Daniel Hager wurde für drei Jahre zum ZVEI-Präsidenten gewählt. „Die Digital- und Elektroindustrie ist eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen unseres Landes“, betonte Hager unmittelbar nach seiner Wahl. In seiner Eröffnungsrede zum eSummit erklärte er, dass er die hohe Bedeutung dieser Branche für den technologischen Fortschritt und den gesellschaftlichen Wohlstand in Deutschland im politischen Dialog noch stärker verankern wolle.
Auf der Veranstaltung forderte Hager, Bundeskanzler Merz auf, den politischen Stillstand zu überwinden und überfällige Reformen bei Rente, Arbeitszeit und Sozialkosten einzuleiten. Hager sagte: „Wir müssen wieder stärker darauf schauen, was unseren Standort wirklich trägt: Leistung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.“
KI-Regulierung: Gestaltungsfreiräume statt Innovationsbremsen
Dies gelte umso mehr, da Deutschland und Europa vor großen Herausforderungen stünden. Das gelte etwa für die Entwicklung und Nutzung künstlicher Intelligenz. Während die USA und China Tempo machten, diskutiere man bei uns Regeln, die Innovation ausbremsen. „Eine Stärke der deutschen Elektro- und Digitalindustrie liegt in der Entwicklung von KI für industrielle Anwendungen – für Roboter, Prozessindustrie, Stromnetze oder Gebäude und vieles mehr. Um sie ausspielen zu können, brauchen wir mehr Gestaltungsfreiräume.“
Jede Regulierung müsse sich an einer einfachen Frage messen lassen. Hilft sie der Industrie und Wirtschaft – oder steht sie Innovation im Wege? Der jüngst im Trilog gefundene Kompromiss zum KI-Omnibus ist eine erhebliche Verbesserung, erfasst aber noch nicht alle relevanten Anwendungen. „Auch bei Medizinprodukten muss die Doppelregulierung abgeschafft werden“, so Hager.
Europas Resilienz: Binnenmarkt stärken, Abhängigkeiten vermeiden
Zudem sollte die Resilienz Europas gezielt gestärkt werden. „In geopolitisch schwierigen Zeiten ist Europa unsere ‚Lebensversicherung‘. Nur ein starkes Europa hält uns im Spiel, das kaum noch anerkannten Regeln folgt. Wir müssen den Binnenmarkt ausbauen und die EU zu einem Industriebeschleuniger machen, der auf Innovation und unternehmerische Initiative fokussiert und ein faires Wettbewerbsumfeld schafft.“
Eine besondere Rolle fällt dabei technologischer Exzellenz zu, über die Europa etwa in der Mikroelektronik verfügen muss. Sie ist eine Schlüsselbranche, die gefördert werden muss. Laut einer neuen ZVEI-Studie wird sich der Halbleiterbedarf in Europa bis 2040 verdoppeln. „Auf die steigenden Bedarfe muss Europa schnell reagieren und sein Mikroelektronik-Ökosystem stärken”, fordert Hager. „Bei Schlüsseltechnologien darf Europa nicht in einseitige Abhängigkeiten rutschen.“
Auch auf der Energieseite seien Abhängigkeiten abzubauen. „Die Zukunft ist elektrisch – egal, ob im Auto oder im Gebäude“, zeigt sich Hager überzeugt. Die Bürgerinnen und Bürger sehen das ähnlich. ZVEI-Umfragen belegen, dass die Attraktivität von elektrischer Mobilität und elektrischer Wärme eng mit dem Strompreis korreliert. Aus Sicht des ZVEI führt daher kein Weg daran vorbei, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken, wie es im Koalitionsvertrag angekündigt wurde und von der EU-Kommission gefordert wird.