Windkraftanlagen bergen ein reales Kollisionsrisiko für Vögel. In den Diskussionen um den Ausbau der Windenergie gilt der Rotmilan als Paradebeispiel für eine zu schützende Vogelart. Doch auch andere Vogelarten und Fledermäuse sollen künftig stärker berücksichtigt und geschützt werden. Zu diesem Zweck hat das ZSW das Anti-Kollisionssystem BirdRecorder weiterentwickelt: Es kann nun neben dem Rotmilan auch andere Vogelarten und Fledermäuse erfassen und ist zudem mobil einsetzbar. Mithilfe einer KI-gestützten Datenauswertung lassen sich Windenergie und Artenschutz noch besser vereinen. In Kooperation mit dem Industriepartner ABO Energy startet nun eine Praxiskampagne in verschiedenen Windparks.
Artenschutz von Rotmilan zur Fledermaus
Der Bird- und BatRecorder 2.0 (kurz BBR 2.0) ist eine Weiterentwicklung des Systems BirdRecorder. Im Rahmen eines öffentlich geförderten Forschungsprojekts, das seit 2023 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWK) und vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg unterstützt wird, wurde ein kamerabasiertes, modulares System entwickelt. Langfristig soll das Anti-Kollisionssystem nicht nur für den Rotmilan, sondern auch für weitere Vogelarten und Fledermäuse funktionieren und so einen artenschutzgerechten Betrieb von Windenergieanlagen ermöglichen.
In der aktuellen Projektphase werden die Sensorik und die KI-Auswertung unter realen Feldbedingungen erprobt. Das Ziel besteht darin, belastbare Trainings- und Validierungsdaten zu generieren, um das System weiter zu verbessern. Dabei werden die KI-Modelle schrittweise um weitere windkraftrelevante Arten ergänzt. Hierzu gehören Weißstörche, Wespenbussarde, Weihen, weitere Greifvogelarten und Fledermäuse.
Die Forschung geht in den Feldtest
Für rund drei Wochen stellt das ZSW den mobilen Trailer in einem Windpark auf. Das System überwacht den Luftraum im Umfeld der Anlagen. Vögel im relevanten Beobachtungsbereich werden erfasst und die Daten für wissenschaftliche Analysen sowie das Training der KI genutzt. ABO Energy unterstützt die praktische Erprobung, indem ein geeigneter Standort bereitgestellt und die Kommunikation mit den Betreibern der Windkraftanlagen sichergestellt wird. Dabei wird der Aufwand für die beteiligten Projektpartner und Windparkbetreiber bewusst gering gehalten.
„Mit dem Bird- und BatRecorder 2.0 bringt das ZSW KI-Forschung direkt ins Feld: Ein mobiler Trailer erfasst Vögel und Fledermäuse im Umfeld von Windenergieanlagen und liefert Daten, die künftig verlässlichere technische Antikollisionssysteme ermöglichen werden“, kommentiert Dr. Frank Sehnke, Teamleiter für Simulation und Optimierung beim ZSW. „Die Kampagne zeigt, wie mithilfe der Forschung der Windenergieausbau und Belange des Artenschutzes ganz praktisch in Einklang gebracht werden können.“
Die mobile, autarke Trailer-Lösung ist dabei sowohl physisch als auch logisch vollständig von der Windenergieanlage getrennt. Die Stromversorgung ist über Photovoltaikmodule mit integriertem Batteriespeicher gesichert, die Datenanbindung erfolgt über Mobilfunk. Hochauflösende Kameras erfassen im Tagbetrieb den Luftraum, während eine ergänzende Sensorik einen Nachtbetrieb ohne störende Geräusche oder Blinken ermöglicht. Kritische Bereiche können technisch maskiert und als Privacy-Zonen ausgeblendet werden. Dadurch sind personenbezogene Daten sowie bodennahe Betriebsabläufe geschützt und werden nicht aufgezeichnet.