelindustrie.

Auf Basis dieser Daten erarbeitete Heinkel eine maßgeschneiderte Sonderlösung. Innerhalb des Projektteams erfolgte die Abstimmung von Bauphase im Werk sowie Konstruktion und Fertigung der Zentrifuge bei Heinkel in Besigheim. Auf diese Weise waren Kunde und Lieferant ständig über den Projektfortschritt informiert, was laut Heinkel nicht zuletzt zur erfolgreichen Umsetzung innerhalb des eng gesteckten Zeitplans beigetragen hat.

Bildergalerie

  • Die Zentrifuge des Typs V 1250 BC sowie produktberührte Teile aus dem Werkstoff Edelstahl (1.4571) mit Siemens-Steuerung und HMI.

    Bild: Heinkel

  • Ein Gehäuse mit Antriebsmotor und automatischem Schmiersystem für die Lagerung.

    Bild: Heinkel

  • Das Mannloch im Deckel ist mit einem Sicherheitsdrahtgewebe ausgestattet.

    Bild: Heinkel

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