Christian Els ist Mitgründer und Geschäftsführer von Sentin. Das KI-Start-up spezialisiert sich auf die Automatisierung von visuellen und bildbasierten Inspektionsprozessen in der Industrie. Nach Abschluss des Maschinenbaustudiums an der Ruhr-Universität Bochum wechselte Christian Els zunächst in den Bosch Konzern bevor er Sentin mitgründete.

Bild: Sentin

Artificial Intelligence Qualität sichern – KI nutzen

20.11.2020

Industrieunternehmen brauchen KI, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Nicht unbedingt das KI-Wissen, sondern Know-how fehlt vielen Firmen. Nur die Kombination aus bestehendem Fachwissen über Produktion sowie Produkt und neuster Technologie werden unseren Industriestandort langfristig erhalten können. Sind Sie bereit in die Zukunft zu starten?

Christian Els ist mit diesem Beitrag im A&D-Kompendium 2020 als einer von 100 Machern der Automation vertreten. Alle Beiträge des A&D-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen .

Ja, die Digitalisierung ist im industriellen Umfeld als Thema angekommen. Seit Jahren wird sie auf allen relevanten Industriemessen vorgestellt und etwaige Lösungsansätze präsentiert. Dabei stehen häufig digitale Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain, IoT und Co. im Fokus. Digitalvorstände wurden berufen und eingesetzt, um das Thema in den Unternehmen voranzutreiben. Diese Dynamik ist als durchweg positiv anzusehen und richtet unsere Industrie in Deutschland und Europa für die Zukunft aus.

Zugang zu KI-Technologien ermöglichen

Der nächste konsequente Schritt in Bezug auf die Digitalisierung der Industrie ist nun die Überführung dieser digitalen Schlüsseltechnologien in die tägliche Praxis. Dies schafft die Möglichkeit, theoretisches Wissen in die Anwendung zu bringen und Know-how aufzubauen. Nur dieses wird es uns ermöglichen, international wettbewerbsfähig zu bleiben. Das gilt besonders gegenüber Wirtschaftsräumen, die bereits vor Jahren angefangen haben Digitaltechnologien einzusetzen und anzuwenden. Um Unternehmen den Zugang zu Potenzialen der KI-Technologie zu ermöglichen, haben wir Sentin gegründet. Dabei fokussieren wir uns besonders auf eine Kernfähigkeit von KI-Technologie, nämlich die des maschinellen Sehens.

In Zuge dessen bietet unser Unternehmen Softwarelösungen an, die es ermöglichen, diese Fähigkeiten für verschiedenste Anwendungsfälle zu nutzen. Sei es die Interpretation von Röntgenaufnahmen in der zerstörungsfreien Prüfung, die Auswertung von Kamerabildern von Produktoberflächen oder aber die Analyse bildgebender Ultraschallverfahren. In der Medizintechnik sind solche Systeme schon im Einsatz und auch bereits zertifiziert. Diesen Schritt wollen wir nun in der Industrie gehen. Durch bereits vortrainierte KI-Modelle sowie clevere Technologien benötigen wir heute schon kleinere Zahlen an Bilddaten zum Training als häufig angenommen.

Maschinelles Sehen

Diese werden sich in Zukunft noch weiter reduzieren. Das maschinelle Sehen ist kein neues Technologiefeld. Bereits vor Jahrzehnten wurde mit der Entwicklung entsprechender Algorithmen begonnen. Heute sind viele solcher regelbasierten Erkennungssysteme im industriellen Einsatz. Sie eignen sich gut für zum Beispiel Zähl- oder Positionierungsaufgaben. Für die sonst vom Menschen durchgeführte visuelle Qualitätskontrolle sind sie allerdings meistens ungeeignet.

Kratzererkennungen auf Metalloberflächen können meist nur unter Inkaufnahme eines hohen, so genannten „Pseudoausschusses“, zuverlässig erkannt werden. Dies sind Gutteile, die fälschlicherweise als Ausschuss erkannt werden. Ebenso ist häufig ein aufwendiges kontinuierliches Nachprogrammieren notwendig. KI-Systeme hingegen sind deutlich robuster. Sich ändernde Lichtverhältnisse oder Positionsänderungen eines Bauteils haben beispielsweise keinen negativen Einfluss auf die Fehlererkennung.

Als Unternehmen legen wir einen großen Wert darauf, KI so transparent wie möglich zu machen und nur dort einzusetzen, wo es wirklich Sinn macht. Wir glauben an den Einzug von KI-Know-how in der Industrie, weshalb der Aufbau von Vertrauen in jene Technologien essentiell für deren Fortschritt ist. In meiner Vorstellung kann es nur eine gemeinsame Zukunft geben, in der klassische Industrien und Technologieunternehmen koexistieren und voneinander profitieren. Wir müssen lernen, dass es hier kein Entweder-oder geben sollte. Zumindest nicht im Sinne einer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsraums.

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